Mittwoch, 13. Mai 2015

Das Meer der Träume


Ich habe schon immer viel geträumt. Viel, viel mehr, als ich aufschreiben konnte, obwohl ich damit angefangen habe, sobald ich das Alphabet im Groben beherrschte.

Jetzt, wo ich so darüber nachdenke, erinnern sie mich an das Meer, die Träume und Wünsche in meinem Kopf. Sie sind immer da.
Zuerst leise und ruhig, wundervoll warm und einladend. Sie schimmern azurblau bis meergrün, manchmal, wenn der Abend kommt, in einem hellen Orange und tiefen, weichen Mitternachtsfarben. Die Sonne spiegelt sich darin und zauberte silberne Funken auf die Oberfläche, als hätte man Spiegelstaub verstreut.
Später kommt Wind auf, immer dann, wenn man ihn nicht erwartet. Man hat die leichte Brise schon fast wieder vergessen, wenn sie auffrischt, in die Wellen fährt und sie übereinander türmt. Sie werden grau, namenlos, wirbeln umher und manche von ihnen brechen an der Küste und ihre Gischt benetzt den Sand. An einigen Tagen sind sie so farblos, so viele von ihnen fallen in sich zusammen, dass man Angst hat, dass nichts übrig bleibt und dass das Grau bleiben wird. Die Wolken könnten bleiben, während die Blitze ganz gezielt zerstören, begleitet von einem drohenden Donnergrollen.


In diesen Zeiten habe ich Angst.
Davor, dass der Sturm zu lange wütet.
Davor, dass es nicht mehr so werden wird wie zuvor.
Angst vor diesem neuen Meer aus Träumen.


Ich weiß, dass sich jeder Sturm irgendwann legt, aber ich weiß nie, was er bringt. Es kann sein, dass die Träume, die zuverlässig über Jahre hinweg die Windböen überstanden haben, urplötzlich am Strand brechen und ich will es nicht wahrhaben, tue aus Gewohnheit so, als wäre alles wie immer, obwohl nicht alles wie immer ist.
Vielleicht klammere ich mich an einem Wunsch fest, weil ich nicht sicher bin, ob er nach so langer Zeit wirklich verschwunden ist oder nur für einen Moment im offenen Meer, weit draußen, ehe er mit voller Wucht zurückkehrt. Falls er das tut, will ich gewappnet sein, um nicht überrascht zu werden.

Loslassen ist schwer, wenn man nicht mal weiß, ob man soll, muss.
Es ist nicht minder einfach, neue Ideen zu akzeptieren, wenn sie einen überrumpeln.
Das Meer und die Träume sind unberechenbar. Ich glaube, damit muss man leben.


Kommentare:

  1. Was für ein unglaublicher Text. Woher nimmst du diese farbenfrohen Beschreibungen? Es ist jedes Mal ein neues Erlebnis, sich das alles vorzustellen und ich kann nach der Erzählung schon fast die Wellen an den Füßen und die Gischt auf der Haut spüren :)
    Ich glaube auch, dass man solche Dinge nicht andern kann. Träume kommen und gehn und man kann sie weder künstlich schaffen, noch sie festhalten weil es keine materiellen sachen sind sondern eben Träume und das sagt eigentlich schon alles.
    PS: Ich finde alle deine Texte toll aber das ist einer meiner liebsten bisher glaube ich :)

    Ganz liebe Grüße,
    Cho

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    1. Ich weiß nicht. Die kommen einfach irgendwoher, eigentlich war das mit dem Meer nicht mal geplant. Es flog mir einfach zu, als ich angefangen habe, zu schreiben ... vielen Dank! :)
      Das stimmt wohl. Genau so wenig, wie man eben das Meer beherrschen kann. Man kann sich ein Boot bauen und auf den Wellen reiten und man kann es mit Öl zerstören (ist das jetzt eine versteckte Greenpeace-Botschaft?), aber es gehört einem nicht. Ach, diese Metpahern immer! Ich frage mich, ob ich im realen Leben manchmal auch so rede.
      Und nochmal: Dankeschön. Das freut mich sehr!

