Donnerstag, 8. Oktober 2015

Lauter reden, lächeln, ein paar Worte wechseln


Der September war dieses Jahr ein seltsamer Monat. Nicht nur in meine wirklichen Leben, auch auf dem Blog – der mein Leben ja auch irgendwie widerspiegelt. Keine wirklich klaren Statements, Metapherlabyrinthe, Schmerz, Verwirrung, Entscheidung und Ehrfurcht.
Dieser Monat der Ruhe vor dem Sturm, in dem die Wellen sich schon kräuseln und man langsam aufgeregt wird.


Um also mal ohne unnötig viele sprachliche Mittel und nicht nur als Randnotiz zu erklären, wo das herkommt: ich bin vor knapp zwei Wochen umgezogen, um zu studieren.

Im Moment hocke ich in meinem winzigen, sehr weiß geratenen Zimmer in Berlin und fühle mich schon fast damit überfordert, meinen ganz eigenen Einkaufszettel zu basteln (außerdem habe ich das Volumen eines Jutebeutels überschätzt, muss ich wohl irgendwann nochmal in den Supermarkt). Das Lustige daran ist: ich wollte eigentlich nie nach Berlin. Ich war immer ein glückliches Landkind, hab darüber nachgedacht, in einem gemütlichen Städtchen am Meer zu studieren, aber dann wurde es irgendwie doch die Hauptstadt. Immerhin wohne ich in einer ziemlich ruhigen Gegend, bei mehr oder weniger ruhigen Leuten (Familienanschluss mit fröhlich-lauten Kindern, damit komme ich wunderbar klar) und genieße es, nicht von Bussen abhängig zu sein, die bloß einmal die Stunde fahren.

Im Moment bin ich dabei, die letzten Einführungsveranstaltungen abzuklappern und und mein Verständnislevel liegt zwischen »gar nicht« und »das Wichtigste«, also kann ich euch bloß mitteilen, dass ich ab nächster Woche Deutsche Literatur und Englisch an der Humboldt-Universität zu Berlin studieren werde. Wie genau ich das zu tun gedenken, weiß ich noch nicht, aber ich bin ganz optimistisch. Ist ja nicht so, als würde ich immer, wenn ich Unterlagen einsende, mindestens ein Dokument vergessen und mein Orientierungssinn basiert ganz bestimmt nicht auf Google Maps. Nö.
[Da dieser Post stückchenweise entsteht, kann ich inzwischen sogar von mir behaupten, dass ich mich einigermaßen zurechtfinde. Mehr zu erzählen gibt's trotzdem nicht.]



Meine Sammlung an Kuscheltieren ist noch immer so enorm, dass ich mich spontan für weiß und flauschig entschieden habe. Geht immer.


Ich glaube, ich wollte seit drei Jahren einen Spiegel im Zimmer haben und habe mich immer darauf vertröstet, dass ich ja eh bald umziehe. Das war eigentlich auch bei allen anderen Einrichtungsgegenständen so: Mein altes Zimmer sieht heute nicht wirklich anders aus als vor zwölf Jahren.


Schmetterlinge sind was Feines, vor allem, wenn man sie so nett drehen kann. Ein Gastgeschenk aus Michigan.


Ist übrigens nicht so, als ob ich aus meinem Fenster in der Ferne den Fernsehturm erspähen könnte oder so. Da ist bloß ein Balkon mit bunten Lampions.


Und das meine ich mit ruhiger Gegend. Wenn man nach links geht, hört man die Spatzen zwitschern,


und rechts gibt es ... eine Straße. Und was zum Einkaufen. Irgendwie lustig, dass in den WG-Anzeigen immer steht »Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe« – ich suche noch nach dieser einen bezahlbaren Wohnung in Berlin, in deren Nähe es keinen Supermarkt gibt (wenn sie nicht gerade gaaanz weit draußen ist).


Vielleicht erklärt das meine momentane Gefühlslage. Ich freue mich sehr aufs Studium, aber wenn ich mich daran erinnere, wie lange ich gebraucht habe, um mich am Gymnasium einzugewöhnen, bin ich immer wieder ein bisschen verunsichert. Natürlich bin ich inzwischen nicht mehr so introvertiert wie vor sechs Jahren, aber wie das mit mir und auf-Menschen-zugehen in der nächsten Zeit klappt, muss ich erst mal ausprobieren. Ich kann ja nicht darauf vertrauen, dass ich jedes Mal zufällig neben einem netten Menschen sitze, der mir spontan alles erklärt, so schön das auch wäre.

