Sonntag, 19. Oktober 2014

Mein Weltenteleskop


An und für sich haben die beiden Bilder nicht allzu viel gemeinsam, abgesehen davon, dass sie von mir sind und beide vor zweieinhalb Monaten entstanden sind. ... Nur so wenige Wochen; diese warmen Tage in den Sommerferien kommen mir schon unglaublich weit entfernt vor.

Aber es sind beides Augen-Bilder. Das erste ohnehin, aber ich finde, manche Fotos, Zeichnungen und Gemälde ziehen einen damit in ihren Bann. Angefangen mit der Mona Lisa bis zu den unzähligen Selbstporträts bei Instagram, denen ich meist eher wegen der unglaublich verklebten Wimpern meine Aufmerksamkeit schenke. Seltsam, den Fliegenbeinchen-Trend scheine ich verpasst zu haben (aber ich habe vor kurzem tatsächlich einen Artikel darüber gelesen, wer weiß, vielleicht wird das noch viel schlimmer).

Augen sind faszinierend. Ich wünschte, ich wüsste mehr darüber, denn eigentlich kann ich kaum verstehen, dass das alles einfach so funktioniert. Wie kam die Evolution auf die Idee, Augen zu machen und wie, um Himmels Willen, hat sie das hinbekommen? Ich meine, irgendwer muss wohl gewusst haben, dass es eine Menge zu sehen gibt und dass es sich lohnt, diese Welt zu betrachten, aber das dann in die Tat umzusetzen... Manchmal würde ich gern Biologie studieren, um ein klitzekleines Fitzelchen vom physischen Wunder des Lebens zu verstehen.


Meistens denke ich eher darüber nach, einen Studiengang übers Träumen zu belegen.
Notendurchschnitt ist egal, willkommen in der Welt, die man mit denselben Augen und doch anders sieht. Ihr kennt das ja. Ich lebe irgendwie halb woanders.

Ohne die andere Hälfte zu vernachlässigen, mein reales Leben ist ganz und gar fabelhaft, aber manchmal bin ich so weit entfernt, dass ich ein Ei über dem Kompost und nicht über der Tasse aufschlage. Das hat mir schon ein bisschen zu denken gegeben. Wenn man sich gedanklich irgendwo in Köln befindet, ist es schwer, zu Hause einen Muffin zu machen.

Ich glaube, wenn man ein Teleskop vor Augen hat, ist das sowieso schwierig, aber Weltenteleskope sind wirklich unbeschreiblich fesselnd. Ich habe mir eins gewünscht, um andere Orte und all die Parallelwelten zu sehen, die da irgendwo sind, aber mir ist bewusst geworden, dass es sowieso da ist. Man trägt es immer mit sich rum und sollte es, wie ich lernen musste, nur dann aktivieren, wenn man keine rohen Eier in der Hand hat. Sie schweben einfach in der Luft, und manchmal kann man hindurch sehen und erkennt etwas auf der anderen Seite.
Wenn man nachts träumt.
Auf den geistigen Wanderungen im Alltag.
Sobald man ganz besondere Musik hört.
Beim Lesen.
Und es ist eigentlich auch gar nicht immer so poetisch und märchenhaft. Manchmal sieht man auch eine Welt, die genauso aussieht wie diese, und man befindet sich sogar höchstpersönlich darin, oder vielleicht auch nur ein spiegelgleiches Abbild. Hat sich nicht jeder schon mindestens einmal ein perfektes Gespräch vorgestellt, abgesehen davon, dass man sowieso weiß, wie gewöhnlich und unspektakulär das ganze in zwei Tagen tatsächlich sein wird?
Jeder schaut ab und an durch dieses Weltenteleskop, ganz egal, ob man dabei für einige Sekunden den morgigen Heimweg sieht und übers Wetter nachdenkt, durch Köln flaniert oder einen Elfenwald erblickt. Ich für meinen Teil finde es gesund. So viel Realität auf einmal könnte ich kaum ertragen.

Und ehe die ganz Rationalen den Finger heben: Das ist ein Balance-Akt, den jeder für sich bestreiten muss. Manche geraten schnell aus dem Gleichgewicht, andere taumeln über das Seil und liegen damit genau richtig. Es sollte vielleicht nicht allzu oft vorkommen, dass man sein Essen in den Müll kippt oder vergisst, das Teleskop öfter mal zur Seite zu schieben.

Aber wenn man es richtig anstellt, ist so ein Teleskop eine feine Sache.

Kommentare:

  1. Augen sind wirklich faszinierend. Und ein wunderbarer Text, genau richtig zum Träumen!

    Und du hast Recht, irgendwie zusammengepackte Beutel sind immer ein gutes Geschenk :)
    Ich wünsche dir noch einen schönen Restsonntag,
    Alles Liebe, Salo

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    1. Vielen lieben Dank. :) Was gibt es auch Schöneres als Träumen?
      Danke, wünsch ich dir auch!