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  2. Eine tolle Idee, Träume mit dem Meer zu vergleichen... Wie du sagst, manche plätschern ein Leben lang vor sich hin und andere kommen plötzlich und aufbrausend mit hohem Wellengang - und verschwinden genauso schnell auch wieder.
    Wunderbarer Text!

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    1. Vielen lieben Dank, Anna! :)
      Ich frage mich gerade, welche davon ich lieber habe ... Vermutlich haben beide so ihre Vorteile, die ruhigen und die spontanen.

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  3. Hee du!
    Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich glaube nicht, dass man sich verstellen muss, nur weil man sich im Internet präsentiert. Ich glaube, wir verstellen uns immer - auch im echten Leben. Ein bisschen, nicht bewusst, nicht mit Absicht, nicht mit Ziel. Wir schlüpfen in Rollen, zeigen uns von neuen Seiten, verdrängen und heben hervor. Ich glaube, wir sind Menschen - und Menschen sind vielseitig, sie sind nicht nur - nicht nur trendig, nicht nur glücklich, nicht nur zufrieden. Aber auch nicht nur Schlafanzug und Jogginghose, nicht nur traurig, nicht nur unzufrieden.

    Dein Text ist wunderschön. Tolle Bilder, mit Bedacht gewählte Worte. Und wirklich hübsche, nachdenkliche Bilder.
    LG Marmormaedchen
    www.marmormaedchen.blogspot.com

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    1. Ich hatte den Kommentar noch nicht ganz gelesen, da wollte ich schon das gleiche schreiben - "wir verstellen uns immer". Das geht im Internet vielleicht ein bisschen einfacher, aber im Prinzip tun wir doch jeden Tag und ich glaube, das gehört einfach dazu. Verstellen ist nicht verstellen, sondern Mensch sein, mit vielen verschieden Facetten.

      Vielen lieben Dank für deine Worte!

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  4. Oh echt jetzt? Ich habe gestern einen Kommentar geschrieben(über Handy) und wunderte mich kurz aber er scheint tatsächlich komplett futsch zu sein!
    Na dann..
    Wundertoller Text, Märchenmara!
    Ja, Träume können einen wirklich überwältigen und Angst machen, die in der Nacht und auch die am Tag.
    Aber wenn du von etwas träumen kannst, kannst du es auch realisieren, daran glaube ich.
    Und wie du schon schön geschrieben hast, der Sturm ebbt ab und wer weiß, was so an Strandgut an den Strand der Träume gespült wird...Lösungen, Mut und Kraft. Und neue wunderbare Träume.
    Du hast die Chance ganz ganz viele davon wahr werden zu lassen und das wirst du auch tun, sonst bekommst du Ärger mit mir^^
    Manchmal muss man los lassen und dann ist einfach alles klar.
    Gewohnheit ist Sicherheit, das verstehe ich, geht wohl jedem so. Aber Gewohnheit ist auch Stillstand und du solltest nicht still stehen, du solltest die Welt erobern und es wird wunderbar sein, da bin ich mir wirklich absolut sicher.
    Wundervolle Träume noch, ein paar davon warten darauf, wahr zu werden, ein paar können ruhig schöne Träume bleiben^^
    Bis bald,
    deine Silbermöwe^^

