Samstag, 28. März 2015

Feeling black today


»Warum eigentlich so schwarz?«
»Weil ich mich heute schwarz fühle.«
»Okay.«


Und ich weiß nicht mal, warum. Es könnte an diesen vielen kleinen Dingen liegen; ein zersplittertes Handy-Display, der Fleck auf dem Vorleger, der zerrissene Faden am Kleid. Aber das ist nichts Weltbewegendes. Sieht eigentlich interessant aus mit den vielen kleinen Scherben, es ist immerhin keine konzentrierte Salzsäure auf der Matte und die geknotete Notlösung funktioniert doch auch.


Aber trotzdem, heute ist schwarz.
Vielleicht lese ich auch nur zu viel in diesen Büchern mit der eiskalt-kitschigen Protagonistin, die auch immer dunkle Töne trägt.
Oder es liegt daran, dass in drei Tagen Ferien sind und dass ich soweit weg bin von meinen Problemen, dass ich mich ohne sie ganz leer fühle. Manche, die simplen Stress-Sorgen, sind mit der Schule verschwunden, vor anderen bin ich weggelaufen und stehe jetzt in weiter Entfernung. Vielleicht holen sie mich wieder ein, vielleicht kann ich den Vorsprung beibehalten. Vielleicht kommen sie näher und ich sehe, dass es gar keine Probleme sind; vielleicht kommen sie näher und ich reiße sie zu Boden. Ich wüsste gern, ob ich dabei auch hinfalle.


Die Menschen stören mich. Zwei Wanderer, eine ganze Gruppe lärmender Erwachsener, Männer mit einem Hund. Ich warte, bis sie verschwinden, ehe ich die Treppe zum See herunter springe. Wahrscheinlich kommen einige aus der Hauptstadt und suchen nach Idylle – aber warum sind sie dann so laut?
Wem fehlt mehr, Stadt- oder Landkindern?

Gedankenfetzen ohne Zusammenhang. Ich denke nicht weiter als bis zu den Algen, wo man nicht mehr stehen kann, fünf Meter hinter dem Ufer. Der See fällt hier steil ab und weiter unten ist es kalt. Ich bin schon so oft hinabgetaucht und musste zurück an die Oberfläche, nicht, weil mir die Luft ausging, sondern wegen der schwindenden Wärme.


Schwarz ist nicht traurig oder wütend. Es ist einfach nichts. Leer. Still. Warten, ohne zu wissen, worauf. Auf den nächsten Tag oder eine andere Farbe, Pastelltöne und Sonnengold.


Es vergeht.


Kommentare:

  1. Toller Post! So habe ich das mit der Farbe Schwarz noch gar nicht gesehen..:)
    Und ich finde solche Tage hat jeder Mal. Ich bin eigentlich immer gut drauf, aber an manchen Tagen geht es eben nicht. Dann verkrieche ich mich am Liebsten mit einem Buch irgendwo. :D
    Alles Liebe,
    Nina!

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    1. Dankeschön, Nina! :) Ich auch nicht, das kam mir irgendwie in den Sinn. Nachdem ich eine Woche überhaupt keine Ideen hatte und das dann plötzlich zwischen allen anderen Gedankenfetzen aufgetaucht ist. Ich weiß nicht mal, ob es Sinn macht, es war einfach da.
      Aber ich denke, ich werde jetzt auch noch ein wenig lesen. In einem Buch mit einer Hauptperson, die nur schwarz trägt. :D
      (Ich fühle mich nebenbei bemerkt gerade total fame, weil dein Kommentar schon fünf Minuten nach Veröffentlichung auftauchte - was zwar eher gutes Timing war, aber egal.^^)

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    2. haha ist mir auch aufgefallen :D Ich bin auf mein Dashboard gegangen und dann stand da Märchenkind - vor 2 Minuten :)

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  2. Ich möchte diesen wunderschönen Post nicht mit zu vielen Worten zu kleistern.
    Düster, schwarz und wundervoll. Trotz der Probleme.
    Du schaffst das.
    Deine Silver

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    1. Vielen, vielen Dank, Silver.
      Im Moment sind sie ja noch weg. Vielleicht kommen sie nicht wieder. Und irgendwie wäre das Leben ohne Probleme und schwarze Tage ja auch langweilig.

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    2. Ja, da ist was dran, 'Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss', klingt entspannt aber auch etwas öde.
      Es gibt aber auch Probleme, die möchte man wirklich nicht haben. Und man sagt ja, man wächst mit seinen Aufgaben. Also wächst man auch mit jedem Problem, das man aus dem Weg räumt^^
      Du weißt doch, 'Das Problem will ich nicht, zeig mir das nächste', das Leben ist eben doch ein stetiger Strom.
      Liebe Grüße, Silver^^

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  3. weißt du, dass du einen mit deinen worten motivierst? motivierst zu schreiben, ebenso wunderbare worte zu finden, wie du es tust. motivierst in allem oder zumindest in vielem etwas gutes zu sehen, etwas gutes und etwas mehr, als man sonst sieht - denn man sieht ja bekanntlich recht wenig, selbst wenn man die augen offen hält. ich mag deine art so gern, mara - deine art, die fotografie in worte zu wandeln und worte in fotografie. und das alles bildet irgendwie dich und das ist wundervoll.

