Freitag, 18. Juli 2014

Camp Krassinger

Ich habe so das Gefühl, dass Märchenschimmer drauf und dran ist, zu einem Travel Blog zu mutieren. Ich bin gerade so oft auf Reisen, erhasche hunderte Fotos, und irgendwie gibt es doch immer was zu erzählen. Keine Sorge, das ist schon der vorletzte Post und dann wandele ich wieder durch die heimischen Wiesen und Wälder.

Dieses Mal war ich also mit sieben Freundinnen in Prerow, ein großer Campingplatz an der Ostsee. Die Anreise am Donnerstag erfolgte ganz komfortabel durch Mama und Papa, und kaum waren wir allein, ging das Desaster schon los. Jawohl, für dieses Zelt haben wir zwei Stunden gebraucht. Das lag vor allem am grässlichen Wind und weil wir zweimal den Standort wechseln mussten, um am Ende da zu bleiben, wo wir ganz am Anfang waren. Natürlich.


Mitten in den Dünen haben wir gezeltet. Hehe, ich bin auch auf dem Bild!


 Belohnt für die Mühe wurden wir mit einem genialen Sonnenuntergang. Die Fotos sehen zwar so aus, als hätte ich den Sättigungs-Regler gefoltert, habe ich aber nicht; Ehrenwort!







Am Freitag haben wir zwei jüngere Jungs kennen gelernt (älter als ich, um genau zu sein, aber ich bin da in meinem Freundeskreis kein Maßstab), die wir bis zum vorletzten Tag an der Backe hatten. Nein, so schlimm war es eigentlich nicht, ich fand es bloß lustig, wie sie tagtäglich auf der Bildfläche erschienen. Allerdings haben sie uns abends gezeigt, wie man heimlich ins Trampolin klettert, was ich euphorisch mitgemacht habe. Es waren eh alle der Meinung, ich wäre ein bisschen angeheitert, aber ist ja nicht so, als würde ich sonst nie stolpern! Gut, vielleicht häufte es sich an dem Abend wirklich.


Samstags mussten wir alles umorganisieren, weil der Wind so viel Sand in eine der Schlafkabinen pustete. Also zu fünft in die andere Vierer-Kabine.


Ich bin ziemlich froh, dass wir uns da nur nachts reinquetschen mussten. Die meiste Zeit haben wir am Strand das wunderbare Wetter genossen. 




Was ist das für ein komischer Vogel?


Eine kleine Ernüchterung stellten die offiziellen Partys dar, die doch ein wenig lahm waren. Auf dem Rückweg wurden Juli und ich von zwei Typen angequatscht, und ich frage mich immer noch, wieso ich nicht schon das Weite gesucht habe, als mich plötzlich ein Fremder von hinten umarmt hat. Ich glaube, dafür bin ich lieber mal zu jung und naiv und verklemmt, und ganz ehrlich; ich hab schon originellere Gespräche genossen.

Der Sonntag schlich sich träge dahin. Irgendwie saßen alle nur herum, lasen Bücher und Zeitschriften... wobei wir in der Bravo-Fotostory (seeeehr romantisch!) den Begriff »Krassinger« entdeckten. Gute Güte, wer kommt denn auf sowas? Und wer benutzt solche Wörter?
Wir. Nicht ganz ernsthaft vielleicht, aber Zeltplatz Nummer 542 und alles drum rum wurde »Camp Krassinger« getauft.

13. Juli 2014, Sonntag, 9 Uhr abends. Anpfiff Deutschland gegen Argentinien. Mara sitzt allein mit einem Löffelchen Nutella in den Dünen.

Ich hab das Tor und den Sieg allerdings gehört, war ziemlich laut.


Montag schlug das Wetter um und der Regen prasselte von draußen nur so gegen die Zeltwand. Langsam wurde es unangenehm, überhaupt nervt es, dass überall Sand ist, und meine Güte, wann hört das denn auf? Ich bin irgendwann frustriert dauerduschen gegangen, und glaubt mir, drei Minuten heiß duschen gehen schneller vorbei als zwei Minuten auf's Wasser warten.
Weil es nicht gerade besser wurde, haben wir im Zelt gefrühstückt und uns erst abends wieder so richtig rausgetraut. Am Strand stießen wir auf einen Koch, über den wir uns plötzlich ein Mittagessen für Mittwoch sicherten und der mir ziemlich viel über Philosophie, Kung Fu und was weiß ich zu sagen hatte. War ja ganz nett, aber irgendwann bin ich gar nicht mehr zu Wort gekommen und der hat mir die ganze Zeit gegen den Arm geditscht, als könnte ich keine dreißig Sekunden zuhören. Deswegen habe ich den kurzen Strand-Spaziergang dankend als Flucht-Ausrede genutzt.