Und an dem vielen organisatorischen Kram werde ich mir sicher auch noch die Zähne ausbeißen; als gestern andauernd betont wurde, dass man beim Kombi-Bachelor natürlich alles doppelt machen muss, wurde mir nicht gerade warm ums Herz. Bis jetzt finde ich es zwar irgendwie noch spannend, am Stundenplan zu basteln, aber wer weiß, wie schnell das vergeht, wenn mir erst mal angezeigt wird, dass ein paar Termine nicht passen und alles wieder auseinander fliegt.

Aber irgendwie bin ich im Moment ganz optimistisch, weil an diesem salbungsvollen »jetzt beginnt einer neuer Lebensabschnitt« ja doch was dran ist, und den habe ich dringend gebraucht. Klar ist das was ganz Anderes, klar muss ich mir viel Zeit nehmen und zwar bewusst – da sind jetzt nicht mehr besonders viele Leute, die hinter mir stehen und mir sagen, dass ich endlich aufhören soll, alles aufzuschieben.
Aber das ist immerhin der Zeitpunkt, um nochmal anzufangen. Lauter reden, lächeln, ein paar Worte wechseln und weiter gehen, durch die Straßen laufen, als wäre nichts dabei und es ist doch so viel. Lernen und über sich selbst hinauswachsen.
Und das ist nur ein Bruchteil der Dinge, die ich kaum erwarten kann.

Kommentare:

  1. Liebes Märchen,
    ich mag ja deine Metaphern aber du schaffst es locker auch aus 'normalen' Worten einen tollen Post zu machen^^
    Und natürlich deinen Bildern..dein Zimmerchen wirkt gar nicht so klein, schöne Details und so..
    Ich bin noch immer ganz eingeschüchtert- Deutsche Literatur und Englisch, Silver verzweifelt noch immer an der das/dass-Regel, haha.
    Glückwunsch und Respekt!
    Und viel Erfolg!
    Jaa, der September, es heißt ja nicht umsonst 'wake me up when September ends', das ist so ein Monat, der eigentlich überflüssig ist, ähnlich wie der Februar. Kann man getrost verpennen, diesen Monat:)
    Und so Wohnungsannoncen, da kann man echt Spaß haben.
    'Gute Verkehrsanbindung': da liegt dein Schlafzimmer direkt an der Autobahn oder vorm Küchenfenster befindet sich eine Bushaltestelle, jaja, die von 5 verschiedenen Buslinien angefahren wird, und dem Nachtbus auch. Jej.
    Oder der Vermieter denkt, wenn man nur in der Ferne die Bahn vorbeiziehen sieht, fällt das auch unter 'gute Verkehrsanbindung'. Das du erstmal 25 Minuten zum Bahnhof laufen musst, ohne Alternative, das blendet er einfach aus:)
    Du packst das schon, irgendwann brauchst du auch bestimmt kein Maps mehr, um dich an der Uni nicht zu verlaufen^^
    Und Jutebeutel ist nicht gleich Jutebeutel, einige sind unglaubliche Platzwunder.
    Ach, das klingt so spannend und ich wünsche dir ganz viel Spaß da und das du nette Leute findest, die dir gern alles erklären oder mit dir zusammen ahnungslos sind.
    Ich wäre ja hoffnungslos verloren und überfordert.
    Aber Märchen schaffen das^^
    Englisch?
    Fairytale, I wish you what,
    sincerely (eine Sache muss ja wenigstens stimmen),
    Silver^^

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    1. Danke, Silberlein! :)
      Na gut, dadurch, dass man nur Details sieht, sieht man natürlich auch nicht, wie groß es ist, aber es ist wirklich sehr in Ordnung, ich mag's.
      Du, ich bin auch eingeschüchtert von diesen Menschen, die Englisch wie ihre zweite Muttersprache sprechen. o.o Und ich bin tatsächlich in einem Public Speaking-Kurs und muss ein Referat halten. Wird sicher sehr lustig. Oder halt nicht.
      Dass ich da nicht drauf gekommen bin! So ein paar zusätzliche Energiereserven hätten mir auch echt gut getan für den Oktober.
      Das ist doch definitiv mein Traum, den S-Bahnen zuzuschauen muss wundervoll sein! Und immer dieses beruhigende Rattern! ^^
      Langsam wird's, obwohl ich heute mal wieder eine Weile nach einem Gebäude gesucht habe, es gibt verdammt viele Häusels, die da alle so verstreut sind... aber immerhin bin ich immer auf dem gleichen Campus, pendeln wäre echt doof.
      Ich bin inzwischen dazu übergegangen, immer stückchenweise einzukaufen, hier zwei Brötchen und Müsli, da mal 'ne Milch, auch gut.
      Fabelhafte Leutels gibt's hier! Was ja schon mal mindestens das halbe Studium ausmacht. :D Märchen ist noch nicht forever alone, hoffentlich schaffe ich es auch in Zukunft nicht.
      Much thanks, Silverly! ^^ Best regards!

