Montag, 17. August 2015

Adriana – Pow, pow, pow! Radong!


Ja, das trägt man jetzt so.


Nein. Eigentlich nicht. Wenn man es nicht gerade von den Kostümbildnern in die Hand gedrückt bekommt.


Es ist schon wieder beinahe einen Monat her, dass für uns die offiziellen Proben für die Oper begannen – einstudiert hatten wir unsere Passagen schon mit unserer Chorleiterin, am 20. Juli stießen wir dann endgültig auf den Rest der Gruppe.
»Adriana« ist eine moderne Oper, komponiert von Marc Aurel Floros nach einem Libretto von Elke Heidenreich. Unser Regisseur war beim ersten Kennenlernen ziemlich entsetzt, dass wir sie nicht kannten, ist wohl nicht mehr unsere Generation.
Worum es geht und wie die Aufführungen abliefen, erzähle ich euch im nächsten Post. Nur soviel sei gesagt: Es handelte sich um eine Uraufführung, das heißt, wir waren dabei, als die Oper zum allerersten Mal gespielt wurde!



Über unseren Chor wurden ein paar Leute zusammengesucht, die Lust hatten, mal als Opernchor zu singen. Beziehungsweise Chörchen, und das war unser erstes Problem: Unsere Passagen wurden vierstimmig für vierzig Sänger komponiert, nicht für uns acht, später zehn Leute. Deswegen wurde spontan immer ziemlich viel zusammengestrichen und geändert, nur um sich zu Probenbeginn dann zu wundern, dass wir es noch nicht richtig können – ja nee, ist logisch, wenn alle außer dem Sopran nochmal die Hälfte neu lernen müssen.
Mit diesen vielen Änderungen und den ersten Einblicken in unsere Kostüme waren wir am Anfang ein bisschen deprimiert. Fließende Sommerkleider in Pastellfarben hatten sie uns gezeigt, und daraus wurden dann spitze weiße Schuhe, Bleistiftrock und ein omahafter Blazer mit Schulterpolstern.
Oh ja. Danke. Hab mich sauwohl gefühlt.
Immerhin haben sie mir noch einen Raffaelo-Hut dazu gegeben.


Ziemlich übernächtigt erschienen wir dann zum ersten Probentag – Juli und ich mit Festival-Augenringen, und Hannes und Lotti hatten auch ein paar nette Stunden in Berlin verbracht, nachdem der letzte Zug irgendwie ohne sie losgefahren war.

Und erstaunlicherweise lief es dann doch ganz anders.
An der Musik wurde erst mal gar nicht gefeilt. Ansprache und dann hopp auf die Bühne und schauspielern. Wir haben viel mehr am Dramaturgischem gearbeitet als am Gesang, ewig ausprobiert, wie man am besten von der ersten zur zweiten Szene umbaut, wer wo steht, wann wir im Freeze sein und wann empört von den Stühlen springen sollen. Ich hatte eigentlich nicht damit gerechnet, dass wir so sehr eingebunden werden und meine schauspielerischen Erfahrungen beschränkten sich eigentlich auch eher auf ein Minimum.


Aber es hat Spaß gemacht, obwohl wir anfangs wenig Ahnung hatten. Irgendwann wusste man einigermaßen, was wann zu tun war, konnte sich die Namen aller Solisten merken und wechselte mal zwischendurch ein, zwei Worte. Wir hegten bei den ersten Begegnungen die Befürchtung, dass es ein paar Leute geben könnte, die sich für besonders wichtig halten, aber obwohl wir natürlich nicht zwingend zum inneren Zirkel gehörten, der die ganze Zeit direkt in der Musikakademie wohnte, haben wir wunderbare Menschen kennen gelernt. Und für mich wurde noch nie so laut, vielstimmig und vor allem sauber Happy Birthday gesungen. Im Speisesaal.


Und nach einer knappen Woche folgte dann auch schon die erste Probe im Kostüm. Das bedeutet: vier Stunden früher da sein, in die Maske und dann gut aufpassen, um den Lippenstift nicht komplett zu ruinieren. Die Hälfte der Mädchen bekam Perücken, teilweise, weil die Haare zu kurz waren, in Julis Fall wohl eher, weil es zu lang gedauert hätte, die Haare jedes Mal zu frisieren. Das war bei mir der Fall und ich glaube, ich saß von uns Chorleuten am längsten – eine gute Stunde für Haare und Make Up. Wusstet ihr, dass es Papilloten gibt, die man aufheizen kann?


