Sonntag, 6. September 2015

Und draußen der Sturm


»Es sieht nach Gewitter aus«, sagt sie, steht auf und geht. Ich nicke gedankenverloren und schaue für einen Moment aus dem Fenster auf die die dunklen Wolkenberge, die sich in der Ferne zusammentürmen. Die Haustür fällt ins Schloss, ich wende meinen Blick ab.


Die ersten Gewitterlaute sind leise und fern. Ich ignoriere es und arbeite weiter.
Das Unwetter kommt näher. Auf einmal ist das Donnergrollen so laut, dass ich unwillkürlich zusammenzucke. Es klingt unecht, viel zu gewaltig, wie in einem Horrorstreifen. Blitze erhellen für wenige Augenblicke den Himmel, der Wind tost, reißt die ersten gelben Blätter von den Bäumen und zerrt an den ausladenden Ästen der Fichte. Sie schwankt, sie spreizt sich und kämpft.


Dann setzt der Regen ein, nicht langsam, sondern plötzlich und mit voller Wucht. Er prallt gegen die großen Scheiben wie eine Woge, durchmischt mit dem Rauschen des Windes.


Ich eile ans Fenster und sehe hinab. Die Welt beugt sich, wie sie sich vor uns nie beugen wird und das Gras erzittert. Ich frage mich, wie es wohl sein muss, dort draußen zu sein, ohne zu rennen oder einen Regenschirm aufzuspannen. Wie es wohl sein muss, mitten im Sturm zu stehen, ein Teil des Ganzen zu sein, auf die Knie zu fallen und zu versuchen, der Natur zu trotzen.


Aber ich bleibe stehen und spüre nur ein paar winzige Tropfen auf meinen nackten Füßen, die durch das undichte Fenster auf die Dielen gesprenkelt werden.


Wir bleiben stehen.

Kommentare:

  1. Hallo Mara,
    ich muss mich entschuldigen - ich habe auf deinen Kommentar viel zu lange nicht geantwortet und war auch sonst nur stille Leserin - ein Sommertief hat bei mir das Bloggen erreicht und ich klettere gerade raus. Danke auf jeden Fall, hab mich sehr gefreut!
    Der Text ist schön, es ist schon krass, wie Naturgewalten (zu denen ich Gewitter zähle) manchmal plötzlich über einen hereinbrechen und man sich bewusst wird dass man nichts tun kann. Keine Maschine der Welt kann ein Gewitter aufhalten. Und gleichzeitig fasziniert es, die Blitze und Donner, wenn sie den Himmel erzittern lassen. Ich liebe Gewitter, allerdings nur wenn ich zuhause bin und auf dem Sofa sitzend dem Regengeprassel lauschen kann. Das ist dann so eine eigenartige Atmosphäre von Gemütlichkeit, man kann draußen nichts tun und man muss nichts tun, man kann lauschen, lesen und warten.
    Die Bilder passen hammer gut zum Text, bei dem ersten und dritten erinnern mich die Tropfen ein bisschen an Tränen :)
    Ich wünsch dir noch einen tollen Restsonntag!

    Ganz lieber Gruß,
    Cho

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    1. Da musst du dich doch ganz sicher nicht entschuldigen, solche Phasen hat doch jeder mal! Ich im Moment auch ein bisschen, den Text habe ich nicht mal zwingend für den Blog geschrieben. Der entstand einfach so spontan.
      Besser hätte ich es nicht sagen können, genau das fasziniert mich an Gewittern. Vor allem, wenn sich ein Sturm über dem Meer zusammenbraut und wenn Wind und Wasser aufeinander treffen, das ist einfach so aufwühlend (jetzt nicht nur auf das Meer bezogen, obwohl das auch ganz gut passt). Man fühlt sich auf einmal so klein ...
      Vielen, vielen Dank für deine Worte! :)

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  2. Liebe Mara,
    was für ein wunderbarer Text&stilvolle Bilder- eine schöne Hommage an eine meiner liebsten Naturgewalten, Gewitter sind bedrohlich und faszinierend zugleich.
    Das letzte Bild finde ich superschön.
    Bis bald,
    Silver^^

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    1. Viiiielen Dank, Silverlein.
      Gewitter passen zu dir, und das ist positiv gemeint. Nicht so, dass du sehr aufbrausend wärst oder einschüchternd (davon wüsste ich zumindest nichts), ich meine eher das Gefühl, das ein Gewitter verursacht. Die Faszination, die Stille danach, die feuchte Luft und - natürlich - der Nebel am nächsten Tag.

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  3. Wirklich ein toller Post und schöne Bilder! :) Gefällt mir sehr gut!

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  4. Du faszinierst mich wirklich jedes Mal mit deinem Talent fürs Schreiben! Echt richtig klasse!!! :)

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  5. Sehr schöner Text, der wunderbar zu diesen tollen Bildern passt!
    Liebst, Mara von Maravilla

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  6. Mal wieder richtig tolle Gedanken und ganz besondere Fotos. Ich frage mich wirklich, wie du das immer schaffst, diese ganz besondere Atmosphäre auf deinem Blog zu erzeugen.
    Jetzt kommt ja sowieso die Zeit der Herbststürme, da werden wir wohl gezwungen sein, den ein oder anderen zu beobachten.
    Danke auch für dein Kommentar. Deine Santorini-Geschichte hat mich echt zum schmunzeln gebracht :D
    Alles Liebe, Salo

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    1. Vielen, vielen Dank Salo! <3 Ich wusste nicht mal so wirklich, dass ich es schaffe, aber wenn es so ist, dann freut es mich sehr. Ja, vermutlich steht uns noch das ein oder andere Gewitter bevor - hoffentlich genau so faszinierend und hoffentlich gerate ich nicht hinein, wenn ich gerade doch eigentlich nur zur Bahn hasten wollte. In solchen Momenten verliert es ein bisschen an Schönheit.
      Irgendwie dachte ich mir, dass die ein bisschen skurril klingen könnte. :D

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