Sonntag, 16. November 2014

Erinnerungen


Meine Gedanken sind fort und ich kann sie nicht mehr finden.


Vielleicht sind sie zwischen den Zeilen eines Liedes verschwunden oder in dem Buch, das neben mir liegt, ausgelesen und doch nicht vorbei. Besondere Bücher enden nicht einfach mit der letzten Seite, sie begleiten einen noch ein Stück des Weges. »You know you've read a good book when you turn the last page and feel a little as if you have lost a friend«, hat Paul Sweeney gesagt, und er scheint sich auszukennen.


Vielleicht sind sie auch irgendwo in meiner privaten Märchen-Welt geblieben, wo die Elfen eigentlich gar keine mintgrünen Kleider tragen und wo noch Sommer ist. Das kann gut sein, dort sind so viele meiner Gedanken; seit gestern, genau ein Jahr nach den ersten, zögerlichen Sätzen, sind es hundert Seiten, fünfzigtausend Worte.
Aber meistens teile ich die Gedanken nur, und wenn ich sie vergesse, dann muss mein Blick nur über die Zeilen schweifen, damit sie mir zurück gegeben werden. Ich dachte immer, ich könnte kein Tagebuch schreiben – nach drei, vier Einträgen habe ich monatelang vergessen, die versteckten Schlüssel hervorzukramen  – aber ich tue es, seit ich das Alphabet beherrsche und fünfzeilige Geschichten in mein Deutsch-Heft gekrakelt habe. Was ich auch mache, es erinnert mich an ein früheres Ich, und sei es etwas so Lapidares wie Shoppen; aussortierte T-Shirts sind wie Worte, Zeichnungen und Fotografien aus einer anderen Zeit. Weißt du noch, dieses Oberteil? Das habe ich auf der Seite gefunden, die mir dieses Mädchen gezeigt hat – damals hätte ich nicht gedacht, dass wir uns einmal so sehr auseinander leben.
Ich muss mich nur umsehen, jeder Gegenstand beschwört Erinnerungen herauf. Die alte Lampe, die Blumenkette aus Amerika, die Verkleidungskiste, das Keyboard, meine Schwimm- und Ski-Medaillen, die Märchenbücher. Eine Kette, Zeitungsartikel, Postkarten. Die Sätze, die ich vor einem Jahr geformt habe.



Jetzt sind da neue Gedanken, die gar nicht so viel mit Elfen und Feen und grünleuchtenden Wäldern zu tun haben. Oder vielleicht doch? Wann hat das angefangen, diese Liebe zu Fabelwesen? Wie alt war ich wohl, als ich mein erstes Nixenmärchen geschrieben habe?

Ich weiß es nicht genau, aber es ist lange her. Erstaunlich, wie viele Momente in ein sechzehnjähriges Leben passen.



Und erstaunlich, wie die Gedanken immer wieder zurückkehren. Nicht die, die ich erwartet hatte, aber das Leben ist voller Überraschungen.

Kommentare:

  1. Ein schöner Post.. toll zum Nachdenken und auch die Bilder gefallen mir sehr gut :)

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  2. wo.. wo verdammt hast du gelernt deine bilder so geil zu bearbeiten? die flügel, das bokeh - ich bin mit sowas so unfähig, ich verstehe gar nicht wie man damit klar kommt. :D es sind auf jeden fall sehr, sehr schöne bilder. ich freue mich jedes mal, wenn ich sehe, dass ein neuer post von dir da ist.

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    1. Zu Hause, im Bett, da lernt es sich gut. :D Umso mehr man probiert, desto schneller geht es am Ende, weil man weiß, worauf man achten muss und wie es am besten geht. Solche Dinge kann man sich wunderbar selbst beibringen, finde ich.
      Und außerdem natürlich vielen, vielen Dank!

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  3. Guten Abend meine Liebe,
    sehr schöne Bilder. Fabelhaft und elfengleich. :-) Zu deinem Eintrag kann ich dir etwas schreiben. Du bist erst süße sechszehn und es werden noch mehr Lebensgeschichten oder Geschichten aus deiner Fantasie folgen, dass ist nicht das Ende, sondern der Anfang aber auch nur so lange, wie dein Herz es fühlen möchte.

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    1. Vielen lieben Dank, vor allem für den schönen Vergleich. :)
      Ich hoffe sehr, dass noch viele Worte folgen werden - das Leben lässt sich nicht planen, aber ich versuche zumindest, dieses Ziel zu erreichen, und sei es auch mit Umwegen.

