Donnerstag, 5. Februar 2015

Silvers Marionetten


Diese Worte stammen ausnahmsweise nicht von mir, sondern von Silver. Ich hatte schon beim ersten Lesen das Gefühl, dass ich diese Geschichte möglichst vielen Leuten zeigen muss – das ist ein Anfang.

Von mir sind die Bilder, aufgenommen an zwei Tagen, weil es so schnell dunkel wurde, dass ich gezwungener Maßen den kamerainternen Blitz benutzen musste. Auch mal interessant, hat aber nicht ausgereicht.



Es ist so grau draußen. Den ganzen Tag schon. Und es regnet die ganze Zeit.
Normalerweise mag ich den Regen. Es hat was beruhigendes, etwas, das einem sein Heim sicher erscheinen lässt. Geborgen.
Er plätschert und tröpfelt und ab und zu klopft er an die Scheibe.


Es ist dunkel im Zimmer, die Vorhänge sind einen Spalt offen und obwohl es draußen so grau ist, dringt ein wenig Licht herein. Keine Ahnung woher.
Ich will niemanden sehen, niemanden sprechen.
In meinem Kopf ist es so schwer.


Ich war draußen und da war es so hektisch. Leute, die ich nicht kenne und nicht kennenlernen werde, hasteten herum, gestresst, fröhlich oder geistesabwesend.
Ich frage mich, wie ich wohl aussehe.
Mir kommen alle vor wie winzig kleine Marionetten, aus billigem Holz, spröde und rissig.
Tänzeln herum, gelenkt, geschubst, gejagt von den Fäden an denen wir hängen. Dirigiert von anderen Marionetten.
Wir hängen da, willenlos und willig, den Tanz zu tanzen.
Lassen uns gerne leiten und beeinflussen, bequem, an so einem Faden zu hängen, ein wenig Sicherheit gibt er schon.
Zu gefährlich, ihn zu durchtrennen und auf eigenen hölzernen, wackeligen Beinchen zu stehen.
Wie zerbrechlich wir sind. Lächerlich klein. Ein Schlag reicht und wir zerfallen einfach.


Ein paar trauen sich, ganz wenige, und tanzen ihren eigenen Tanz.


Ich möchte auch.


Ich möchte mir einen Mund schnitzen, einen ganz großen, mit dem ich so laut rufen kann, dass es alle anderen übertönt und an ihnen rütteln und alle Fäden abschneiden.
Kommt, wacht doch auf, geht selbst, es ist schwierig, aber wagt es doch!



Aber ich tue es nicht. Zu gefährlich.
Lieber bleibe ich hier, im Dunkeln und lausche dem Regen und dem Wind und warte noch ein wenig ab. Ziehe an meinem Faden, besonders fest ist er nicht. Bald reißt er von allein. Von ganz allein.


Kommentare:

  1. Hey, die Bilder und vor allem der Text dazu gefallen mir echt gut! :)

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  2. Der Text ist wundervoll. Ist das aus einem Lied?
    Das dritte Bild gefällt mir ganz besonders, es hat eine wunderbare Ausdruckskraft, mit einem arm noch marionette, die andere frei. Alles in allem sind aber alle richtig Klasse, sie zusammen erzählen eine Geschichte ❤
    Liebe grüße,
    Jone

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    1. Vielen lieben Dank, genau das habe ich sogar versucht! :)
      Der Text ist von Silver.

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  3. ich liebe die bilder so, märchenkind. besonders beim dritten musste ich lange, lange staunen. ich finde du hast den text wunderbar dargestellt, in deiner fabelhaften bilderserie

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    1. Vielen, vielen Dank für deine Worte, Valhalla!

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  4. ich muss valhalla zustimmen! wundervoll, einfach wundervoll.

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  5. Die Bilder sind so wunderbar, so ausdrucksstark und sie ziehen mich total in den Bann. Es sind zwar 'nur' Bilder, aber sie erzählen eine Geschichte.
    Das 6. Bild gefällt mir richtig gut, auf die Idee wäre ich nie gekommen.

    Alles Liebe,
    Very

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    1. Viiielen Dank, Very! Das wollte ich auch versuchen, es freut mich total, dass das verständlich geworden ist. :) Gerade das sechste Bild, das sollte irgendwie der Umbruch sein.

