Freitag, 19. Juni 2015

To turn to Dust


»And I built a home,
until it disappeared,
and now, it's time
to leave and turn to dust.«
The Cinematic Orchestra, To Build a Home



Manchmal würde ich gern nach Norwegen auswandern, alles hinter mir lassen, neu beginnen. Ausprobieren, ob ich schon soweit bin, oder ob sich alles wiederholt.


Manchmal bin ich froh, dass ich bald, in ein paar Monaten schon, in eine fremde Stadt ziehe, allein. Ich habe Angst davor und ich bin neugierig. Was passieren wird, ob ich mich einmal mehr überwinde; ob es immer leichter wird wie beim Laufen oder jedes Mal wieder ein innerer Kampf.


Manchmal will ich allein sein, die Türen abschließen, alle Listen streichen, Termine absagen, wegbleiben. Ein bisschen von meinem Glück abgeben, ihr könnt es gerade sicher gebrauchen, und ich bleibe hier, während ihr lacht.



Ich habe keine Lust, zu heucheln, und tue es trotzdem immer wieder. Was auch sonst? Die Wahrheit wollen sie nicht hören und mehr gibt es kaum zu reden. Ich will nicht jetzt schon verstummen.


Und du tust so, als wüsstest du alles so viel besser, weil du die Welt kennst, gerade jetzt und schon die ganze Zeit. Sagst mir, was ich tun soll, weil du das alles schon gesehen hast.
Ich bin jung, aber nicht dumm.


Ich tue so, als hätte ich es nicht gehört, und die Worte wiederholen sich in meinem Kopf, immer lauter. Ich sage es ihnen nicht.


Ich lüge, ignoriere, nicke brav, wenn mir die Worte fehlen, obwohl das Herz schreit; warum sagst du nicht die Wahrheit? Muss ich dir erst selbst erklären, dass es nichts nützt, dass ich es ohnehin weiß und nur noch warte, bis du bekennst? Oder ob du es jemals tun wirst.


Wir haben alle unsere Geheimnisse.
Das ist in Ordnung.
Aber pass besser drauf auf.




Manchmal würde ich gern fortgehen. Verbrennen, zu Staub und Asche werden, um mich neu zu formen, nochmal zu beginnen. Ich glühe schon.

Kommentare:

  1. Märchenmara,
    du schaffst es immer, dass ich mich persönlich angesprochen fühle.
    Ich liebe deine Worte und wie du sie in Bilder verwandelst. Bist du real? Manchmal kommst du mir wirklich wie ein Märchen vor.
    Es wäre in der Tat ganz schön, wie der Phönix aus der Asche neu aufzuerstehen. Alles auf Anfang.
    Mehr gibt es nicht zu sagen. Für den Moment.
    Silver

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    1. Das finde ich schön - ich meine, auch wenn es melancholisch ist, man wünscht anderen Leuten natürlich keine Melancholie, aber trotzdem.
      Wahrscheinlich sind wir alle ein bisschen unwirklich, in manchen Augenblicken. Es fühlt sich zumindest so an.
      Vielen, vielen Dank, mal wieder. Das ist für den Moment auch schon mehr als genug.

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  2. Oh ja immer dieses Zwischending zwischen Angst und Neugier, immer wenn etwas Neues ansteht ist es doch so oder? Manchmal würde ich auch gerne abhauen, weit weg, einfach so spontan, sodass sich alle fragen wo ich nur hin sei aber gleichzeitig ist die Angst da, diese Angst seine Komfortzone zu verlassen und nicht zu wissen was passiert, aber das treibt auch wieder an. Merkwürdig. Ich finde es ansonsten einfach so erstaunlich und schön wie deine Bilder immer perfekt zu deinem Text passen, hast du vorher schon eine Ahnung worüber du schreibst oder kommt das erst wenn die fertigen Bilder entstanden sind?
    PS: Das Kleid ist total schön! Ich liebe schwarze Sachen und schwarze Kleider erst!

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    1. So geht's mir in dem Sinne wirklich, obwohl ich beim Schreiben gar nicht so sehr daran gedacht habe. Ich bin total gespannt auf die Zukunft, aber als ich dann meine Bewerbung für die Uni abgeschickt habe, war mir doch ein bisschen mulmig. Eben weil das was ganz Neues ist und da so unglaublich viel auf mich zukommt!
      So ungefähr wusste ich schon, was für eine Stimmung ich fotografiere, weil ich bei dem Post auch schon Zitate gesammelt habe, die mir durch den Kopf gehen, aber mir kommen die Ideen auf oft erst, wenn ich die Bilder ansehe.
      Eigentlich ist es ein Rock und ein T-Shirt, dass ich auf links gedreht habe, weil's bedruckt ist. :D Aber ich mag es auch, abgesehen von meier Pastell-Liebe. Schwarz steht einem immer, schwarz ist neutral, klassisch, schön.

