Dienstag, 29. September 2015

Wer man sein wollte


Ingenting er enklere enn å finne feil ved andre.

Das ist einer der Sätze aus meiner Norwegisch-App, die mir andauernd durch den Kopf gehen. Ohne einen bestimmten Grund. Da wären auch noch solche wie »Sieg und Niederlage hängen nicht von der Größe deines Heeres ab« oder »Ich habe mich verlaufen«, aber das sind wieder andere Geschichten.

Nichts ist leichter zu erkennen als die Fehler anderer.


Und das stimmt, traurigerweise. Es ist oft sogar einfacher, als all die Dinge zu sehen, die diese Fehler wieder aufwiegen. Weil man manchmal keine Lust hat auf ein fröhliches Menschenbild, weil man einige Leute einfach nicht mögen will, oder weil das sowieso viel netter ist, als sich mit den eigenen Ecken und Kanten auseinanderzusetzen.

Bis zu dem Tag, an dem man sie dann mal ins Gesicht geschleudert bekommt. Im besten Fall nur, weil dein Gegenüber lobend anerkennen möchte, dass du dich gebessert hast und dir deine schlechten Angewohnheiten von damals bloß nochmal als Vergleich präsentiert, aber angenehm ist das trotzdem nicht.

Einmal, weil es verletzt, zu hören, wie schlecht über einen gedacht wurde. Auch wenn es inzwischen vorbei ist – will man wirklich wissen, dass Personen, denen man sehr nahe steht, sich manchmal gewünscht haben, dass man bald wieder verschwindet? Dass sie sich gefragt haben, warum sie überhaupt noch Zeit und Geld investieren? Dass sie abends, still und heimlich, abwertend über einen geredet haben? Das rückt diese Zeiten nicht zwingend in ein schöneres Licht.

Und außerdem frage ich mich, wer wohl noch nicht so weit ist, solche Fehler anzusprechen. Wer immer noch hinter meinem Rücken redet, worüber, mit wem.


Und ich wüsste gern, was ich dagegen tun kann, ob ich es kann, ob ich es überhaupt will. Was davon ist Kritik, die ich mir zu Herzen nehmen sollte und was sind nur giftige Worte von Leuten, die aus mir eine Person machen wollen, die nicht in meine eigene Welt passt? Wo liegt die Balance zwischen Bauchgefühl, Verstand und der Meinung anderer Leute, die mich aus einer anderen Perspektive sehen?

Ja klar, dann kommt immer dieses »Sei so, wie du bist, nur für dich, nicht für andere Leute«, aber dann wären wir am Ende vielleicht alle arrogante Egoisten und ich habe Angst, so einer zu werden, so einer zu sein. Je öfter man auf anderen Leuten rumhackt, umso häufiger könnte man sich wohl selbst mal an den Pranger stellen und überlegen, wer man eigentlich sein wollte und wer man bis jetzt ist.


Denn nichts ist leichter zu verkennen als die eigenen Fehler.

Kommentare:

  1. Maraaa:)
    Ich bin unheimlich, was;)?
    Du bringst Dinge wieder mal auf den Punkt.
    Allerdings finde ich die Einstellung nicht so verkehrt, zu sagen, kommst du oder du mit mir nicht klar, kann ich es nicht ändern.
    Das macht einem nicht gleich zum Egoisten, das hat auch viel mit Selbstschutz zu tun.
    Denn selbstverständlich macht man sich Gedanken, wie ich dir mal schrieb, was habe ich nun wieder in den Augen anderer 'falsch' gemacht?
    Darüber zerbricht man sich den Kopf und bringt einem nichts, mir zumindest nicht.
    Klar ist es einfach, die Fehler nur bei anderen zu sehen, bringt aber genauso wenig.
    Eine gesunde Balance wäre wirklich gut.
    Im Alltag sowieso aber auch privat, bis zu einem gewissen Grad, so, dass man sich nicht verbiegt.
    Aber selbst das schützt einen nicht, dafür sind wir alle Menschen, unterschiedlich, verschieden, anders...
    Einen perfekten Charakter gibt es nicht, es gibt nicht DIE Lösung, denke ich, leider^^
    Mal zuerst bei sich schauen ist erstmal gut aber manchmal kann man trotzdem nicht sagen, warum man nun schon wieder zur Zielscheibe geworden ist, warum gelästert, geätzt, was weiß ich, wird.
    Ich glaube, irgendwann riecht man es, ob etwas ehrliche Kritik oder böses Blut ist.
    Aber ich fürchte auch, dass man wohl nie auslernt;)
    Ich wünsche dir das Allerbeste,
    da in deiner neuen Heimat und auch sonst.
    Entschuldige den langen Eintrag, du merkst, sowas beschäftigt mich.
    Alles Liebe,
    bis bald,
    Silver^^