Das war auch gut so. Ich bin manchmal ein bisschen neidisch auf Raucher, kurz nach Feuer fragen und schon ist man im Gespräch, aber wir haben eine neue Variante: »Hey, wieso stehst du da so allein am Wasser? Alles okay? Willst du dich umbringen?«
Und so lernten wir also Basti kennen, Suizidgefährdeter, der sich gerne über unseren Provinz-Slang lustig macht (»einen hauen« sagt man also nicht mehr, soso) und durch den ich einen ziemlich betrunkenen Schamanen lauschen durfte, der uns erklärte, dass der Mond gerade günstig steht, um einen Turm aus Bierflaschen zu bauen.
Klingt fragwürdig, aber in der Gruppe habe ich mich ziemlich wohl gefühlt.

Wir waren als Gesellschaft wohl auch ganz in Ordnung, zumindest haben sie am Dienstagabend lautstark nach der 542 gesucht. Hier! Hier sind wir!
Und da fing es schon an mit diesem »Man muss aufhören, wenn es am schönsten ist.« Denn was gibt es Schöneres als diese Momente? Wenn man am Strand in einer großen Gruppe um eine Fackel sitzt, der Ukulele und den Wellen lauscht und gar nicht merkt, dass es auf einmal schon drei Uhr nachts ist?


Am Mittwoch hatte niemand Lust darauf, die Zelte abzubauen und alles zum Strand zu karren, um die letzten Stunden abzuwarten. Vor allem, wenn man von Moralaposteln angeblökt wird, die sich beschweren, weil wir mal für fünf Stunden zwei Bollerwagen beanspruchen. Hey, andere behalten die eine ganze Woche!

Ein kleiner Lichtblick war zunächst unser versprochenes Mittagessen; wer hätte gedacht, dass man am Strand gratis solch deliziöses Sushi bekommt? Ich hab mich trotzdem ein bisschen verfrüht vom Acker gemacht, als die Gesprächsthemen nur noch an Gurken-Makis und Koch-Homepages kratzten, und ich hätte sonst auch zwei Dinge verpasst:
Einmal wurde ich Zeuge von Wiebkes telepathischen Kräften. Sie hat einfach Namen in den Sand geschrieben, und binnen drei Minuten war die entsprechende Person bei uns – wirklich, das hat zweimal geklappt!
Und gleichzeitig habe ich Andrija kennen gelernt. Den hatte ich eigentlich schon als betrunkenen Schamanen erlebt, aber diesmal war er nüchtern und es ist irgendwie erstaunlich, dass man manchmal Leute trifft, die einfach passen. Mit denen man redet, sich versteht und das Gefühl hat, man müsste die ganze Zeit zustimmend nicken, weil man ganz genau so denkt. Witze, Ideen, und diese Sache mit dem Namen. Ich glaube, wenn man Andrija heißt, ist es gleich noch schlimmer, aber Mara hat auch schon oft genug als Gehänsel-Basis gedient. Trotzdem, man wächst mit der Zeit darüber hinaus, ich habe viel gelernt aus dieser Zeit, in der man meinen Namen verkrüppelt hat. In diesem Moment ist mir noch einmal bewusst geworden, dass ich es mag, Mara, Märchen, Märchenkind zu sein.


Und dann wurde all das auch schon zu Vergangenheit. Ein flüchtiger Abschied, ein letztes Mal den Sand unter den Füßen spüren, und man ist fort. Ich bin immer noch ein bisschen müde, Urlaub ist ganz und gar nicht das, was ich unter Erholung verstehe, aber ich bereue keine der langen Nächte. 
Im Gegenteil. Ich wünschte, ich wäre schon jetzt zurück am Meer.