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  3. Das seltsame an Neuanfängen ist ja, dass man dann, wenn man wirklich nicht mehr zurück kann. Selbst wenn man an den gleichen Ort zurück geht, man hat sich selbst verändert und der Ort hat sich verändert und kann gar nicht mehr sein wie vorher. Und nur wenn man zurückblickt, tut es weh. Wenn man nach vorne schau ist man nach ein paar Monaten überrascht, wie gut man sich eingelebt hat. Mit den alten Freunden hat man plötzlich nichts mehr zu tun und entfremdet sich. Das tut dann auch weh. Aber man gewöhnt sich irgendwann einmal daran und dann sind alle Löcher, die man in sich selbst und in denen, die man verlassen hat, verheilt. Und man passt nicht mehr in diese Löcher rein, weil sie zugewachsen sind. Das gleiche frage ich mich gerade bei einer Freundin, die ein Jahr in den USA war. Ich wäre auch gerne in den USA und bewundere ihren Mut, wirklich loslassen zu können. Und anderrseits frage ich mich ganz bang, wie das wird, wenn sie zurückkommt, denn in einem Jahr hat sich viel verändert.

    Ich habe auch manchmal Lust, einfach mal etwas neues anzufangen und mein jetziges Leben hinter mir zu lassen. Ja, eigentlich bin ich "erst" sechzehn und gleichzeitig weiß ich, dass man theorethisch jederzeit abhauen könnte, aber dann versperrt man sich selbst den Weg, weil man zu viele kleine unwichtige Projekte am laufen hat, die eigentlich überhaupt nicht wichtig sind, aber ohne die man irgendwie auch nicht mehr durch den Alltag kommt. Und wenn es mal nötig ist, weil man sonst im grauen Alltag ersticken würde, dann sind sie echt hilfreich, obwohl man gleichzeitig das Gefühl hat, dass sie einen auch irgendwie behindern...

    Übrigens, die Bilder sind genial, die könnte man zum Teil für Buch- CD- oder Filmcover verwenden... (Tipp: Beim Vierten Bild musste ich an Ostwind ohne Pferde denken. Auch wenn ich den Film gar nicht kenne)

    lg Mulan

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    1. Davor habe ich auch Angst. Natürlich sagt man sich, man bleibt in Kontakt, besucht sich, und das macht man bestimmt - aber ich merke jetzt schon, wie irgendetwas auseinander bricht. Wie sollen wir etwas erhalten, was ohnehin seine Blütezeit schon überdauert hat? Ist es dann nicht irgendwie tröstlicher, weiterzugehen? Auch wenn ich gerade jetzt Abschied genommen habe, wirklich offiziell, und es tut mir so leid. Vielleicht sogar weniger in Bezug auf meine Freunde, die ich natürlich noch sehe, sondern wenn ich an diese kleinen Bekanntschaften denke, Leute, mit denen man viel zu wenig zu tun hatte - das weiß ich jetzt, wo ich sie nicht mehr spontan in der Schule sehe, wo ich nicht mehr kurz mit ihnen plaudern, ihnen zulächeln kann. Zu spät.

      Ich bewundere die Leute, die einfach so, ganz spontan aus ihrem Leben ausbrechen können, aber ich will es ihnen nicht unbedingt gleichtun. Ich weiß, was ich im Moment will, und reisen ist das nicht. Natürlich, jetzt, wo die Schulzeit vorbei ist, muss ich etwas Neues anfangen und das tue ich auch, aber meine Rituale behalte ich mir bei. Ich habe gern etwas zum Festhalten, es passieren mir sowieso ausreichend spontane Dinge, die mich herausfordern.

      Und vielen, vielen Dank - Ostwind wollte ich mal schauen, aber irgendwie ... habe ich das wohl bis jetzt auch noch nicht getan.

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  4. Klasse Fotos, richtig ausdrucksstark <3

    Dein Blog gefällt mir echt gut!
    Würde mich freuen, wenn du auch mal bei mir vorbeischaust und wir uns gegenseitig unterstützen :)

    Liebe Grüße

    http://nilooorac.blogspot.de/

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    1. Vielen lieben Dank! :) Ich schau auf jeden Fall mal vorbei.

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  5. Ganz ehrlich, ich könnte mich nie darauf freuen, ganz alleine in eine fremde Stadt zu ziehen. Dafür bin ich einfach viel zu stark an meine Familie,Freunde und vor allem an meine Tiere gebunden. Ich bin einfach nicht der Typ der alleine Abenteuer erlebt, ich teile es viel lieber mit meinen Lieben. Aber trotzdem wünsche ich dir jetzt schon ganz viel Spaß in der neuen Stadt :)

    Lg Pierre

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    1. Ich bin bis jetzt auch noch nicht so ganz allein in die große weite Welt gezogen - aber irgendwann muss man ja anfangen. Ich hänge auch ziemlich an meinem kleinen Heimatort, deswegen ziehe ich für's erste Jahr auch nicht weit weg, aber wer weiß, was danach kommt. Ich freue mich eigentlich drauf!