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    1. Ach Silver, ich weiß nicht, was ich noch mit dir machen soll. Ich glaube, ich schreibe dir einfach gleich eine Mail und verzichte darauf, dir jemals wieder Bescheid zu sagen, weil du entweder doch heimlich Bloglovin' benutzt oder mein Blog deine alternative Startseite ist. Irgendwie so. :D
      Und das Problem ist, dass niemand ohne zu schwanken übers Seil läuft, man verliert einfach immer die Balance. Klar will man sich nicht verbiegen lassen, aber ganz gleichgültig sein auch nicht, und dann kippt man mal auf die eine Seite, mal auf die andere, kommt natürlich auch auf die Perspektive der Personen an ... Und stimmt, das ist ziemlich treffend. Ein perfekter Charakter funktioniert einfach nicht, nicht für alle. Und es gibt immer diese Leute, die sich am liebsten auf die Schwachen stürzen, oder auf alles, was nicht so ist wie sie selbst. Ob jetzt Nebelgestalten oder Farnmädchen oder was weiß ich.
      Ja, leider. Und ehrliche Kritik ist leider irgendwie weitaus schlimmer.
      Ich mag lange Einträge! Mag ich lieber als "Schöne Bilder, schau mal bei mir vorbei [link]", und deine Kommnetare mag ich sowieso immer, egal ob kurz oder lang, vor allem, wenn es dich beschäftigt. Da kommt eben viel bei raus, ist doch schön! Und danke! :)

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  2. Ich finde sowohl die Bilder, als auch den Text unglaublich gut. Und du hast so Recht, meistens oder eigentlich fast immer sieht man immer nur die Fehler der Anderen und man selbst erkennt seine eigenen Fehler erst viel zu spät oder reagiert genervt, wenn jemand einen darauf hinweist. Ich versuche mir das momentan abzutrainieren. :D

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    1. Vielen Dank! :) Mir hat's ziemlich geholfen, mal so drüber nachzudenken, aber ich hoffe mal, ich kann es dann auch befolgen. Da ist was dran an diesem Sprichwort, ich glaube, es geht wirklich den meisten so - und leider fällt es denen am wenigstens auf, bei denen es am offensichtlichsten ist. Viel Glück beim Abtrainieren! :D

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  3. Tolle, tolle Worte! Mir fällt dazu die Stelle aus der dem Evangelium ein, wo Jesus dazu auffordert zu erst den Balken aus dem eigenen Augen zu ziehen, ehe man seinen Nächsten auf den Splitter in den seinem auch nur hin weißt. Bevor man jemand anderen kritisiert, sollte man stehts überlegen, wie es denn wäre, wenn einem selbst das Missgeschick, oder die Fehlentscheidung unterlaufen wäre. Danke für deinen so tollen und langen Kommentar! Das Zitat find auch ich eindrucksvoll und habe es mir gestern immer und immer wieder durch den Kopf gehen lassen. Dass ich wohl eher nicht in München bauen werde, ist sogar Tatsache, haha ;)

    Allerbeste Grüße und einen tollen Tag wünsche ich dir!

    mtrjschk.blogspot.com

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    1. Die bildliche Vorstellung dieser Geschichte jagt mir zwar gerade Schauer über den Rücken, aber stimmt. Ich fürchte, ich stimme zwar nicht mit allem überein, was in der Bibel steht, aber es gibt so einige Stellen, die ich am liebsten an die Wände plakatieren würden, unter anderem die hier. Man zeigt viel zu schnell mit dem Finger auf andere.
      Es gibt "Klassiker", bei denen ich einfach nicht verstehen will, warum es welche sind, aber Hesse mag ich wirklich, da habe ich mir ziemlich viele Zitate rausgeschrieben.
      Aaaaber man muss ja den teuersten Vergleich heranziehen, ne? Warum nicht gleich eine Villa in Zehlendorf? Dann kann er dir noch lakonischer Glück beim Sparen wünschen. :D

      Danke für deine Worte! :)

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  4. Schön geschrieben. Ich glaube aber, dass kein Mensch perfekt mit einem anderen auskommt.
    Vielleicht haben wir jeder eine andere Oberfläche, der eine reibt sich an der Stelle, der andere wiederum ist wunderbar daran angepasst. Und du hast natürlich schon recht, wenn du sagst, dass man die eigenen Fehler nur zu leicht verkennt. Der andere ist schuld, ich bin nun mal so, ich kann nicht aus meiner Haut. Manchmal kann man ja doch.
    Was von den Vorwürfen ernsthafte Kritik ist, musst du wohl selbst entscheiden und abwägen. Wie viel davon wirklich dein falsches Verhalten war. Wie viel davon du hättest anders machen können. Und an welchem Punkt ganz einfach die andere Person oder die Umstände schuld waren. Man kann es nicht jedem Recht machen.

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    1. Auch schön geschrieben. :) Ich mag den Vergleich. Irgendwie scheint's generell Menschen zu geben, die ziemlich gut gepanzert sind, andere verstecken sich wie Einsiedlerkrebse, um nicht so verwundbar zu sein - obwohl das wahrscheinlich auch nur den Anschein hat.
      Wenn das nur nicht manchmal so schwer wäre ... aber um die Entscheidung kommt man leider nicht rum und es sind tatsächlich nie alle glücklich. Aber man kann versuchen, zu lernen und es besser zu machen, immerhin.

