Sonntag, 11. Januar 2015

Wie verblasste Silvesterfarben


Seit elf Tagen ist der neue Kalender aufgeschlagen und viel gibt es nicht zu sagen dazu. Elf Tage wie alle anderen, in denen die Silvesterfarben schon längst verblasst sind und alle vergessen haben, wie unglaublich es sich in dieser Nacht angefühlt sind. Als würden Uhrzeiger und bunte Explosionen alles ändern können, zur Seite legen, aufpolieren oder wieder aus einem alten Karton herauskramen.


Es fühlt sich noch an wie immer. Warum haben wir diesen Neuanfang eigentlich gefeiert, wenn wir ihn so schnell vergessen?
Vielleicht sind das auch die Schlecht-Wetter-Depressionen. Es stürmt und regnet, als müsse irgendjemand da draußen beweisen, dass sehr wohl alles anders wird; wartet nur, bis die Tropfen an den Scheiben getrocknet sind und ihr eine neue, klare Welt seht. Wenn sie denn verschwinden.


Ich mag die dunklen Nächte, zum Verkriechen, nichts tun und denken, obwohl die Gedanken so leer sind wie Seifenblasen und meistens nicht mal schillern. Dunkelheit ist manchmal so tröstlich, weil sie alles verschleiert und versteckt, bis nichts mehr übrig bleibt als man selbst und ein paar Lichtfunken, die man nicht mehr zuordnen kann. Warum ist die Sonne manchmal einer dieser unerwarteten Gäste, die so plötzlich vorbeischauen, dass man ihre kurzen Besuch kaum genießen kann? Zu schnell wieder verschwunden, um sich ehrlich zu freuen, weil sie ohnehin gleich erneut vom Grau verschluckt wird.


Ich weiß nicht, was los ist. Oder was zu tun ist. Ob ich warten soll, bis gleißende Lichtstrahlen die Dunkelheit und den Nebel zerteilen, ob ich selbst eine Kerze anzünden und laufen muss, und wenn ich es tue, ob es überhaupt einen Ausgang gibt. Ob ich nach diesem Ende suche oder mich lieber noch ein bisschen im Kreis drehe und nach irgendetwas suche.


Ich glaube, ich lasse mich noch ein bisschen treiben, vertraue auf die Strömung und darauf, dass bald wieder die Lichter am Himmel erscheinen. Ich warte, bis sie explodieren und Glücksmomente ins Grau streuen. Sie kommen doch immer und immer wieder, jedes Jahr, ob man sie nun sucht, erwartet oder vergisst.

Kommentare:

  1. Ich weiß, dass ich sehr plump klinge, wenn ich hier so diesen banalen Spruch " Boah voll die hübschen Bilder. Bist echt ne Süße" anbringe, aber hier passt er, im besten Sinne des Wortes. Die Fotos sehen aus, wie aus einer anderen magischen Welt oder während einer Ufolandung - in jedem Fall nicht wie etwas, was auf der Erde passieren könnte.
    Silvester war auch letztes/dieses Jahr wieder wunderschön, bis auf den Teil, als ich zur Party gelaufen bin und mir jemand einen Böller vor die Füße geworfen hat. Das war nicht so der Knaller ( wie Chayenne jetzt kommentiere würde: LOL).
    Auf jeden Fall zaubern mir deine Bilder und Texte schon am Anfang des neuen Jahres ein Lächeln aufs Gesicht. LUMOS!

    liebst
    Elli

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    1. Ich finde "bist echt 'ne Süße" hier auch furchtbar passend, dermaßen präsent, wie ich auf diesen Bildern bin. :D
      Schöne Umschreibung - Lumos passt total gut. Wer weiß, vielleicht sind das gar keine Raketen, sondern ganz viele Zauberer und Hexen, die da oben mit ihren Zauberstäben rumwedeln.

      Wie auch immer, danke! :)

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    2. Es heißt schließlich immer noch Wingardium Leviosa und nicht Leviosaa :D
      Du hast das Endbattle von Harry Potter dokumentiert? Geil!
      Außerdem warst du auf den Bilder, du hattest dich nur hinter den Ästen versteckt.

      liebst
      Elli

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  2. Uff, ich musste den Text zweimal lesen, tolle Worte, tiefer Sinn!!
    Und, ja, wunderschöne Bilder!! Es ist so, also kann ich es auch schreiben:)
    Das stimmt, ein neues Jahr aber irgendwo kein Neuanfang, es bleibt wie gehabt und beginnt, wie es aufgehört hat.
    Kann aber auch beruhigend sein, keine Panik, es läuft alles wie gewohnt, wie am Schnürchen!
    Der Sturm verzieht sich auch irgendwann wieder:)
    ♥Lale(Flu)

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    1. Dankeschön - das war einfach so ein Schreibfluss, ich denke gar nicht darüber nach, wie man das wohl versteht, wenn man nicht gerade meine Gedanken sieht.
      Das sind sie wohl, die beiden Seiten. Irgendwie ist es tröstlich und aufregend zugleich.
      Und inzwischen gab es schon ein paar Lebens-Feuerwerke, ich wusste ja, dass sie wiederkommen. (:

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  3. sehr gerne für den ohrwurm und danke für deinen lieben kommentar :D
    ich hoffe dein 2015 wird ein feuerwerk, bunt und laut und schön.