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  6. Das hast du ganz wundervoll in Szene gesetzt!
    Die Bilder sind so pur und von einer schönen Klarheit, wirklich super.
    Ein wenig weiße Schminke ins Gesicht, rote, verschmierte Lippen und du kannst im Improvisationstheater in der Altstadt auftreten:) Mit schwerer Pianomusik dazu, einmalig!!
    Ein wenig schäme ich mich, es ist seltsam seine eigenen Worte so zu lesen..
    Und du hast den letzten Faden abgerissen^^
    Ich bin begeistert, klasse gemacht Märchen!
    deine Silver^^

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    1. Dankeschön! (:
      Mir ist im Nachhinein aufgefallen, dass es im Text ja eigentlich eher düster ist und ich hetze noch dem letzten Winterlicht hinterher... Neu-Interpretation! :D
      Jaja, dieses Kleidchen, das taugt zwar nur zum Fotografieren und Verkleiden, aber dafür dann auch sehr, sehr gut.
      Nicht schämen! Stolz sein! :)

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    2. Finde ich auch, auf diese Worte kann man wirklich stolz sein! Auf die Bilder aber auch! :)
      Das Ergebnis kann sich sehen lassen, die Zusammensetzung zweier Post-bestandteile! Könntet ihr ruhig nochmal machen, ich wäre gespannt auf den nächsten "gemeinsamen Post" :) (falls ihr möchtet)

      Ganz lieber Gruß,
      Cho

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    3. Dankeschön! (:
      Silver, wir müssen öfter kooperieren! :D

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  7. Mal wieder ein toller Post! (Und schönes neues Design übrigens). Ich habe auch schon oft über Menschen als Marionetten nachgedacht und bin wirklich begeistert von den Bildern und dem Text.
    Alles Liebe, Salo

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    1. Dankeschön! :) Ich glaube, das ist ein Thema, das wirklich unglaublich oft aufgegriffen wird, aber ich fand den Text einfach so wunderschön...

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  8. Wow, ich bin begeistert.
    Versunken in den Worten und deinen wunderbaren Bildern!
    Ich finde es nicht schlimm, dass du den Blitz nutzen musstest, ich finde er gibt deinen Bildern eine ganz eigene Atmosphäre. Sehr passend, finde ich.
    Gerade Bild Nummer 6 finde ich wunderbar. Ach was, einfach die ganze Serie!
    Große Klasse! :)
    Alles Liebe, Annika

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    1. Vielen lieben Dank! ♥
      Im Nachhinein habe ich mich sogar auch damit angefreundet, vielleicht muss man manchmal auch bewusst mit diesen eher verschmähten Effekten experimentieren.

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  9. Sehr interessanter und anregender Post. Manche Bilder sind echt stark, vor allem die schwarz-weißen! Mit Blitz finde ich immer problematisch. Mag deinen Blog sehr und folge dir jetzt ;)
    Liebst,
    Franzi von http://dullylicious.blogspot.de/2015/02/new-in-franziska-im-kaufrausch.html

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    1. Vielen, vielen Dank! :)
      Fand ich auch, aber inzwischen mag ich den Blitz-Effekt sogar, zumindest hier.

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  10. Ich find den Post schlicht und ergreifend eindrucksvoll. Großes Kompliment hierbei an Silver, das ist ein wirklich wundervoller und tiefgründiger Text, auf den man wirklich stolz sein kann. Und für den man sich nicht im geringsten schämen muss, überhaupt nicht. Silver, der Text ist klasse!
    Aber auch Kompliment an dich Mara, ich liebe diese Bilderserie. Der Blitz gibt den Bildern übrigens einen interessanten Touch, und auch wenn ich persönlich Blitz auch immer versuche zu vermeiden, hier passts.
    Ich kann gar nicht sagen, welches Bild mir am besten gefällt, ich find alle toll und so passend zum Text.

    Hut ab, eine tolle Kooperation, von der es gerne mehr geben darf! :)

    Liebe Grüße :)

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    1. Das kann ich auch nicht oft genug sagen, der Text ist einfach unfassbar wundervoll! ♥
      Und danke - wenn ich mir die Blitzbilder im Nachhinein so anschaue, mag ich sie sogar mehr als die anderen, die Kontraste sind da einfach viel deutlicher. Manchmal entstehen aus der (Licht)-Not interessante Fotos.

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