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  2. das stimmt! augen sind wirklich faszinierend und man sagt ja auch,dass augen die spiegel zur seele sind..
    ein wunderbarer, zum träumen einladener text :)
    und ich mag fliegenbeine übrigens auch nicht :D

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    1. Das Zitat hatte ich beim Planen des Posts auch kurz im Kopf, aber beim Schreiben hat es wohl nicht in den Text gefunden. Trotzdem, es ist unglaublich, was man nur an den Augen eines Menschen erkennen kann...
      Ich frage mich ernsthaft, wie man Fliegenbeine mögen kann – dann doch lieber Wimpern ankleben. Was ich tatsächlich regelmäßig zu Halloween tue, weil es so genial aussieht. :D

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  3. Ein wirklich toller Text, ich mag deinen Schreibstil sehr. Ich glaube träumen und durch das weltenteleskop zu schauen ist ziemlich wichtig, Menschen die das nicht können oder nicht zulassen, denen fehlt etwas was man nur nichts ersetzen kann. Irgendwie ist das wie Urlaub für die Seele :)
    Liebe grüße und einen schönen Sonntag noch,
    Jone

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    1. Dankeschön, liebe Jone. :) Urlaub für die Seele sind auch wundervolle Worte dafür, und wer braucht zwischendurch nicht mal ein paar freie Tage? Ich merke gerade, wie dringend ich die Herbstferien brauchte, und ein ausgeglichener Geist ist sogar noch wichtiger.

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  4. Ach Möhrchen, du fasst immer alles so wirklich zusammen. Einfach passend und oft so als hättest du in meinen Kopf geschaut...hallo? Weltenteleskop?
    Ich kann mir nicht vorstellen wie es wäre, nicht ab und an mal in andere Welten abzutauchen, klar, man lebt im Hier und Jetzt aber manchmal muss man einfach raus.
    So, ich bin dann mal weg, bitte nicht stören, für die nächsten 60 Minuten.
    Bist du gedanklich in Köln weil du im realen Leben bald da sein wirst? Quasi so ein Vortauchen in die zukünftigen Tage?? Hä? Du weißt schon.
    Augen sind nicht nur schön (jedenfalls meistens) sondern wirklich höchst interessant.
    Sieht man nicht eigentlich alles auf dem Kopf und unser Gehirn dreht das dann um? Gott, wäre mir schwindelig wenn es nicht so wäre. Oder wie Tetrachromaten ihre Umwelt wahrnehmen, die selbe Welt, andere Sicht.
    Schreibe ich eigentlich zuviel?
    Schönen verträumten Sonntag noch,
    Silver^^

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    1. Glaub mir, dass denke ich auch manchmal. Haben wir beide unsere Kopf-Ersatz-Schlüssel ausgetauscht?
      Nö, ich war einfach so in Köln (also, kopflich), aber ich finde, ich sollte wirklich mal hin. Mir den Dom anschauen und gucken, was die Domplatte ist, davon habe ich schon mindestens zweimal gehört und es klingt irgendwie interessant. Es ist nur ganz schön weit weg... Aber man kann sich die Zeit ja mit teleskopieren vertreiben. Und in dem Fall wäre ich ja wirklich gedanklich schon vorgefahren (was ich wirklich oft mache, für jede einzelne Reise, auf die ich gehe).
      Ja, das mit dem Umdrehen haben sie mal bei "Wissen macht AH!" erklärt! Klugscheißen mit Shary und Ralph. ♥
      Das mit den Tetrachromaten haben sie nicht erklärt, aber ich befinde mich ja glücklicherweise auf einer riesigen Informationsplattform. Ich will auch mal so gucken!
      Nein, das ist ziemlich prima. Lange Kommentare sind am allerbesten!

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  5. Was für ein süßer Blog! Sehr schöne Wort und die beiden Bilder sind dir auch gelungen =) Ich find es nicht so schlimm, dass sie nicht wirklich zusammen passen.

    LG
    Elisabeth
    http://elisabethgatterburg.blogspot.co.at

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    1. Vielen lieben Dank für deine Worte, Elisabeth! (:

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  6. Du hast einen wundervollen Blog !
    Liebste Grüße:)
    -
    http://bedeutungsvolle-momente.blogspot.de/

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  7. deine augen sind wunderschön, märchenkind.

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    1. Ich danke dir. Also, wirklich, nicht so Standardkommentar-mäßig.

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    2. du musst nach dänemark! aber dann lieber nach kopenhagen, da ist mehr los, oder ganz an die küste.