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    1. Das wünsche ich dir ebenfalls, auf ein leuchtendes Jahr! (:

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  4. Haste wieder sehr gut in Worte gefasst...so ist das wohl, so viele Pläne und Vorsätze und am nächsten Tag ist alles wie weggespült. Vielleicht saugt einen der Alltag aber auch so aus, dass man gar nicht dazu kommt, die Glücksrakete zu starten, Pläne zu verwirklichen oder etwas zu ändern. Das Wetter spielt dabei auch eine große Rolle, was ist das da draußen ??!! Da kann man ja nur depressiv werden und Trost in der Dunkelheit suchen. Hat halt alles so seine zwei Seiten, Dunkelheit, Regen, Sonne, Silvester.
    Außerdem schleppt man doch seine Probleme immer mit sich herum, das ändert sich ja nicht, nur weil im Kalender 1. Januar steht.
    Aber der Nebel lichtet sich auch wieder, ganz sicher^^
    Also harren wir der Dinge die da kommen mögen,oder nehmen sie einfach selbst in die Hand.
    bis bald, liebes Feuerfunkenmärchenkind,
    Silver^^

    Meistens regelt sich sowieso alles von allein.

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    1. Inzwischen hat das Jahr endlich ordentlich angefangen, Chorlager sind einfach immer wundervoll. Auch wenn das letzte ein bisschen kritisch war, aber dieses letzte... Meine Güte, ich denke da jetzt erst wieder dran; das war mein letztes Chorlager! o.o
      Aber sonst - ganz von allein ist's passiert, ja.
      Feuerfunkenmärchenkind klingt schön.:)

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  5. Vielen lieben Dank für deinen Kommtar! Ich glaub, bloglovin lege ich erst mal aufs Eis. Hab es sowieso nie wirklich verstanden - und vielleicht hilft diese Tat auch, den Blick weg von dem Wettbewerb um follower hin aufs Wesentliche beim Bloggenzu lenken: der Postinhalt :P
    Ich finde deine Gedanken über die Nach-Silvester-Stimmung gut aufgeschrieben. Ich weiß jetzt auch gar nicht, was ich noch groß dazu sagen soll, es ist von dir eigentlich alles gesagt :) der Wunsch, im tröstenden Dunkel liegen zu bleiben und nicht in die laute, schrecklich geschäftige Welt hinauszumüssen, ist bei mir zur Zeit auch ziemlich ausgeprägt, vor allem morgens :D Heute morgen hab ich mich, nachdem ich fertig war und noch ein paar Minuten zeit hatte, noch kurz in mein warmes Bett gelegt und das Licht ausgemacht. Himmlisch!

    Ich wünsch dir, dass die Sonne bald wieder durch das Grau dringt und die Welt erstrahlen lässt. Bis dahin lass uns die Dunkelheit genießen ;)

    Viele liebe Grüße,
    Cho

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    1. Stimmt, man lässt sich davon immer so sehr ablenken und ist gleich ein bisschen verdutzt, wenn da plötzlich ein Follower weniger ist - aber hey, ich will hier einfach meine Gedanken loswerden und teilen, nicht eine Fangemeinde sammeln. Ich hoffe trotzdem, dass dein Blog irgendwie da bleibt, sonst sehe ich deine Posts ja gar nicht mehr!

      Ach ja, das hatte ich heute auch... Ich brauche meine acht Stunden Schlaf, sonst ist alles doof, muss ich noch liegen bleiben. :D Vor allem, wenn es unter der Decke so warm ist und draußen kalt, das ist wie ein Traumland, aus dem man eigentlich unmöglich raus kann.
      Inzwischen scheint die Sonne - draußen nicht wirklich, aber in meinem Kopf. (:

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  6. Wie wunderschön. Ich liebe deine Worte immer, du findest die tollsten Vergleiche und deine Texte lesen sich so wunderschön. Ich bin auch ein absoluter Schlechtes-Wetter-Depressions-Mensch und die funkelnden Silvesterlichter werden wohl erst im Sommer wieder bei mir auftauchen.
    Danke auch für dein Kommentar. Und haben die Locken funktioniert?
    Alles Liebe, Salo

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    1. Vielen, vielen Dank, Salo! (:
      Im Sommer? Ich überlege gerade, ob es bei uns im Sommer irgendein Feuerwerksspektakel gibt... Aber ich mische mich eh nicht so in die Kulturveranstaltungen meiner Kleinstadt. :D
      Ich bin auch total froh, dass es die Nacht mal geschneit,das ist wenigstens winterlich.

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