Samstag, 19. September 2015

From the bruises flowers grow


»You don't like when I disagree,
You don't say sorry, you're way too proud.
But all that glitters is not gold,
From the bruises flowers grow.
I feel so much better now you’re not around,
There’s no one to kick me while I’m down,
No one to burn my bridges anymore,
So keep on walking!
‘Cause I’m not here to make you feel good,
To dry up your tears and apologise for you.
I feel so much better now you’re not around,
So keep on walking out!«
Gabrielle Aplin, Keep on walking


Es gibt ziemlich viele Menschen in meinem Leben, die ich mag.
Einige, von denen ich mich kaum jemals trennen möchte.
Einige, von denen ich das mal gedacht habe.
Einige, mit denen ich fast nur noch Höflichkeiten austausche.
Einige, die irgendwo in der Vergangenheit geblieben sind.

Und es gibt einige, die ich nicht mag.
Die ich zeitweise eher ertragen habe.
Die ich mit einem Lächeln hinter mir gelassen habe, nachdem die gemeinsamen Tage gezählt waren.


Manchmal ist es schwer, zu entscheiden, wer zu welcher Kategorie gehört. Manchmal zögert man und versucht es noch einmal, immer und immer wieder. Lächelt, wenn am Anfang alles funktioniert und kann dieses Lächeln am Ende nur mit Mühe aufrechterhalten, weil es eben doch wieder nicht geklappt hat.
Und man versucht es wieder. Wie Stehaufmännchen, die, egal, wie weit sie zur Seite geschubst werden, sich immer wieder aufrichten, irgendwie in die Senkrechte kullern und für einen Moment noch zitternd verharren. Man vertraut darauf, dass es bis jetzt immer funktioniert hat, redet sich ein, dass es sich manchmal auch lohnt, aus dem Gleichgewicht zu geraten.

Und ich vergesse dabei, nachzudenken, wo ich selbst stehe. Was nützt es, zu hadern, zu lachen, zu heucheln, wenn man doch nur wieder beiseitegeschoben wird? Warum diese Mühe, warum die Entscheidungen hinauszögern, wenn ich die Einzige bin, die sie noch zu treffen hat? Weshalb klammere ich mich immer noch an Illusionen und Momente, wenn ich doch immer die letzte bin?

Es sind immer zwei Seiten und man kann sie nur zum Teil beeinflussen.
Vielleicht sollte man es gar nicht tun. Gefühle manipuliert man nicht.


»Sometimes it’s difficult to get past betrayal and pain. People don’t always hurt you because they want to, they hurt you because they take you for granted, they don’t understand the impact you have on their life and they get used to the way you make them feel so they just presume you’d always come back. And they just screw up, time and time again and they still think you’ll come back. But at one certain point, you look in the mirror and think that maybe you deserve better, maybe you deserve to be fought for, maybe you deserve to not be taken for granted and that maybe you don’t want to keep those people that brought you so much pain in your life anymore.«


Weil ich eigentlich auch nicht weiß, wann es zu viel ist.


Man muss kämpfen, das weiß ich. Das Leben ist keine goldene Waage der Harmonie und jeder – jeder – strauchelt eines Tages. Auch die Menschen, von denen man es nie gedacht hätte, die mit dem perfekten Leben, die man noch nie hat weinen sehen. Oh doch, das tun sie. Sie heulen wie die Schlosshunde, genau wie jeder andere auch.


Aber irgendwann ist es auch genug. Es gibt Menschen, mit denen ich vor zehn Jahren so viel gemeinsam hatte – jetzt reden wir aneinander vorbei, haben so unterschiedliche Träume und Ideale, als würden wir uns zum ersten Mal sehen und über Nichtigkeiten plaudern.
Das passiert. Wir verändern uns, und es braucht nicht immer zehn Jahre dafür.