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  4. Wie gut, dass ich noch mal eben nachgesehen habe, ob sich jemand auf meine Seite verirrt hat.
    Ich will auch gar nicht lange quatschen, wobei, versprechen kann ich es nicht^^
    Also erstens: suuper wunderbare und märchenhafte Bilder!
    Wann sind dir denn-neben deinen spitzen Öhrchen-auch noch Flügel gewachsen?
    Ah, Fliegen, ein Traum! Wenn sich jemand Elfenflügel verdient hat, dann ja wohl du, Märchenkeks.
    Dein Text, wunderschön, irgendwie so 'lost and found', ein wenig melancholisch..obwohl, sind Rückblicke das nicht meistens?
    Gut, sich weiter entwickeln ist besser als zurück entwickeln, dabei verliert man leider oft Menschen, die einem letzte Woche noch wichtig waren. Natürlich geht das nicht so schnell, das passiert schleichend.
    Ich hätte gern, dass man einen bunten Mix aus Freunden hat, mit verschiedenen Interessen, die verschieden aussehen und völlig verschiedene Leben leben.
    Aber man sucht sich (sicher nicht bewusst) Menschen, die deinen Weg gehen, deine Ansichten und deinen Lebensstil teilen. Guck, wieder abgeschweift, nur durch einen kleinen Satz von dir.
    Aber das wär doch schön, oder?
    Ein Tagebuch brauchst du auch nicht, das hier ist viel besser, denk nur was für eine Verschwendung es wäre, würdest du deine Gedanken in so ein Büchlein einsperren.
    Ich hoffe, es kommen noch weitere fünfzigtausend oder mehr Worte dazu,
    eine märchenhafte Woche wünscht dir
    Silver^^

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    1. Danke dir!
      Gimp kann alles. Demnächst kommt dann vielleicht noch ein blauvioletter Fischschwanz, ich sollte ja nicht vernachlässigen, dass ich auch noch mal Meermädchen werden will.
      Oder vielleicht nicht demnächst, ich wüsste nicht, wie ich dieses Fotos machen soll, wenn es draußen so gruselig kalt ist. Sirene mit Parka, gefunden auf ott- nein, zalando.de.
      Wenn es nicht gerade ein Rückblick auf die Schluchten des Lebens sind, sind sie bestimmt wirklich meist melancholisch. Aber ich mag ja Melancholie.
      Stimmt, wo ich darüber nachdenke - einige meiner Freunde haben sich irgendwie verloren, weil sie sich so von mir unterscheiden. So ist wahrscheinlich irgendwie das Leben - ich kann nicht ewig so sein wie meine Kindergartenfreundin. Ich schreibe gerade die ganze Zeit Sätze und lösche sie wieder, irgendwie ist das alles seltsam. Wie meine Freunde sind und die anderen, mit denen ich jetzt weniger zu tun habe, das ist alles verwirrend.
      Um die fünfzigtausend sollten es noch sein. Oh, das klingt schön, als hätte ich schon die Hälfte! Vielleicht ist es ja tatsächlich so! Das fände ich einfach unglaublich famos. Aber es passt schon, viele Romane haben so um die 500 000 Zeichen und ich bin bei 312 000. Unglaublich.

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  5. Wow, die Bilder sind sehr schön!
    Ich habe ganz zufällig ähnliche Fotos auf meinem Blog, würde mich freuen, wenn du vorbeischauen würdest :)
    LG Anna von http://goldenplumb.blogspot.it/

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  6. Du hast dein Ziel also geschafft? Das mit den 100 Seiten? Bin stolz auf dich :D
    Ich habe auch letztens meinen Schrank aussortiert und war überrascht, wie schwer es mir teilweise gefallen ist, mich von einigen Teilen zu trennen. Zum einen wusste ich zwar, dass mir die Sachen gar nicht mehr passen oder dass ich sie nie wieder anziehen werde, aber zum anderen musste ich an all die kleinen Momente denken, die sie mit mir geteilt haben. Die ich in ihnen erlebt habe.
    Du bist übrigens eine Fabelhafte Elfe (und natürlich auch Elbin). Flügel stehen dir ganz ausgezeichnet.
    Und du hast wirklich die besseren Wälder. In deinen kann man wenigsten wunderschöne Bilder machen, ganz zart und verträumt. Auf dem zweiten siehst du irgendwie so jung und erschrocken aus, ganz anders als sonst (wobei ich gerade neidisch auf deine tolle Haut bin!).
    Ich bin beim Tagebuchschreiben auch immer sehr nachlässig. Aber ab und zu packt es mich dann doch wieder. Gerade in letzter Zeit, wo meine Freunde alle so weit weg sind und ich niemanden zum richtig reden habe (über Skype oder Whatsapp kommt mir das immer so unpersönlich vor). Da ist es toll, das alles aufzuschreiben, die Gedanken zu Papir zu bringen und ein Stück weit von ihnen loszulassen. Die Probleme von der Seele zu schreiben. Aber wie Silber schon gesagt hat: Deine Gedanken solltest du wirklich mit uns teilen :D