Abgesehen davon sah meine Frisur sowieso immer anders aus, am Ende hat es einfach nicht mehr gehalten, wie es sollte, obwohl meine Maskenbildnerin sich viel Mühe gab, alles auf einer Seite zusammenzukleben. Deswegen auch die Spangen und das Haarnetz auf dem Bild oben, die kamen später natürlich noch raus.


»Haare bloß nicht schneiden« galt bei den Jungs größtenteils auch im Gesicht und in der Maske wurde nochmal ordentlich nachgefärbt für solch einen fancy Bart. Und seht nur, wie liebevoll die Haare an den Kopf gegelt wurden!


Die Aufführungen sollten eigentlich alle draußen im malerischen Schlosshof stattfinden, was leider nur teilweise geklappt hat, einmal war es einfach zu kalt für das Orchester.





Es war erstmal schon ein kleiner Schock, sich selbst so stark geschminkt zu sehen. Ich kann ja selbst kaum mit Lidschatten umgehen, aber Aisha hat Tag für Tag kleine Kunstwerke in mein Gesicht gezaubert und im Endeffekt finde ich es wirklich wunderschön. Nicht gerade alltagstauglich vielleicht, aber so kann man sich schon mal auf die Bühne trauen.


  
Und es hilft, um in die Rolle einer arroganten Geschäftsfrau zu schlüpfen, die sich alles leisten kann und rücksichtslos durch die Welt schreitet. Nicht privat werden, präsent sein. Oder, wie unser Regisseur es gern formulierte, wenn wir nicht genug Energie rüberbrachten: Pow, pow, pow! Radong!




Und plötzlich waren es nur noch ein paar Tage bis zur großen Premiere.

Meine Meinung zur ganzen Opernproduktion und den Aufführungen würde gerade den Rahmen des Posts sprengen, darüber werde ich euch im Laufe der Woche nochmal etwas erzählen.
Bis dahin gibt es hier noch Fotos aus der Maske zu bewundern, die unsere Regieassistentin gemacht hat.



Und sonst? Habe ich letzte Woche ein paar Japaner betreut und kriege gerade beinahe die Krise, weil ich heute zur allerersten WG-Besichtigung meines gesamten Märchenlebens nach Berlin fahre. Ich glaube, ich berechne eine ganze Stunde ein, um die Wohnung zu finden und dann noch zwei, um mich mental vorzubereiten. Wohnungssuche! So schnell geht das. Am ersten Tag die Zulassung, am zweiten Mails verschicken, am dritten in den Zug steigen.
Berlin, ich komme – mit angstvollem Blick und einer guten Portion Neugier.

Kommentare:

  1. Wunderschöne Bilder! Ich finde es immer total interessant, etwas über solche Aufführungen zu lesen, ich selbst bin total unmusikalisch :D
    Ich drücke dir die Daumen für deine Zukunft, sowohl für die Wohnungen, als auch für die Uni! :)

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    1. Vielen Dank, Nina! :)
      Bei mir kam das durch den Chor, ich hab auch nie ein Instrument gelernt (außer ein Jahr Melodika im Kindergarten) und meine Klavierkünste sind seeehr bescheiden. :D
      Danke - Wohnung hat schon mal geklappt, hoffentlich läuft es mit der Uni auch alles so glatt.

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  2. das erste und dritte bild ist so mega wow :o das licht ist so perfekt auf den bildern! und auf dem vierten bild erinnert sie mich irgendwie total an lily collins :)
    und ich denke auch make up kann eine person total anders wirken lassen und sich selbst fühlen! die letzten 2 bilder find ich auch richtig klasse. sehr interessanter bericht und ich bin auf den nächsten gespannt!
    und viel glück für die wohnungssuche natürlich :)