Aber meine Umgebung bleibt dieselbe, wenn ich nichts dagegen tue. Wie ein zu klein gewordenes Gehege, in dem ich rastlos auf und ab laufe, sehnsüchtig zum Rand der der Mauer hochstarre und sie doch nicht überwinde.
Obwohl ich es könnte. Ich könnte meine Finger in die Mauerritzen krallen, mit meinen Zehenspitzen die kleinen Vorsprünge finden und mich hochziehen.
Und das braucht Zeit, Geduld, und Glück. Manchmal dauert es länger, Halt zu finden. Manchmal klettert man an einer glatten Wand und übersieht, dass es gegenüber viel einfacher wäre. Manchmal rutscht man ab und fällt.


Doch wenn man nicht aufgibt, wird man eines Tages die rettenden Kante erreichen und die Welt da draußen sehen, die noch blüht und gedeiht. Und in diesem Moment bemerkt man, dass es das wert war, die Kratzer und der Schweiß auf dem Weg nach oben. Weil es einem unten auf der Erde auch nicht erspart bleibt, aber hier oben vergisst man seine Wunden so schnell, während man den Ausblick genießt.


Weil auf der anderen Seite die Sonne scheint und der Wind weht, weil die Luft klar und die Erde weich ist.
Weil hier die Blumen endlich wieder aufblühen.




(Ich bin übrigens in Ordnung; ich weiß wirklich nicht, wo dieser Fleck herkommt. Irgendein Lollapalooza-Unfall, aber er verblasst schon. Nicht dass jemand denkt, ich hätte mich geprügelt und habe noch ein dazu passendes blaues Auge.)

Kommentare:

  1. Liebes Maramärchen,
    Ja,ja, ja und noch mal ja:) Kann einfach nur zustimmen.
    Und es tut gut deine Worte zu lesen und wie du es siehst, hat was tröstendes, schönes...
    Und ich habe gedacht, du bist einer dieser Regenbogenmenschen, bei denen einfach alles immer 'supi' ist oder es den Anschein hat.^^
    Aber solche Erfahrungen macht wohl leider jeder mal.
    Du bist so positiv, kann ich mir nur als Vorbild nehmen.
    Mhm, ich dachte auch spontan eher an einen heftigen Knutschfleck aber gut...über Umwege dann mehr dazu^^
    Alles Liebe,
    Silver

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    1. Knutschfleck wäre natürlich auch eine Idee, da bin ich gar nicht drauf gekommen! Ich hätte ja einen voll romantischen Text schreiben können zu den Bildern ... wenn ich nicht forever alone wäre. Und zu 80% antiromantisch. Und wenn es nicht einfach nur ein ganz normaler, etwas sehr dunkler Fleck wäre. Sonst hätte ich es wirklich machen können.
      Na supi, ich frage mich gerade, wie viele meiner Instagram-Follower jetzt denken, ich wäre stolz auf einen Knutschfleck, der bloß ein Bluterguss ist.^^
      Ohhhh nein. Ich glaube, wenn man einen Blog hat, auf dem es nicht nur um Fashion, Beauty und Food geht, dann hat man immer noch einen Haufen Probleme, die man verarbeiten muss. Und die Normalo-Fashion-Blogger haben wohl auch welche, nur dass die das vielleicht eher beim Shoppen rauslassen, man weiß es nicht.
      Das freut mich. Also, vieles, generell, danke. Ich glaube, so ganz und gar pessimistisch sein will ich oft einfach nicht. Ich brauche irgendeinen Strohhalm. Mauerritzen. Irgendwas, was mich antreibt. Ich hoffe, sowas findest du auch immer, wenn du es brauchst.

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  2. Wirklich ein sehr wahrer Text. Ich habe nämlich auch erst letztes Jahr die Erfahrung gemacht, dass es manchmal gar nicht so einfach ist manche Menschen hinter sich zu lassen. Oder erst einmal zu entscheiden, dass einem jemand nicht mehr gut tut...

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    1. Schon das Entscheiden ist so schwer, und das dann durch zu ziehen ist noch mal eine ganz andere Liga ... aber ich glaube, sowas müssen die meisten Menschen mal durchmachen. Es verändert sich einfach so viel.
      Danke!