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    1. Ach, diese Momente hasse ich ... wenn man bemerkt, dass alles weg ist. Das passiert dir aber häufiger, liebes Silverchen, oder?^^
      Danke! Mal wieder. Ich frage mich gerade, wie oft ich mich eigentlich bei dir bedanke, dass du dir immer so viel Zeit nimmst.
      Lustigerweise habe ich gerade heute das Traum-Buch von Kerstin Gier gelesen und ja, Träume können beängstigend sein. Und fabelhaft. Vor allem die, auf die man hinarbeiten kann.
      Eigentlich ist Strandgut wirklich wunderbar, also gebe ich mir Mühe, ich will ja nicht, dass du mir zürnst (ahh, schönes altes Wort!) und der Traum, von dem ich Angst hatte, dass er weg ist, der ist gerade tatsächlich in Form eines Taifuns zurückgekehrt, ein schöner Taifun aber. Neues, Altervertrautes, eine Gewohnheit, die irgendwie keinen Stillstand bedeutet, weil sie lebt. Zu später Stunde werde ich noch kitschiger mit meinen Metaphern.
      Aber es stimmt. Ich habe einen ganzen Haufen hinter mir gelassen und freue mich auf das, was kommt. Ich wünsch dir ebenfalls schöne Wellen und ein paar Seesterne und hübsche Muscheln am Strand, bis bald, träum schön. :)

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  5. Ich mag deine Bilder !!

    Liebste Grüße :)
    Cyra von:
    http://bedeutungsvolle-momente.blogspot.de/

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  6. Wirklich wunderschön geschrieben! Diese tolle Beschreibung der Farben und des Meeres, dieser Vergleich und.. hach einfach alles.. wirklich ein toller Text! :)

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  7. Wow, dein Schreibstil gefällt mir unheimlich gut! Ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen, dein Header ist wirklich wundervoll!

    Hier geht's zu meinem Blog – Über neue Leser würde ich mich sehr freuen!

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    1. Dankeschön! :)
      Ich glaube, deinen Blog kenne ich sogar schon, ich schau mal vorbei.

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  8. die mündliche prüfung ist wirklich nicht so schlimm wie man denkt! ich habs jetzt hinter mich gebracht und bin soo froh darüber und erleichtert :)
    sehr schöne bilder und auch ein toller text! ich mag deinen schreibstil einfach unglaublich gerne und freu mich immer wenn es was neues gibt :)

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    1. Ach, du Glückliche! Ich wünschte, ich müsste nicht noch so lang warten, im Moment schaue ich quasi nur noch einen Haufen Dokus, weil ich keine Lust habe, Jahreszahlen auswendig zu lernen ... ach Gott, ich hoffe, es wird wirklich nicht so schlimm.
      Und viiielen Dank, liebe Lilly! :)

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  9. Richtig toll geschrieben und wunderschöne Gedanken - gefällt mir :)!

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  10. ich liebe deinen blog wirklich! kann ich dich anschreiben, falls ich fragen habe? Ich habe erst seit einigen Tagen meinen Blog :)

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    1. Dankeschön! :) Na klar, die E-Mail-Adresse ist im Impressum.

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  11. Wow! Das sind wunder-, wunder-, wunderschöne Bilder! Der Hintergrund ist so schön und die Blüten passen wunderbar zu deinem Text der Träume. Sie erinnern mich irgendwie an so kleine Wölkchen, die wir im Kopf haben, wenn wir an das Träumen denken :)
    Ich hätte es nicht in Worte fassen können, wie sich träumen anfühlt, aber du hast es hervorragend geschafft!

    Alles Liebe,
    Very

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    1. Vielen, vielen Dank! :) Ich bin dafür extra auf's Dach geklettert, weil Mama die tiefhängenden Äste immer abschneidet.
      Das mit den Wolken ist aber genau so schön formuliert, stimmt, daran muss man auch denken bei Träumen.

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  12. Ich mag deinen Blog wirklich sehr :-) Man merkt wie viel Zeit und Mühe dahinter steckt !
    Liebe Grüße
    http://ellaniri.blogspot.de

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  13. Der Text ist unglaublich schön geschrieben, ich bin total begeistert <3
    Die Fotos gefallen mir auch wirklich gut :)

    Liebe Grüße

    http://nilooorac.blogspot.de

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    1. Dankeschön! :) Freut mich, dass meine Worte und die Bilder so gemocht werden.

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