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    1. Danke, Valhalla, wirklichen, vielen, vielen Dank! Weißt du, das du mit deinen Worten auch motivierst? Auf deinem Blog ohnehin, das kann ich nur zurückgeben, aber es sind solche Antworten, derentwegen ich nie müde werde, Fotos zu machen, zu schreiben und meine Gedanken hier zu lassen. Und es freut mich unglaublich, diese Worte von dir zu hören, weil ich deine eigenen Texte und Bilder jedes Mal aufs Neue bewundernswert finde.

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  4. Ich kann auch nie verstehen, wieso man an einen idyllischen Ort geht, nur um sich dann lärmend und unumsichtig verhalten. Warum suchen sie Einsamkeit und Stille, wenn sie es dann nicht aushalten können? Wenn sie laut sein müssen, um nicht alleine mit ihren Gedanken zu sein? Haben sie so große Angst davor, über sich selbst nachzudenken, in dieses 'schwarze Loch' zu versinken und versuchen, dies mit allen Mitteln zu verhindern?

    Ich kann dir auf jeden Fall nur Raten, dich mit deinen Problemen auseinander zu setzten. Wenn es wirklich Probleme sind, werden sie sich mit der Zeit nicht in Luft auflösen, sondern im schlimmesten Fall schlimmer. Und wer weiß, vielleicht ist es ja gar nicht so grauenhaft, wie du jetzt denkst, sondern eigentlich verstecke Chancen (okay. vermutlich nicht. Aber zumindest ist es ein besseres Gefühl, es hinter sich zu haben. Glaub mir.).

    Und solche schwarzen Tage sind vollkommen okay. Man darf sie ab und zu haben. Leer und unbestimmt sein. Wenn solche Fotos rauskommen gleich dreimal!

    . xo xo
    Lynn

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    1. Wahrscheinlich ging es denen eher darum, das schöne Wetter zu nutzen und sich mal zu bewegen, um den See zu wandern ist da ja ganz nett (abgesehen davon, dass sie dann hypersensible Seelen zwischen den Bäumen stören). Aber bei manchen Leuten frage ich mich das auch - sind sie manchmal still oder haben sie zu sehr Angst, etwas zu hören, was sie sonst übertönen?
      Mein Problem ist jemand anders. Die Person wird sich sicher nicht in Luft auflösen, aber das ist ja das blöde mit den Menschen: man weiß nie, wo man steht und wie die Situation aussieht. Vielleicht ist mein Problem ja sogar schon verschwunden und ich weiß es nicht mal... aber eigentlich hast du recht, wenn ich das alles jemals halbwegs begreife, sollte ich mich besser mal überwinden und die Karten auf den Tisch legen. Auch wenn ich mein Blatt nur zur Hälfte kenne.
      Danke, meine allerliebste Lynn. <3

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  5. Was für schöne, melancholische Worte!
    Ich glaube, wir haben alle unsere "schwarzen Momente", wo dann einfach die Luft irgendwie raus ist. Nach Freizeiten oder nach tollen Ferien geht's mir oft so. Weil eine Gemeinschaft, die Teil meines Lebens war, plötzlich wegbringt und ich wieder zurück in dem Alltagstrott verfalle. Verfallen muss.
    Ich will auch gar nicht wissen, wie das nach dem Abi sein wird, wenn die jahrelang bekannte Welt auf einmal aufhört. Na ja ...
    Die Bilder sind wieder toll geworden, ich hab dich beim Lesen total um den See beneidet, bei mir ist der nächste 20 min mit dem Auto entfernt:P

    Danke für deinen Kommentar, hab mich sehr (wie immer) drüber gefreut! Das klingt jetzt blöd, aber es ist gut zu wissen, dass es anderen auch so geht. Und bei mir ist das im Moment ein ganz zentrales Thema, weil grade in der 10ten Klasse viele Schüler wechseln oder aufhören - aus genau diesen Gründen.

    Einen schönen Sonntag wünsch ich dir! Hoffentlich kannst du bald wieder die Farben sehn :) wobei schwarz-weiß ja auch was hat.

