Sonntag, 14. September 2014

Schleier




As if to be accepted you need to sell yourself,
They need to learn there's much more to this world.

And the colors of these roads are matching the rainy sky.
We're too blind to see what's really here in front of our eyes.
And I hope someday this will all reverse,
And send us back to the times before.
Before we grew up and lost the novelty of
Clear blue skies and climbing trees.
Can't you see what our lives have come to be?
Gabrielle Aplin, Reverse


Mein Chor hat gestern ein Konzert gegeben. Nichts Besonderes. Ein bisschen zu wenig Sopran 2, stellenweise habe ich allein mit meiner kleinen Schwester die Stimme gehalten, die Ausstrahlung war wohl grausig und die Akustik ist im Freien auch nicht unbedingt förderlich. Aber es war nett, meine Bio-Lehrerin hat Kuchen gebacken (es kommt selten vor, dass ein ganzer Chor mit Essen versorgt wird) und wir haben später noch an den Tischen gesessen und geredet. Dass der Tenor immer noch vor sich hin nuschelt, wenn ihr Stimmführer weg ist.

Dass viele dieser Jungs auch im echten Leben vor sich hin nuscheln würden, wenn er nicht wäre.


Es ist traurig, wie abhängig sie sind. Um die Aufmerksamkeit von ein, zwei Leuten buhlen, die »cool« sind und dabei irgendwie vergessen, ihr eigenes Leben zu leben. So sind wir alle ein bisschen, manche mehr, manche weniger. Und es ist auch gar nicht immer schlecht. Manchmal wird man inspiriert, bewundert jemanden, schaut sich ein paar nützliche Tricks ab. Aber einige verändern sich so sehr, dass ich nicht verstehe, wie das hatte passieren können.
Wo ist der Junge geblieben, der seine eigenen Ideale gelebt hat? Warum verstellt er sich?
Bin ich auch jemand geworden, der ich eigentlich nie sein wollte?

Ich weiß nicht, ob ich wirklich hoffe, dass wir eines Tages zurückgehen werden und die Welt ohne die Schleier des Erwachsenwerdens sehen können, die sich langsam auf uns herabsenken. Man kann sie wegpusten und die Welt einen Moment so klar sehen wie damals, aber irgendwann geht einem der Atem aus und man muss sich dem stellen, was da jetzt ist.
Vielleicht hoffe ich einfach, dass es nie zu viele Schleier werden, und dass sie leicht genug sind, um immer wieder von einer schwachen Brise hochgeweht zu werden. Ich will nicht vergessen, dass man irgendwann ganz genau die Bilder gemalt hat, die man malen wollte und kunterbunt durch die Welt gerannt ist, weil man noch nicht in eine Gesellschaft passen wollte; musste. Als man nur zu Fasching und beim Spielen fremde Rollen übernommen hat, weil man selbst ganz und gar richtig und einzigartig und wundervoll war.

Ich hoffe wirklich, dass ich das nie vergesse.


[Pullover: Bershka]

Kommentare:

  1. ich finde die idee dieses posts wunderbar - wenn auch traurig - den text finde ich gut und kann ihn nachvollziehen, denn ich habe mir oft die gleichen fragen gestellt. es ist wichtig zu wissen, wer man ist und wohin man geht/wohin man gehen möchte. ich hoffe (und bin mir sicher), dass du das nie aus dem blick verlieren wirst.

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    1. Vielen, vielen Dank. :) Ich wünsche dir genau dasselbe, obwohl ich das Gefühl habe, das müsste ich nicht - ich denke, du siehst ohnehin, wie es gerade steht und wer du sein willst.

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  2. hallo wir feiern gerade das 2jährige Bestehen unseres Blogs und machen deshalb eine Blogvorstellung! :) Wir würden uns freuen wenn du auch daran teilnehmen würdest! :)

    young blood

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  3. So ein schöner Post... und schöne Bilder, das alles hat mich zum nachdenken gebracht..:)

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    1. Vielen lieben Dank, das freut mich wirklich! :)

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  4. Das letzte Bild ist klasse !
    Liebste Grüße(:
    -
    http://bedeutungsvolle-momente.blogspot.de/

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  5. Ich mag diesen Post sehr.Und ich hoffe, du bewahrst dir zumindest ein wenig das Kind in dir, den Humor, die Neugier und den Hang zu Märchen und Fantasiewelten.
    Dieses buhlen um Aufmerksamkeit und Anerkennung, vielleicht liegt das in unseren Genen, sowas Steinzeitmäßiges, wo es einfach sicherer in einer Gruppe war, wo man leichter Beute machen konnte, mit anderen zusammen, wo das Überleben eher gesichert war, wenn man mit Leuten unterwegs war.(ich schweife wieder etwas ab).Wir sind eben Herdentiere und wollen einfach irgendwo hingehören.
    Heute hast du diese Gruppe auf Instagram, Facebook etc. und unsere Gesellschaft ist einfach so.
    Ein bisschen verlogen und oberflächlich, wie traurig, dass sich jemand verstellen muss oder denkt, dass er es muss, um "dazu zu gehören".
    Genau, kunterbunte Welt, es lebe Pippi Langstrumpf:D
    Ganz liebe Grüße, Silver^^

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    1. Wo wären wir alle ohne das Kind in uns drin?
      Och, ich glaube, man kann wirklich Vieles auf diese Ur-Instinkte beziehen. Die sind eben bei machen Leuten sehr ausgeprägt. (Und bei anderen sind es andere Instinkte? Wir sind alle so schrecklich instinktiv. Klingt nach einem Hipster-Zitat.)
      Stiiiimmt, Villa Kunterbunt! Ich hab letztens zwar schon vergessen, wie Tommy hieß, was eindeutig darauf hinweist, dass ich zu wenig von Pippi weiß, aber an sich ist sie ein ziemlich toller Charakter. Kreativ. Das war man damals noch. Tjaja.

