Mittwoch, 28. Oktober 2015

Vielleicht ist das zu Hause.


»'cause they say home is where your heart is set in stone,
Is where you go when you're alone,
Is where you go to rest your bones.
It's not just where you lay your head,
It's not just where you make your bed,
As long as we're together, does it matter where we go?«
Gabrielle Aplin, Home



Es gibt so unfassbar viele Home-Lieder, dass ich selbst die, die sich in meinen Playlists befinden, nicht mehr alle aufzählen kann. Von Menschen, die nach Hause kommen; die danach suchen; die nicht wissen, wie sie zurückkehren können; die gerufen werden; die sich ein Heim aufbauen.
Wenig von denen, die schon da sind – zu Hause-Sein ist eines dieser Dingen, die man schnell für viel zu selbstverständlich hält.

Und ich könnte nicht sagen, dass es ein Lied gibt, das ganz genau in Worte fasst, was gerade von Zeit zu Zeit in meinem Kopf kursiert. Vielleicht schreibe ich es noch, eines Tages.


Ich habe nie zu den Leuten gehört, die schnell Heimweh bekommen. Ich war begeistert von der Welt da draußen, immer wieder, und bin es immer noch, auch wenn ich erst so wenig von all dem gesehen habe. Nie viele Gedanken an Planung verschwendet, morgens den Koffer gepackt und losgestürmt, wird schon irgendwie fabelhaft werden. Und das war es auch immer, trotz einiger fehlender Dinge und eher spontan zusammengewürfelter Outfits.

Und jetzt habe ich fast alles mitgenommen, bin länger geblieben als sonst und verstehe nicht so ganz, was passiert.
An wie vielen Orten kann man gleichzeitig zu Hause sein? Und was ist das?


Meine Schwester hat mir von diesem einen Menschen erzählt, der ihr das Gefühl gibt, endlich angekommen zu sein. Also sind es die Leute um mich herum? Oder doch diese Momente, in denen man eine Straße herunter läuft, die man in- und auswendig kennt, versteckte Abkürzungen benutzt und ganz genau weiß, wohin man geht? Sind es die Orte, die man immer wieder aufsucht, diese eine Stelle auf der Mauer am Fluss oder mein Bett?


Ich vermisse meine Stadt. Nicht so sehr, dass es mich traurig macht, aber ich werde ein bisschen wehmütig, wenn ich daran denke, dass gerade in diesem Moment draußen im Garten die Blätter vom Apfelbaum zu Boden segeln und ich es nicht sehen kann. Es ist nicht so, dass ich oft zu den Seen gegangen bin, aber sie waren immer da und ich mochte diese stillen Momente, wenn die Abendsonne hinter den Bäumen am anderen Ufer versank oder wenn sie am nächsten Morgen hellgolden hinter den Wipfeln auf der anderen Seite hervorlugte. Und ich bin vielleicht auch zu selten singend durch den Wald und über die Wiesen gelaufen, ganz für mich.

Das ist hier nicht so. Die Stadt ist so laut, dass ich manchmal ein bisschen leiser werde, weil ich nie allein bin und an anderen Tagen laut mitlache. Und das ist gar nicht schlimm – bloß anders.


Es gibt Dinge, über die ich mir viel zu viele Gedanken mache; wenn ich Kopfmensch bleibe, obwohl das Herzsache ist. Im Leben lösen sich so viele Probleme von selbst und nichts ist endgültig. ›Das hat alles Zeit‹, sage ich mir, ›so lange, bis ich mir sicher bin oder bis das Leben mich in diese oder jene Richtung schubst. Solche Dinge passieren einfach. Irgendwann.‹

Obwohl ich das vorhin in der Bahn zu einem ganz anderem Thema geschrieben habe – es passt. Man kann es nicht erzwingen oder von anderen Leuten lernen, und es hilft auch nicht, sich den Kopf zu zerbrechen. Irgendwo ist es, dieses »Home«; vielleicht bemerkt man nicht mal, wann man angekommen ist, vielleicht macht es nie so richtig klick. Vielleicht kann man eines Tages sagen, dass man ganz und gar zu Hause ist.

Vielleicht muss ich das jetzt noch gar nicht wissen.

Kommentare:

  1. Ein wunderschöner Post! Ich frag mich manchmal auch was für mich zuhause bedeutet.. klar, ich wohne immer noch zuhause, bei meinen Eltern, fahre abends nach Hause, kuschel mich in meine Bett - zuhause.. aber manchmal fühl ich mich auch woanders zuhause - bei Freunden, wenn ich die Haustür einfach öffne, auf dem Sofa liege, mir Essen aus dem Kühlschrank hole... oder wenn ich mit meinen Freunden, Menschen, die ich liebe unterwegs bin, iwo auf der Welt im Meer bade.. das ist auch iwie Heimat..