    Alles Liebe,
    Cho

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    1. Vielen Dank. (:
      Ja, oder nach Reisen. Plötzlich ist man wieder da, zu Hause, scrollt sich durch die verpassten Blogposts, krault gedankenverloren die Katze... und dabei bleibt's erst mal. So sah mein letzter Geburtstag aus. :D
      Noch zwei Schulwochen und dann hört es auf. Gruselig. Plötzlich kein Unterricht mehr.
      Ach ja, wir Glückskinder aus der Stadt der drei Seen. Der eine ist vom anderen kaum fünf Minuten durch die Stadt entfernt und der letzte, da weiß ich nicht mal so genau, wo der überhaupt liegt. Ist ja schon genug Luxus, rechts und links mit Wasserflächen versorgt zu werden.
      Das war bei uns auch in der Zeit ziemlich schlimm, nach der Elften sind auch sehr viele gegangen und gerade jetzt, wenn es um Abi-Zulassungen, Prüfungen, die Jagd nach Punkten geht, spitzt sich das ganze nochmal zu.

      Danke, dir auch eine schöne Woche! Die Welt ist bunt und leuchtet!

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  6. ein wundervoller post, mehr kann ich fast gar nicht dazu schreiben. der text ist wundervoll, dir gelingt es sehr die richtigen worte zu finden und die bilder passen auch sehr zu ihnen.

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  7. Manchmal ist es einfanch die Summer dieser kleinen Dinge. Irgendwie ist nichts wirklich schlimmes passiert, aber nervige und doofe Sachen haben sich angehäuft...

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    1. Ja, das stimmt, ich bin mal in Tränen ausgebrochen, nur weil mein U-Bahn-Ticket nicht funktioniert hat... Aber immerhin, dann ist es raus und man kann weiter machen.

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  8. Ich liebe s/w Bilder, sie sind so oft viel schöner als farbige und dein Text passt mal wieder hervor ragend zu den Fotos. :)

    Lg Pierre

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    1. Vielen Dank! :) Ich komme gerade auch auf den Geschmack, vor allem bei solchen Bildern, bei denen das Licht eh nicht so besonders ist - da lohnt es sich.

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  9. Schwarz, schwarz, sind alle meine Kleider... *sing*
    Schwarz bringt die Farben erst richtig zum leuchten.

    Ein schöner Post mit eindrucksvollen Bildern!

    Viele liebe Grüße
    Shay

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    1. Dazu könnte meine große Schwester jetzt die zweite Stimme improvisieren, die sieht das ähnlich.
      Stimmt, so kann man's allerdings auch sehen. Und manchmal ist es eben auch bei mir nicht unbedingt flieder oder hellblau.
      Dankeschön!

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  10. Sehr schöne Fotos... total stimmungsvoll und der Text harmoniert ganz wunderbar damit ;)
    Liebe Grüße
    Lea
    LICHTREFLEXE
    FACEBOOK

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  11. wow wirklich schöne aussdrucksstarke Bilder! Gefallen mir sehr gut! Auch der Text dazu finde ich sehr schön und kann ihn teilweise nachvollziehen. Außerdem hast du generell einen schönen Blog und folge dir gleich mal :)

    Liebe Grüße
    Jasmin von nimsajx.blogspot.de

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    1. Vielen lieben Dank, Jasmin, das freut mich wirklich sehr!

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  12. Die Bilder sind sehr schön! Und der Text ist wundervoll geschrieben, du hast echt Talent!:)
    Liebe Grüße, Janina
    i-have-lost-myself.blogspot.com

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  13. Du hast so ein unglaubliches Talent zu schreiben, aber ich glaub das hab ich schon des öfteren gesagt.
    Diese schwarzen Momente habe ich auch, ich habe darin immer Angst vor meiner Zukunft, denn dieses Jahr wird sich mein ganzes leben ändern, keine Schule mehr, endlich einen Abschluss und dann hinaus in die weite Welt. Doch oft plagen mich Gedanken wie das alles sein wird, ob ich nach dem einem Jahr noch Kontakt zu meinen freunden habe, wie sich das leben hier entwickeln wird, ja, ob meine alte Katze noch leben wird die für mich in all den Jahren doch eine kleine Schwester ist...
    Die Bilder passen perfekt zu deinem Text, und ich beneide dich um den See, hier gibt es leider nur einen Teich in dem man die arme nicht ausbreiten kann, ich allerdings schon die Temperatur am Grund fühlen durfte als wir vor mehreren Jahren einmal den Gartenzaun weg gemacht haben :D

    Liebe grüße und alles gute ❤

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    1. Vielen, vielen Dank! ♥
      Genau diese Fragen beschäftigen mich im Moment auch, abgesehen davon, dass unser Kater hoffentlich noch einige Jahre Zeit hat. Mehr an Schule geht nicht mehr, jetzt muss ich irgendwas draus machen. Und ich weiß nicht, was dabei passieren wird.
      Ich wünsch' dir auf jeden Fall viel Glück!
      Grüße aus der Stadt der drei Seen - wir haben mehr als genug. Die werde ich wohl auch vermissen, spätestens im Sommersemester.

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  14. Wow wow wow.
    Mehr kann ich dazu nicht sagen!

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