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  8. Hallo Märchenkind,
    ich mag die Bilder sehr gerne, ebenso den Text. Manchmal muss man sich in andere Welten fallen lassen.

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    1. Vielen Dank für deine Worte, Sandra. (:

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    2. Immer sehr gerne und vom Herzen kommend.

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  9. verträumte Worte - wie aus einer anderen Welt :)
    Bei deinen Posts vergisst man schnell mal, dass die Welt um einen herum so stressig ist und alles nach der Uhr läuft. Ein bisschen wie ein heißes Bad für das Gemüt ...

    Danke für deine lieben Worte! Mein Traumberuf wäre auch freie Autorin, ich schreibe auch schon seit Jahren kleine Geschichten - aber ich denke so etwas in der Art kann man zunächst nur als Hobby machen.
    Bei mir ist es eben so, dass ich mich nicht entscheiden kann. Sogar schon so ein einwöchiges Praktikum, sogar ein eintägiges Praktikum macht mir zu schaffen, weil ich nicht weiß, was ich will ...

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    1. Vielen, vielen Dank - glaub mir, solche Worte sind auch wie Sonnenstrahlen im Oktober-Regen.

      Ja, im Moment mache ich das auch als Hobby, aber in der Richtung gibt es so viel... Journalistisches Schreiben ist nicht das Gleiche, aber ähnlich, und man kann in Verlägen arbeiten (obwohl ich gehört habe, dass es zum Beispiel als fest angestellter Lektor sehr stressig ist). Ich glaube, man sollte sich einfach intensiv damit beschäftigen und alles versuchen, um sich durchzubeißen.
      Weißt du, was ich in meinem Praktikum erfahren hab? Was ich definitiv nicht machen werde. Das ist es auch wert, viel falsch machen kann man also nicht.

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  10. Hach ich liebe deine Posts & ich würde es dir so gerne jedes mal schreiben aber das weißt du ja eh ich liebe es deine Gedanken zu lesen. Ich habe bestimmt auch 1000 Gedanken dazu aber das Wetter ist zu doof und dadurch ich zu unmotiviert! Aber ich wollte dir trotzdem sagen, dass ich mich immer wieder freue neues zu lesen & schon auf den nächsten Post gespannt bin :D

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    1. Macht nichts, Herbst-Wetter entschuldigt so gut wie alles. ;D Vor allem, wenn man schon wieder rumschnupft wie ich gerade, hört das denn nie auf?
      Aber auf jeden Fall vieeeelen, vielen Dank für all das! :)

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  11. Guten Abend meine Liebe,
    Danke für dein Kommentar. Es gibt oft Blogger die einfach ein "Danke" hinsetzen oder gar nichts schreiben oder aber einfach nur einen Gruß da lassen, dann frage ich mich auch, ob es lediglich Werbung ist. Manchmal kommt es bei mir auch vor, vor allem manchmal da ich mich durch die Schwangerschaft nicht immer seht gut fühle, dass ich mal ein "Wunderschöne Bilder" schreibe oder "Danke für dein Kommentar." Geht es mir aber besser, schreibe ich immer ausführlich zurück, insofern ich auch Input bekommen habe.

    Ich schenke dir gerne meine Worte und all diese kommen vom Herzen.

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  12. Ich freue mich immer sehr, wenn ich deinen Blog besuche und bin immer total gespannt, welcher schöne Post und schöne Foto ich vorfinden werde. Aber du überrascht mich immer wieder total. Beim letzten Post hab ich mir gedacht, dass man die Fotos fast nicht mehr toppen könnte und dann sehe ich dieses Augenbild und ich bin einfach nur sprachlos. Vor allem das 2. Bild ist wunderschön! Es kommt mir so vor, als hättest du kurz den Atem angehalten und die Welt hat für eine Sekunde aufgehört sich zu drehen und glücklicherweise hat jemand ein Foto davon gemacht.

    Großes Lob an deine schönen verträumten Texte und deine wundervollen Bilder!
    Alles Liebe, Very

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    1. Liebe Very, vielen, vielen Dank! :) Auch für's zweimal tippen – es sind beide Kommentare angekommen, aber ich weiß, wie ich mich immer ärgere, wenn ich etwas schreibe und es dann nochmal neu eintippen muss, weil es aus Versehen gelöscht wurde. Und das mit der Welt, die stehen bleibt – das klingt so schön! Danke, danke, danke, ich hab mich so sehr gefreut!

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  13. Danke das du uns immer an deinen Gedanken mit Teilhaben lässt :*

    Bei mir läuft gerade eine Blogvorstellung. Ich würde mich sehr freuen, wenn du daran Teil nimmst :*
    Mach dir noch einen schönen Tag, Liebes!
    <3
    kaariiiibaaaaa.blogspot.de/

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