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    1. Eben - man muss nicht mal unbedingt ausziehen, um sich hin und her gerissen zu fühlen. Irgendwann im Laufe des Lebens lernt man so viele Orte und Leute kennen, dass man das nicht mehr wirklich differenzieren kann ...
      Am Meer fühle ich mich irgendwie auch immer zu Hause, obwohl ich nie dort gelebt habe. Ich bin dort einfach glücklich!

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  2. Liebe Märchenmara,
    da hast du wieder einen wunderschönen Text geschrieben, der einen auch noch zum Nachdenken bringt.
    Das Lied ist übrigens auch sehr schön.
    Sonntagnachmittag, draußen tobt ein Herbststürmchen, man gammelt eingemummelt auf der Couch rum und hört Miss Aplin, das ist auch ein 'zuhause' Gefühl..
    Ja, vielleicht ist es von allem, was du beschrieben hast, etwas, um sich wirklich zuhause oder gar angekommen zu fühlen, behaglich, sicher, aufgehoben, angekommen..ein Ort, eine Straße, Menschen oder nur ein bestimmter.
    Es gibt ja Menschen, so kleine Weltenbummler, die sich schnell irgendwo und überall wohl fühlen aber vielleicht haben sie auch ihr Zuhause noch nicht gefunden.
    Den Ort gibt's eben nicht mal eben bei Ikea, den konnte ich mir nicht verkneifen^^
    Wunderbar, Mara, vielleicht bummelst du erst noch ein bisschen durch die Welt, wer weiß, wo du letztendlich dieses Gefühl von Zuhause findest.
    Vielleicht ist es aber doch der See, der Wald und der Apfelbaum, wer weiß?
    Klasse Post und langer comment as usual
    Silver^^

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    1. Erst mal, wie immer, vollkommen abgestumpft und trotzdem ernst gemeint: Danke!
      Gabrielle Aplin - was soll man machen? Ich werde auf diesem Blog noch ihre komplette Discografie unterbringen, fürchte ich.^^ Und das stimmt, demnächst hocke ich mich einfach hier ans Fenster, höre "November" an und stelle mir vor, sie würde nicht English rain, sondern Berlin rain singen.
      Ach Silberlein - wenn nicht mal IKEA Bescheid weiß, wer dann?^^ Wahrscheinlich gibt es so viele Dinge, die dazu beitragen, die ich gar nicht kenne. Und wenn ich "The Road is Home" lese, dann frage ich mich immer, ob sie das wirklich ist oder nur ein langer gewundener Weg dahin. Mal schauen, wo ich noch so lang wandere, die meisten Straßen hier sind ziemlich gerade, aber auch in Berlin finden sich Trampelpfade im Wald.
      Und ich glaube, Seen und das Meer sind irgendwie sowieso immer zu Hause. Gut, vielleicht nicht gerade das völlig überfüllte Wannseeufer, aber sowas zählt kurzzeitig auch dazu. Gut, dass es so viel Meer gibt auf dieser Welt.

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  3. Ich bin selber schon mehrmals umgezogen und weiß genau, wie du dich fühlst. Ich finde 'home' ist nicht nur an einen festen Ort gebunden, sondern an mehrere. Sobald du wundervolle Dinge in der neuen Umgebung erlebst und somit gute Erinnerungen hast wirst du dich viel wohler fühlen. xx

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    1. Danke für deine Worte! <3 Ich hab den größten Teil meines Lebens in einer kleinen Stadt verbracht, aber irgendwie fände ich es auch am schönsten, wenn es viele Orte gibt, an denen man sich heimisch fühlt. Und ich glaube wirklich, dass es für mich inzwischen schon fast zwei sind.

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  4. Wunderschöner text <3
    Liebe Grüße
    Sarah

    P.S. Auf meinem Blog gibt es gerade eine echte Innovation zu gewinnen. Ich würde mich freuen, wenn du vorbeischaust und mitmachst :)

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  5. toller text und sehr schöne bilder! x

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  6. Ich habe ja viel eher im Laufe der Zeit die Erfahrung gemacht, dass jeder Ort irgendwann zur Heimat werden kann, wenn man sich daran gewöhnt hat. In China habe ich zuerst Deutschland vermisst, dann habe ich hier China vermisst und inzwischen mag ich meine Stadt eigentlich und würde sie auch erst ziemich vermissen, wenn ich weggehen würde. Auch wenn ich glaube, dass ich auf Dauer vor allem doch Deutschland als Heimat sehe... das werde ich aber erst wissen, wenn ich mal wieder eine Weile weg bin. So, von hier -also von Zuhause aus- kann ich das noch nicht so genaus sagen.

    Ich in fast jeden Monat mindestens einmal draußen, was viel ist, weil ich fast den ganzen Tag in der Schule bin, was trotzdem wenig ist. Ich glaube, von manchen Dingen hat man immer dann das Gefühl zu wenig zu haben, wenn man glaubt, mehr davon haben zu müssen...

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    1. Eben - irgendwie merkt man sowas oft erst, wenn man den Vergleich hat, obwohl China-Deutschland auch noch mal eine ganz andere Dimension ist als die paar Kilometer, die mich von zu Hause trennen. Aber da ich gerade sowieso einer einzigen Reizüberflutung ausgesetzt bin, ist es irgendwie alles noch verwirrender.