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  6. Hallo Mara,
    auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole - die Bilder sind klasse und der Text ist es auch. Du hast wunderschöne Augen, sind die grau oder grün? :)
    Neuanfänge machen uns Angst, mir zumindest. Sie sind unberechenbar, eine Chance und ein Risiko. Wir sehnen sie herbei und wenn es dann soweit ist, bekommen wir Angst, aus unserem sicheren Leben auszubrechen.
    Kennst du "im Ascheregen" und "Hinterland" von Casper? Finde ich ziemlich beeindruckend, da gehts ja auch so ein bisschen um Umbruch und Neuanfang, wenn auch vielleicht ziemlich radikal im Vergleich zum normalen Leben.

    Ich denke, keinen Dialekt zu sprechen hat auch seine Vorteile. Du schreibst in Arbeiten in der Grundschule nicht "wie" anstatt "als" und nicht "ich bin geloffen" (der absolut verhasste Fehler meiner Lehrerin, ich hab ihn zwar schnell nicht mehr gemacht, aber andere noch jahrelang :D) . Und du musst nicht hin und her wechseln zwischen zwei Dialekt und Hochdeutsch.

    Ganz lieber Gruß,
    Cho

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    1. Vielen, vielen Dank; ich glaube, ich wiederhole mich da auch dauernd, es fehlen einfach die Synonyme und manchen Leute - dich eingeschlossen - muss man einfach immer das Gleiche schreiben, weil es konstant fabelhaft ist!
      Eigentlich ein nicht besonders intensives blau mit goldgelben Sprenkeln. Eine Mischfarbe.

      Oh ja, genau so wird es mir auch geben. "What's so simple in the evening in the morning never is" - man plant sich alles so schön, aber wenn es dann wirklich losgeht, merkt man erst, wie viel auf einen zukommt und was man dafür alles loslassen muss.
      Ich habe mir gerade beide Lieder angehört (irgendwie hatte ich bis jetzt noch nie das Bedürfnis, Casper zu hören, obwohl es eigentlich ganz cool ist und mir Ascheregen auch bekannt vorkommt. Wer weiß, warum) und irgendwie mag ich sie, vor allem Ascheregen und so ein paar einzelne Zitate ... jetzt gehöre ich bald auch zu den Leuten, die Kraftclub und Casper und wasnochalles bei Instagram zitieren. :D

      Ja stimmt, das ist natürlich ein Vorteil. Und mit "besser wie" oder noch schöner: "besser als wie" kann man mich jagen! :D

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  7. Sehr sehr viele inspirierende Gedanken! Die Bilder sind großartig, vor allem dieser ausdrucksstarke Blick, wahnsinn!
    Danke für deine Worte. Naja, ganz so elegant wie auf dem Foto gelingt es mir nur leider auch nicht immer. Ja, das Gleichgewicht im Alltag zu finden, ist wirklich nicht immer leicht. Wünsche auch dir dabei ganz viel Erfolg.

    Viele liebe Grüße und eine angenehme Restwoche!

    http://mtrjschk.blogspot.de/

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    1. Vielen, vielen Dank für deine Worte! :)
      Bei mir sieht die Brücke aus dem Stand auch mal schön aus, mal ... eher weniger. Ich übe noch. :D
      Wünsche ich dir auch; beides, Erfolg und ein schönes Wochenende.

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  8. Liebe Mara,
    der Text ist wunderbar ❤
    Mir fällt da von Casper das Lied 'auf und davon' ein. An sich gefällt mir seine Musik nicht besonders, aber die Texte habens echt in sich :)
    Ich hoffe dass du deinen Weg findest und dass du gut damit zurecht kommst von zu Hause wegzugehen, egal was die anderen sagen.
    Liebe grüße,
    Jone

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    1. Vielen lieben Dank, Jone. <3
      Noch mehr Casper! Der Gute scheint ja sehr angetan zu sein von diesen Themen, schon das dritte Lied, das zum Post passt - und das ich mir jetzt erst mal anhören muss. [...] Ich merke gerade, der hat immer ziemlich coole Videos, so viel wunderschöne Natur! Die drei Lieder, die ich kenne, mag ich sogar, obwohl ich bei Musik in der Art immer ziemlich wählerisch bin. Und die Texte sind wirklich toll!
      Danke - das wünsche ich dir auch für's FÖJ! (:

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    2. Ja ist er wirklich. Ich kenne auch nur drei oder vier aber die Texte sind wirklich toll <3
      Vielen dank :)

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