    Ich freue mich schon auf den nächsten träumerischen Post von dir.

    . xo xo Lynn

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    1. Schrank aussortieren finde ich gerade deswegen immer so blöd. Und weil ich darin generell schlecht bin, ausmisten, ich sammele.
      Um ganz ehrlich zu sein; sei eher neidisch auf meine Gimp-Erfahrung. :D Nicht dass ich eine Akne-Monster wäre, aber meine Bearbeitungsfreude wird ja schon anhand der Flügel deutlich. Und vielen lieben Dank - ich glaube, sowas kann ich nie genug hören. Vielleicht sollte ich auch nochmal Fee werden und erst danach Elbin.
      Manchmal schreibe ich Gedankenfetzen auf, wenn mich etwas sehr doll bewegt und ich nicht weiß, was ich damit sonst anstellen könnte. Aber ein Tagebuch ist das nicht wirklich. Und viel unregelmäßiger als mein Blog-Geträume, ich sollte erst mal versuchen, dabei zu bleiben.

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  7. Die Elfenflügel finde ich eine süße Idee!

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  8. wunderschöne Bilder und ein nachdenklicher text! Ein bisschen melancholisch wird man ja immer, wenn man zurück denkt ... Ich wünsche mir so oft, wieder das Mädchen von früher zu sein, das man mit allem zum Lachen bringen konnte, das es geliebt hat, sich als Indianer zu verkleiden und von einem eigenen Pferd/ Hund geträumt hat. Aber man kann die Zeit nicht zurückdrehen ...

    Ich bin leider keine zuverlässige Tagebuchschreiberin, hab das Projekt nach einem halben Jahr aufgegeben, da nach den ersten fünf Einträgen in fünf Tagen nichts mehr geschrieben wurde. Um so mehr bewundere ich aber Leute, die es schaffen, das durchzuhalten :)

    Danke für deinen lieben Kommentar! Ich freue mich immer sehr über Gedanken zu meinen Posts ... :)
    Und der Aussichtspunkt ist gar nicht so hoch (um genau zu sein, muss ich dahin nur bergab laufen, weil ich noch weiter oben wohne :D)
    Ich weiß auch nicht, ob ich das Zitat verstehe. Aber wer kann schon sagen, was die genaue Bedeutung sein soll ...

    Ganz lieber Gruß,
    Cho

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    1. Oh ja, damals! Wir haben letztens unsere alten Kostüme rausgeholt - hat nicht mehr alles gepasst und vieles war ein bisschen zerschlissen, aber es hat so wundervolle Erinnerungen geweckt. Und Indianer-Kleider waren auch dabei.
      Dann bin ich ja nicht allein! :D Ich habe einfach eine Menge Tage, da gibt es nicht so viel zu sagen. Oder ich habe zumindest nicht das Bedürfnis, etwas nieder zu schreiben.

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  9. Oh Mara. Ich muss diesen Eintrag mal wieder kommentieren weil es einfach traumhaft ist, wie du Bild und Text hinbekommst. Die Fotos sind wunderbar, du bist so ein richtiges Elfenmädchen und die Location ist auch traumhaft!
    Ich hätte so gerne wieder Sommer, aber auch der November hat etwas magisches. Wenn man im Nebel ein paar Sonnenstrahlen durch den Wald brechen sieht, wäre es gar nicht mehr so wunderlich, eine Elfe auftauchen zu sehen.
    Alles Liebe, Salo

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    1. Vielen, vielen Dank; vor allem für den Elfenvergleich natürlich! :D
      Die Fotos habe ich Anfang Oktober gemacht, das war tatsächlich auszuhalten. Irgendwie ist der Herbst komisch, aber inzwischen merke ich, dass es wirklich manchmal schon sehr kalt wird - und gerade dann ist ein bisschen Sonne so wunderbar!

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