      Ich finde es gerade jetzt unglaublich schade, dass es so schnell dunkel wird, wenn ich bis 18 Uhr Uni habe, kann man sich ja auch nicht mehr mal eben in den Park setzen ... obwohl das glücklicherweise nur zwei Tage die Woche der Fall ist. Ich habe es aber letztens wirklich genossen, mal wieder durch die Natur zu streifen - auch wenn man in den Berliner Wäldern nicht ganz so viel Ruhe hat wie zu Hause, aber es ist eine Alternative.

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  7. Ein toller Post und sehr schöne Bilder, du bist soo hübsch!
    Ich glaube am meisten machen die Leute etwas aus, die um einen herum sind. Man kann sich ja nur schwer wo zu Hause fühlen wenn man niemanden kennt oder umgeben ist von Menschen die man nicht leiden kann :)
    Ich bin vor vier Jahren umgezogen mit meiner Familie zusammen und habe in der Zwischenzeit das Gefühl dass ich mich dort nie richtig eingelebt habe. Zu sehr hingen die Gedanken noch am alten Haus, der alten Umgebung, den Nachbarn, den freunden die nur ein paar Straßen weiter lebten...
    Jetzt lebe ich seit zwei Monaten allein in einem anderen Land und bin hier schon mehr zu Hause, habe schon Freunde gefunden und schöne Dinge mit ihnen erlebt.
    Ich hatte bisher nie die Möglichkeit mehrere heimaten zu haben, aber ich glaube wenn man im Kopf richtig an einem Ort ist und nicht am anderen hängt dann kann man überall zu Hause sein.
    Liebe Grüße,
    Jone

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    1. Danke, du Liebe! :)
      Das stimmt wahrscheinlich wirklich irgendwie - obwohl es natürlich nie funktioniert, dass man alle Menschen, die man lieb hat, zusammen an einem Fleck versammelt. Und dann kommt es so sehr auf die Einstellung an; ich meine, wir beide sind ja jetzt freiwillig weggegangen, weil wir es wollten, und ich glaube, das ist nochmal was ganz Anderes. Wenn ich in meiner Schulzeit hätte umziehen müssen, wäre das für mich viel schwerer gewesen als jetzt, wo ich wirklich raus wollte, um mehr zu sehen und nicht zurückzubleiben.
      Ich freue mich auf jeden Fall unglaublich doll für dich, dass es dir so gefällt! Wenn du das schon nach zwei Monaten sagen kannst, dann steht dir ja ganz bestimmt noch eine fabelhafte Zeit bevor. :)

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  8. Toller Post! Ich kenne auch unheimlich viele Lieder, die vom Thema Heimat handeln, das von dir zitierte unter anderem.
    Ich glaube das ist ein Thema, dass uns immer beschäftigen wird. Wo fühlt man sich wohl, kann loslassen und man selbst sein? Das ist bei mir in meinem Bett, im Stall und wenn ich laufe (meist im Wald oder so). Oder mit bestimmten Menschen.
    Und es ist kein Wunder, dass du ab und zu dein Zuhause vermisst, schließlich hast du dort dein gesamtes bisheriges Leben verbracht und verbindest damit ganz viele schöne Erinnerungen! Ich wünsch dir dennoch ganz viel Glück in deinem neuen Heim und im Studium!

    Danke auch für dein liebes Kommentar, Ja, meine mündliche Prüfung lief sehr gut, war ganz überrascht. Und du hast Recht, mit 17 ist das alles ein wenig schwierig. Ich finde es aber auch krass, mit 17 schon zu studieren. Ich werde ja auch erst im September 18 und kann daher erst ab September ins Ausland. Alles gar nicht so einfach...
    Aber Sprachen zu studieren klingt ganz gut, du hast ja eh ein Schreibtalent und wenn dir das liegt wirst du damit sicher nicht unglücklich. Ich weiß gar nicht was mir liegt und was nicht, hoffe ich finde da noch meinen Weg.
    Alles Liebe, Salo

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    1. An Gabrielle Aplin kommt man einfach nicht vorbei - sie macht so wundervolle Musik!
      Ich glaube, dem kann ich gar nicht mehr viel hinzufügen. Es gibt in Brandenburg so viele Orte, an denen ich mich in den vielen Jahren geborgen gefühlt habe, aber inzwischen kenne ich auch hier einige Ecken und Menschen, die mich glücklich machen. Und vielen, vielen Dank.

      Freut mich für dich! :) Ich hab mir auch so einen Kopf gemacht davor, aber im Endeffekt lief es auch prima.
      Und September ist auch eigentlich ganz in Ordnung, dann kannst du im Sommer erst noch ein bisschen Pause machen nach der ganzen Schulzeit, das Semester würde ja auch erst im Oktober anfangen. Es sei denn, du musst ein Visum beantragen, das ist dann natürlich immer unpraktisch, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass du das alles gebacken kriegst!

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