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  2. ich wünsch dir alles gute für dein studium! und vor allem auch ganz viele liebe menschen :) du packst das schon♥

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    1. Danke dir! <3 Wie das Studium in der nächsten Zeit wird, weiß ich noch nicht, aber das mit den Menschen stimmt zumindest schon mal. :)

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  3. ich denke am anfang ist jeder irgendwie ein bisschen (sehr) überfordert mit dem ganzen neuen. daran muss man sich eben erst gewöhnen und das dauert seine zeit :D ich bin mir sicher, dass auch du deinen platz dort finden wirst! ich wünsch dir einen schönen studienanfang (auch wenn es schon irgendwie angefangen hat) :D :)

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    1. Stimmt, das ist wirklich immer so - aber es hat natürlich auch seinen Reiz. Vielen Dank! :)
      So richtig angefangen hat es tatsächlich erst heute, erste Seminare und alles ... obwohl ja jetzt größtenteils auch erstmal nur nur Einführungsgenudel kommt. Der ein hat tatsächlich nur eine Viertelstunde das Wichtigste erzählt und uns dann entlassen. :D

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  4. die impressionen von deinem zimmer sehen übrigens toll aus!

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  5. Ich wünsche dir alles beste für dein Studium, dass du alles bewältigen wirst und dass es dir auch gefallen wird. <3

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    1. Vielen, vielen Dank! :) Bis jetzt tut es da, ich hoffe mal, so bleibt es auch und ich kriege das auf die Reihe.

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  6. Die Eindrücke aus deinem Zimmer gefallen mir sehr, ich wünsche dir viel Erfolg für dein Studium :)

    Ich wünsche dir einen schönen Abend, du leistest gute Arbeit mit deinem Blog du hast jetzt einen Follower mehr. Liebe Grüße - Geena Samantha
    http://mintcandy-apple.blogspot.de

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    1. Dankeschön für beides! <3
      Oder eigentlich sogar für alle drei Dinge. (:

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  7. Meine Eltern haben mich immer damit vertröstet. Ja, dann bist du doch fünfzehn und dann gefällt's dir eh nicht mehr. Ja, dann gehst du doch studieren und dann brauchst du's nicht mehr (während meine Mutter gleichzeitig möchte, dass ich in der Nähe studieren gehe, damit ich nicht ausziehen muss. Als ob! Selbst wenn, würde ich ausziehen. Nicht gerade befriedigend)
    Wobei ich ja trotzdem immer wieder neue Einrichtungsgegenstände habe, bloß eine Grunderneuerung (und ein Ausmisten...) finden einfach nicht statt. Na dann. Wenn ich mal 'ne eigene Wohnung habe... :D

    Literatur und Englisch. Kann man an der Humboldt Universität eigentlich auch was naturwissenschaftliches studieren? Würde ich einfach rein vom Namen her erwarten. Na dann. Ich mach erst mal Abi...

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    1. Tja, und ich hab's einfach von mir aus sein gelassen und bin dafür jetzt ganz glücklich mit meinem Zimmer, obwohl mein altes wirklich ein bisschen unglücklich zusammengewürfelt ist ... aber gemütlich. Ich hab eigentlich echt gar nichts geändert. :D Ich finde, das ist irgendwie auch so ein Schritt zu Selbstständigkeit - ich meine, klar, ich kenne jetzt ein paar Leute, die hier studieren und sowieso aus Berlin kommen, da finde ich es eigentlich auch in Ordnung und es ist ja fast ein Luxus, dass die sich da Zeit lassen können, bis sich vielleicht mal was ergibt. Aber ich wollte echt gern aus meiner Kleinstadt raus für's Studium, pendeln hätte auch viel zu lang gedauert.

      Klar, das ist so eine Massenuni, hier gibt's gefühlt fast alles.^^Sogar drei verschiedene Studienfächer für Deutsch: Deutsche Literatur, Germanistische Linguistik und das Zwischending daraus, Deutsch. Für Naturwissenschaften gibt es im Südosten irgendwo noch einen Campus, wo das Meiste untergebracht ist, aber da war ich noch nie, ich kenne sowieso hauptsächlich die Geisteswissenschaftler, die hier bei mir rumlaufen.

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    2. Naja, mein Schreibtisch war damals aber wirklich viel zu klein für mich :D
      Ich würde mir extra was woanders suchen. Meine Mutter hat wohl vor, mich zu behalten, bis ich unter der Haube bin, aber ich glaube DAS halte ich sicher nicht aus...

      Naja, ich dachte mir bloß: Alexander Humboldt war jetzt nicht bekannt dafür, dass er große Literaturgeschichte geschrieben hat :D

      Ich glaube, meine Mutter hat damals Deutsch studiert. Wobei das bei ihr auch Germanistik hieß.

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