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    1. Die waren auch mit meine Favoriten - und ja, diese Schneewittchen immer! Ein bisschen ähneln sie sich wirklich.
      Ich finde, sowas kann echt positiv sein, aber es ist schade, wenn manche Leute sich ohne Make Up gar nicht mehr wohlfühlen - ab und zu sollte man eigentlich auch mal mit seinem ganz eigenen Gesicht leben können.
      Der ist ja jetzt schon draußen, ich habe mit den Antworten ein bisschen getrödelt.
      Die Glückwünsche haben offensichtlich geholfen - ich hab ein nettes Zimmerchen gefunden! :)

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  3. Hi, ein schöner Bericht! Und die Bilder sind klasse, geben einen tollen Einblick in das Geschehen. Ich wünsch dir viel Glück und Erfolg für deine Berliner Zukunft :-)

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    1. Vielen lieben Dank, das freut mich!
      Bis jetzt läuft alles wunderbar in Berlin, hoffentlich bleibt das noch eine Weile so. :)

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  4. Wow! Wundertoll, ihr seht alle aus wie Filmstars, aus den 30er oder 50er Jahren oder wo man so aufwendige Garderobe getragen hat. Wunderhübsch geschminkt auch noch, Hollywood hat schon mal an die Tür geklopft, oder?
    Die Krawatte passt zwar nicht zum Hemd aber egal, der Rest stimmt ja^^
    Das war doch sicher eine ganz tolle Erfahrung, dafür hat sich das alles bestimmt gelohnt, wann kann man schon mal auf den Brettern, die die Welt bedeuten, stehen?
    Ich wünsche dir auf diesem Wege auch viel Glück bei der Zimmer/Wohnungs/Loftsuche..evtl. mit silbernen Wänden;)
    Bis dann liebe Mara,
    Silver^^



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    1. Danke, Silverlein! Am Ende habe ich mich auch damit angefreundet - ich wette, bald holen sie uns für ein Opernverfilmung! ^^
      Da ich viel zu spät antworte, kann ich beruhigt wiederholen: die Krawatte passt immerhin zum Sakko, wie man im nächsten Post sieht.
      Das hat sich definitiv gelohnt! Es hat so viel Spaß gemacht, ich vermisse es jetzt schon ganz doll.
      Hat geklappt, wenn auch nicht mit silbernen Wänden. Ich könnte es natürlich mit Alufolie tapezieren ... oder auch nicht.

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  5. Was für schöne Bilder und tolle Kostüme! Ich finde das sehr interessant mal mitzubekommen wie es bei einer Oper läuft!:)
    Ganz viel Glück bei der Wohnungssuche - das wird schon!:)
    Liebst, Mara von Maravilla

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    1. Vielen lieben Dank! ♥ Für mich war es auch ganz neu und unglaublich spannend.
      Und nochmal danke - hat geklappt!

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  6. Was für tolle Kostüme! Wann bekommt man denn mal die Gelegenheit sich selbst als Hollywoodstar der Vergangenheit zu sehen? Und ich muss sagen, ich hätte dich fast nicht erkannt mit dem vielen Make-Up. Aber es steht dir, lässt dich um einiges älter wirken!
    Der Auftritt und die Proben hören sich ja wirklich spektakulär an, das ganze muss ja viel Spaß gemacht haben!
    Und ganz viel Glück bei der Wohnungssuche, das klappt bestimmt!
    Alles Liebe, Salo

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    1. Als ich mich erst mal damit abgefunden habe, fand ich es wirklich spannend, in so eine Rolle zu schlüpfen, und das Make Up war wirklich einfach grandios - obwohl die Wirkung echt ganz schön krass ist.
      Es war einfach fabelhaft, ich würde das jederzeit wieder machen!
      Danke - hast recht, hat geklappt. :)

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  7. Die Kostüme sehen wirklich toll aus und das Make-Up sehr professionell! Am Anfang musste ich sogar 2x hingucken, denn die Bilder sehen so schön aus, vor allem mit dem Gegenlicht :)
    Das Proben und zum Schluss der Auftritt haben bestimmt ganz viel Spaß gemacht!
    Ganz viel Glück bei der Wohnungssuche :)

    Alles Liebe,
    Very

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    1. Vielen Dank, du Liebe! :) Von Gegenlicht kann man auch einfach nie genug bekommen, oder? Und diese Kostüme und das Make Up mussten wir einfach nochmal festhalten, wenn man da schon so eine tolle Kulisse hat ...
      Danke! Lief alles fabelhaft, ich hab jetzt ein Zimmer. :)

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