Kommentare:

  1. Ernsthaft Mara? Du warst echt in Prerow? Muss ich dir jetzt sagen, dass du nur bis zu den letzten beiden August Wochen hättest warten müssen, dann hättest du mich auch dabei gehabt?! Haha, irgendwie lustig, findest du nicht?
    Auf jeden Fall macht mir dein Post gerade noch viel, viel mehr Lust darauf, dort Ferien (und Fotos) zu machen. Hast du noch irgendwelche anderen Tipps (außer Nutellagläser mitzunehmen)? Ich bin, so wie es aussieht nämlich leider alleine mit meinen Eltern unterwegs und das klingt jetzt nicht ganz so verlockend...
    Deine Sonnenuntergangsbilder sehen übrigens genial aus. Wunderschön! Ich bin sicher, es gibt noch ein paar andere Bildchen? *blinzel* *Hundeblick* *blinzel*

    Ach, das mit dem sofort Verstehen. Wie gut ich das kenne (du bist da ja auch so ein kleines Beispiel für ;)). Manchmal passt es einfach, aber meistens hat man das Pech, hunderte Kilometer auseinander zu wohnen. Wenn man so viel rumreist wie du (und manchmal auch ich), ist da das Risiko natürlich auch nochmal größer. Aber schön ist es ja trotzdem, wenn es denn mal passiert.
    Ich freu mich schon auf deinen nächsten Post, auch wenn er mal wieder etwas mit Reisen zu tun hat (oder gerade deswegen?) :D

    . xo xo Lynnie

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    1. Neeeeeeeein! Mist!
      Naja, immerhin weißt du schon mal von der schönen Sonne. Aus Prerow waren das die schönsten, aber ich habe gerade beim Warten noch ein spontanes oranges-Licht-Porträt gemacht, das schmuggele ich vielleicht mal zu Instagram.
      Hmm... also lebensrettend ist ein Handfeger fürs Zelt und Gummi-Stiefel sind ziemlich toll, dann hat man mal ein paar Sekunden keinen Sand an den Füßen, wenn man von den Duschen kommt. Und wir haben den Wind unterschätzt, es ist zum Teil recht frisch. Vor allem, wenn man mitten in der Nacht am Strand Berlin-Slang lernen will. Aber ich glaube, wenn man offen ist, geht das schon, man lernt da schneller Leute kennen, als einem lieb ist. Einfach am Volleyballfeld rumlungern und fragen, ob man mitmachen kann (das sage ich so einfach, ich hatte ja einen riesigen Mädels-Clan. Laut irgendwelchen bekifften Jungs waren wir die Frischfleisch-Herde und sie die Löwen, iiiiihiiihi... Schön.)
      In Paris lerne ich bestimmt keinen so coolen Schamanen kennen, und wenn doch, dann verstehe ich ihn bestimmt nicht, weil französisch in Kombination mit Märchen ist doof... Und weil ich selbst zu schüchtern bin, vermutlich. Aber ich werd's ja alles sehen, ich bin optimistisch!

      Bis dann! :)

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    2. Doooooch!
      Stimmt, das ist ja schon einmal etwas. Aber das hätten wir auch zusammen heraus finden könnnen ;) BItte beeil dich mit dem schmuggeln (wenn du nicht viel zu beschäftigt mit dem Herumreisen bist^^).
      An Gummistiefel hätte ich mit Sicherheit nicht gedacht. Gut, an Handfeger auch nicht, aber dafür hat man ja Eltern, oder? Mal sehen, wie ich den Wind überleben werde, bin ja vermutlich noch viel weniger gewöhnt in dem Bezug als ihr Flachländer ;D
      Volleyball hört sich doch gut an. Das war zwar mein schlechtestes Sportsemester, aber es macht mir trotzdem Spaß^^
      Mh, ich wäre lieber Löwe. Die haben so schönes Fell. Aber gut, man kann sich ja nicht aussuchen, als was man bezeichnet wird^^ Ich werde jetzt einfach einmal behaupten, dass sie mit dem Spruch nicht besonders viel Glück bei euch hatten?
      Französisch hört sich immer so schön an – solange ich es nicht spreche. Aber manche können ja auch Englisch. Mehr oder weniger. Von Deutsch fange ich jetzt lieber nicht an. Warum bist du überhaupt in Paris? Nicht, dass es nicht schön wäre, aber wann bitte bist du mal zu Hause gewesen in letzter Zeit?