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  3. Wahnsinnig toller Text, Mara! Hatte eine Gänsehaut, du triffst es mit deinen Worten immer genau!
    Es tut mir wahnsinnig leid, dass der Kontakt abgebrochen ist, und eigentlich gibt es dafür auch keine Entschuldigung... ich hatte in den letzten paar Monaten einfach viel um die Ohren, Schule, Freunde, da war keine Zeit für Jimdo und sonstiges... leider. Und jetzt hat die elfte Klasse angefangen und es wird nicht besser, der Stress noch größer, aber davon kannst du ja ein Lied singen, denke ich.
    Ich schaue mich auf jeden Fall jetzt mal auf deiner Jimdo-Page mal um, ob irgendetwas Neues dabei ist ;) Wie geht´s dir denn?
    Hoffentlich bis bald, deine Grace (wenn du noch weißt wer ich bin...) :-)

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    1. Klar weiß ich noch, wer du bist! :) Ich hatte bloß die letzten Tage auch wenig Zeit und habe ganz vergessen, das hier noch Kommentare übrig sind. Ich hoffe mal, morgen komme ich nochmal dazu, dir zu schreiben, im Moment muss ich mich selbst sortieren und wieder ankommen, ich war die letzten Tage mit meinem Umzug nach Berlin beschäftigt und musste erst mal alles einrichten und und und ...Dir zumindest schon mal viel Glück in der Elften - wenn man sich erst mal eingewöhnt hat, ist es eigentlich gar nicht so übel, ich mochte die Sek II.
      Und vielen lieben Dank! :)

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  4. Toller Text, hat mich grade total gefesselt. Es gibt sie doch überall, die Menschen, die einen verletzen und deren Gegenwart einem nicht gut tut, weil man sich klein und hilflos fühlt. Und denen man doch nicht entkommen kann, weil einen die Umstände und das alte feige Ich, dass sich nicht lösen kann und Angst vor neuem hat und das sich immer noch anderen Illusion festhält, dass die Person sich ändern könnte, dazu zwingen. Weil man Angst vor dem Alleinsein hat, vor der Reaktion der Person. Ich hab das mal in einer Freundschaft in der zweiten Klasse erlebt. Und ich hab mich damals auch nicht getraut, einen Schnitt zu machen. Ich war dieser Mensch, der weiterlächelt und mitspielt aus Angst davor, niemanden mehr zu haben auf dem Pausenhof.

    Ich schreib dir mal noch mehr zu dem Thema, ist wirklich sehr tiefgreifend ..
    Komm gut durch die Woche!
    LG Cho

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    1. Und vielen Dank für deine Worte dazu! Ich freue mich immer so sehr über deine Kommentare, das Thema noch mal aus deiner Perspektive zu betrachten - eigentlich sogar traurig, wenn man über sowas schreibt und andere es nur zu gut kennen. Ich hoffe. Ich hoffe, dass es wenigstens bei der Situation in der Grundschule bleibt. Sowas ist wirklich kein Zuckerschlecken.
      Und auch sonst: Danke. <3

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  5. Bin gerade auf deinen Blog gestoßen und finde ihn toll! Deine Fotos und die Texte immer gelungen :)
    Finde mich oft in deinen Worten wieder!

    Ganz liebe Grüße, Viola
    violak.com

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  6. Im ersten Moment dachte ich, dir hätte jemand einen Knutschfleck verpasst ;) Aber auf jeden Fall macht sich der Fleck toll auf den Fotos, die allgemein mal wieder schön geworden sind.Auch der Text ist gut gelungen! Mir geht es auch manchmal so, dass ich Menschen nicht einordnen kann, denke, ich kann ihnen trauen und dann verletzt werde, weil ich nicht vorsichtig genug war. Aber das gehört wohl einfach zum Leben, es gibt ja auch genug Menschen die einen so unterstützen und mögen wie man ist!
    Alles Liebe, Salo

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    1. Daran habe ich gar nicht gedacht, ehe Silver es erwähnt hat - nee, nee, ich doch nicht. :D
      Vielen, vielen Dank. Eigentlich auch schade, dass viele dieses Gefühl kennen, verletzt wurden und es manchmal nicht mal schaffen, sich loszureißen ... ich hoffe zumindest mal für dich, dass du mehr Leute letzterer Sorte kennen lernst - die, die einen verstehen und akzeptieren. :)

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