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  6. Hach ich seh solche Bilder von dir und denke, damals wollte sie nie die Haare zusammen machen und jetzt so :D
    Mit dem Verändern verstehe ich was du meinst, ich finde da passt doch ein wenig Kraftklub rein.
    "Meiner Meinung nach können sich alle Bands verantwortungsvoll in Interviews geben, meine Vorbilder werden sie eh nicht."
    Natürlich gibt es solche und solche, die danach Streben sich zu verändern und sich so wie eine Person zu verhalten einfach weil die ja Aufmerksamkeit bekommt dann klappt es bei einem ja bestimmt auch.
    Oder die unterbewusst wen anders mimen.
    Verändern tun wir uns alle so oder so, nach und nach. Ob so wie wir uns das vorgestellt haben ist eine andere frage.
    (Hoffe das passte noch alles zum Thema des Posts hatte ihn mir gestern durchgelesen und war zu schreibfaul :D)

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    1. Ja, stimmt, damals fand ich, dass das schrecklich aussah. :D Aber da mochte ich auch kein Rosa, die Phase kommt bei mir einfach zehn Jahre zu spät.
      Doch, doch, passt ungefähr.^^ Ich frage mich nur, wie wir uns verändern, aber das mit der Aufmerksamkeit ist immer am schlimmsten. Na gut, vielleicht sind manche Leute ja auch nur sie selbst, wenn sie im Mittelpunkt stehen, egal wie... Auch interessant. Bin ich aber ganz sicher nicht.

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  7. du weißt gar nicht, wie verwirrt ich von deinem satz war: ''ich weiß nicht, warum mein gemisch blau genannt wird.'' - was meint sie mit gemisch? welches gemisch? was für ein blau? hä? jetzt versteh ich, was du meinst und fühl mich bisschen blöd. naja. gemische sind schön, weil so viel neues und interessantes daraus entstehen kann. welche farbe deine augen auch immer haben mögen, ich bin mir sicher, sie sind schön! also psht

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    1. Als ich es gerade nochmal so ohne Kontext gelesen habe, war ich auch total verwirrt - wovon habe ich denn da geredet? :D Aber es können ja wirklich nicht alle eine strahlend blaue Iris haben, eigentlich sind Augen generell immer faszinierend. Vor allem ein ganz dunkles braun, das sieht so wundervoll aus!

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  8. Ich beginne einfach mal wieder mit dem unqualifizierten Gequassel, die etwas sinnvolleren Sätze kommen später (keine Garantie für den Sinn!): Ich LIEBE diesen Pulli. Rosa mit Schleife, geht es eigentlich besser? Wo bekommt man so etwas her? Und die Bilder... So schön soft und pastellig. Bekomm ich bei mir irgendwie nie hin... Aber ich hab auch nie so gutes Licht, leider.

    Ich glaube, jeder will zu einem gewissen Grad 'reinpassen' und 'dazugehören' und ist bereit, die ein oder anderen Dinge nicht zu beachten, sie hinter einem Schleier zu verbergen. Und wenn wir dann in ein, zwei Jahren zurück denken, unseren Platz vielleicht gefunden haben oder aber noch auf der Suche sind, dann fragen wir uns, was wir damals eigentlich angestellt haben.
    Aber so geht es den Meisten. Die Wenigstens werden von Anfang an so gefestigt in ihrer Persönlichkeit sein, um sich auf so etwas nicht einzulassen.
    Aber es ist ja nicht unbedingt immer schlimm. Solange man irgendwann herausfindet, wer man sein und wohin man möchte, gehört diese Phase einfach zum Weg dazu.

    Mal wieder ein wunderschöner Post, ich freu mich schon auf den nächsten :)

    . xo xo Lynn

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    1. Der Pulli ist von Bershka, ich war auch ganz begeistert. :D Wie man im nächsten Post aufgrund deiner Frage auch prima sieht- Das Licht war ganz normal, vormittags, ich hab hab einfach die Gardinen zugezogen und an der Belichtung gedreht.

      Ich glaube, es gehört wirklich dazu, über verschiedene Pfade zu straucheln, solange man erkennt, dass man mal wieder auf dem falschen gelandet ist. Und solange man es sich eingesteht und daraus lernt.

      Tja, nächstes Mal ist nicht ganz so poetisch. :D

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  9. Vielen Dank für deine lieben Worte! Man ist selber oftmals halt nicht zufrieden mit dem was man schreibt/macht..
    Und auch hier wieder bei dir schöne bilder,der pulli gefällt mir! Du bringst es gedanklich auch mal wieder korrekt auf den punkt. :)

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    1. Vermutlich schon, ich schreibe manchmal Sätze auf und frage mich zwei Minuten später, wie ich nur auf solchen Mist gekommen bin. Da tut ein bisschen Gehätschel wirklich gut. ;D
      Und vielen Dank! :)

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