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    3. Ich hab es noch nicht mal auf dem Computer, ich bin wirklich zu beschäftigt mit Reisen.^^ Gewesen, jetzt will ich erst mal laaange zu Hause bleiben.
      Ich würde gern mal wieder Volleyball haben, wir müssen Badminton spielen. Das ist doof. Und ich kann es nicht. Vielleicht ist es deswegen so doof.
      Jaa, ich auch! In meinem nächsten Leben nach dem Tod bin ich auch ein Löwe, aber ganz bestimmt nicht so ein anzüglicher, bekiffter. Nein, sie waren damit unglücklich. Wir haben ja nettere Leute kennen gelernt.
      Mein Französisch hat auch bloß für Schokobrötchen, "Ich will die Nudeln ohne Bolognese", "Nein, ich kann nicht tanzen!" gereicht. Aber was soll's. Ich hab's überlebt.

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  2. Oh das hört sich wundervoll an, Mara!
    Und das letzte Bild ist traumhaft. Ehrlich gesagt liebe ich deine Reiseposts. Reiseposts allgemein liebe ich sehr. Ich bin ein Träumer, möchte immer weit weg, ein Weltentdecker. Daher stürze ich mich voller Begeisterung auf Reiseposts.
    Das hört sich nach einem tollen Kurzurlaub an. Und es ist doch immer wieder interessant ganz unterschiedliche Menschen kennenzulernen! :)
    Alles Liebe, Salo

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    1. Ich finde es auch interessant, man sieht so viel von der Welt und hat eine Meinung dazu, der man vertrauen kann. Blogger sprechen oft so ehrlich von ihren Erfahrungen... Ich finde deine Reisereporte über Strasbourg auch echt toll! :)

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  3. wow das hört sich echt toll an! und du kannst toll schreiben,ich wünscht ich könnte das so in den sätzen^^
    tolle bilder sind es auch :)

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    1. Danke dir :) Obwohl ich eigentlich finde, dass du auch schön schreibst, es lässt sich so schön flüssig lesen!

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  4. He du:)
    Fange ich mal wieder mit den Bildern an--wunderbar, da bekomme ich gleich Sehnsucht nach Strand und Meer...aber Zelten, das ist nichts für mich.Das Klima im Zelt ist so schlimm und irgendwie ist immer alles voller Sand, na das kennst du ja.
    Interessant, auf die Idee mein Nutellaglas mit in den Urlaub zu nehmen bin ich noch garnicht gekommen!
    OMG-Bravo Lovestory, das ist so furchtbar, die ganze Zeitschrift ist furchtbar!!
    Aber aus lauter Verzweiflung würde ich das wohl auch lesen:)
    Ja, wenn du viel unterwegs bist, kannst du ja auch darüber berichten, ich finde es gut.
    Bis bald, Silver♥

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    1. Das Klima ging schon, aber der Sand... War wirklich blöd. Ich glaube, zelten in Prerow ist sogar teurer als eine kleine Ferienwohnung, aber da hat es sich dann wohl auch mit den vielen jungen Leuten am abendlichen Strand.
      Die Bravo ist wirklich furchtbar.^^ Aber so furchtbar, dass es einfach schon wieder lustig ist. Allein das Titelbild, Miley Cirus mit rot lackierten Krallen unter der Headline: "Sel, jetzt nehm ich dir Jus weg!" oder sowas. Göttlich! xD

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  5. Klingt einfach toll. Die Bilder sind wieder einfach herrlich.

    Liebst Minnja
    www.minnja.de

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    1. Vielen, vielen Dank. :) Das war es auch.

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  6. Die Sonnenuntergänge dort sind echt der Hammer. Ich liebe sie auch sehr und kann mich gar nicht daran satt-fotografieren. :)

    Deine Bilder sind echt toll. Da bekomme ich sofort Fernweh nach Mee(h)r.

    Mit lieben Grüßen,
    Sarah Maria

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    1. Konnte ich auch nicht wirklich, es ist so schön... Ich vermisse es jetzt schon wieder. ♥

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  7. Guten Abend.
    Ein interessanter Blog, dem ich mal folgen werde. :-) Wenn du magst, darfst auch du mich gerne bei mir besuchen.

    Liebste Grüße.

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