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  5. Zitat: "Was davon ist Kritik, die ich mir zu Herzen nehmen sollte und was sind nur giftige Worte von Leuten, die aus mir eine Person machen wollen, die nicht in meine eigene Welt passt?"

    Ja, genau. Das ist immer dieses Riesenproblem. Wann muss es wehtun und wann darf ich es abprallen lassen? Wer ist mir so wichtig, dass ich auf ihn höre und auf wessen Worte kann ich mich verlassen? Wie viel Ich darf sein? Ich kämpfe immer wieder, gerade wenn ich Lob und Kritik von anderen zu meinem Verhalten bekommen, wenn andere Leute sich reihenweise über mein Verhalten hermachen und dabei aber alle gemeinsam auf mich, dass es eigentlich auch fast wieder fragwürdig und für mich verletzend ist. Dass ich es nicht mehr einsehen will, nicht, weil ich nicht begreife, dass mein Verhalten falsch ist, sondern weil die Art und Weise, wie ich darauf angesprochen werde, für mich erniedrigend ist.

    Ich habe oft die Situation, von Menschen, die einem unsympathisch sind, Ratschläge zu bekommen, die ins schwarze sind, die Wahrheit, Dinge, die ich selbst längst ändern wollte und an denen ich längst arbeiten wollte. Und dann bekomme ich Kritik, der ich ich stellen will und bin hin- und hergerissen, das ganze zu ignorieren, demonstrativ meine Schwäche auszuleben oder der Person Recht zu geben, selbst wenn ich sie nicht leiden kann.

    Manchmal wird man von jemandem für besseres Verhalten gelobt, weiß, dass es die Wahrheit ist, während einem aber gleichzeitig Dinge einfallen, die der andere falsch macht.

    Oder ich werde für Dinge gelobt, auf die ich alles andere als stolz bin. Da weiß ich absolut gar nicht, wie ich darauf eingehen soll. Aha, so ist das also. Ich fühle mich deswegen so überhaupt nicht toll.

    Am liebsten würde ich manchmal anderen nur ganz kurz meine Gedanken offenlegen, nur damit sie endlich begreifen, warum ich so denke, und dass ich nicht bloß so seelisch linkisch bin und mir bloß die Worte fehlen es mündlich zu beschreiben, weil die einfache Art, mit der sie ihre Welt in Worte fassen, einfach nicht genügt und zu ungenau ist. Auch wenn sie damit trotzdem Wahrheiten aussprechen und ins schwarze treffen können, häufiger als ich, weil ich alle meine Gedanken in endlosen Knoten ineinander verwirre.

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    1. Erst mal vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, das alles zu schreiben! Im Gegensatz zu mir, die ich drei Tage gebraucht habe, um mal eine Antwort zu verfassen.

      Ich finde es auch spannend, dass du Lob auch miteinbeziehst - das habe ich im Post vergessen, aber das stimmt, selbst das kann manchmal irreführend sein. Es passiert mir in letzter Zeit häufiger, dass ich manchmal einfach sagen möchte, dass ich davon jetzt nichts mehr hören will, weil es zu viel wird. Auch wenn das jetzt irgendwie arrogant klingt, aber ich weiß ganz genau, dass ich ein paar unschöne Eigenschaften habe und ich will nicht, dass jemand jedes Mal die Schokoladenseite bewundert und alles andere darüber vergisst. Das ist unangenehm, vor allem, wenn man auch noch überschätzt wird und das alles so schnell wie möglich runterspielen will.

      Und es kommt leider wirklich immer darauf an, von wem es kommt, gerade bei Leuten, die man nicht mag, ist man eher geneigt, schon aus Protest nicht auf sie zu hören. Obwohl man es besser weiß.

      Oh ja, oh ja. Wir haben alle einen so unterschiedlichen Horizont, so verschiedene Ansichten, dass man manchen Leuten einfach nicht zeigen kann, was man meint, wie man denkt. Gerade wenn es um sowas geht; Fehler, Selbstkritik, die Meinung anderer über einen ... beim Schreiben dieses Posts bin ich teilweise nicht vorangekommen, weil ich nicht wusste, wie ich einige Dinge überhaupt ausdrücken soll. Verwirrendes Thema.

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    2. Vielleicht, weil man nicht weiß, ob es eigentlich hilfreich ist, darüber nachzudenken. Viele Menschen sind so gar nicht selbstkritisch und glücklich damit, andererseits denken sie nicht über die Fehler nach, von denen wir sowieso Probleme haben, sie unter Kontrolle zu halten.
      Dass man selbst wenn man drüber nachdenkt, trotzdem von selbst nie auf einige Fehler kimmt, obwohl man sofort weiß, was gemeint ist, sobald man einmal darauf gekommen ist. :-/

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