Freitag, 13. November 2015

Die Stunden dazwischen


Mir ist aufgefallen, dass auf meinem Blog im Moment etwas fehlt. Die vielen Stunden zwischen den Posts.


Natürlich gibt es, gerade jetzt, immer mal wieder Situationen, die mich verzweifeln lassen, traurig oder wütend machen. Wenn ich etwas verpeilt habe und stundenlang grundlos Bahn gefahren bin. Wenn mich Details in meiner Umgebung aufwühlen, die ich komplett überbewerte. Wenn ich für eine Weile keine Ahnung habe, was überhaupt los ist. Und genau das ist es, was mich oft dazu bewegt, meine Gedanken aufzuschreiben: um sie zu ordnen, nochmal drüber zu lesen und zu wissen, woran ich eigentlich bin. Um aus dem Chaos in meiner Gedankenwelt etwas Greifbares zu machen.

Aber das ist noch lange nicht alles. Es ist eigentlich sogar nur ein kleiner Teil vom Ganzen, der hier so oft präsent ist, weil ich diese anderen Gefühle eher auslebe und auf kleinen Zettelchen in meinem Glücklichmach-Glas aufbewahre.


Und das kann alles Mögliche sein.


Mit einem neuen Freund auf den Teufelsberg kraxeln (wer nimmt schon die Straße? Ab durch den Wald!), wo diese Bilder entstanden sind. Wir haben erwogen, uns eine Lücke im Zaun zu suchen, aber glücklicherweise kamen wir gerade pünktlich zu einer kleinen Führung und haben uns ganz legal umschauen dürfen.


Mit Kommilitonen Berlins Nächte erkunden. Über den Comedy-Keller bis zu diesem Chemie-Labor-Pub, in dem wir uns beim »Wer bin ich?«-Spielen beschriebene Servietten an den Kopf gehalten haben. Ich bin mit 17 doch recht eingeschränkt, was die offiziellen Regeln angeht und genieße solche Abende umso mehr.


In meinem Bett sitzen, irgendwo zwischen Kerzen und Lichterketten, WhatsApp und Youtube. Es ist schön, von hier aus den Nachthimmel zu betrachten, obwohl er so anders aussieht.


Als ich meine Fahrprüfung bestanden habe – beim zweiten Anlauf, mit Hängen und Würgen – habe ich vor Freude geweint. Weil ich so erleichtert war, weil der Druck sich aufgelöst hat und weil ich diesen Punkt endlich, nach ganzen 13 Monaten, abhaken konnte. Ja, hat eine Weile gedauert bei mir, und der Umzug hat es auch nicht zwingend verkürzt, aber diesen hart erkämpften Papierfetzen werde ich nicht so schnell wieder hergeben.


Auf der Ersti-Fahrt die Tage (und Nächte) nutzen, neue Leute kennen lernen, lachen, singen, tanzen. Es ist gar nicht so schlecht, ein Wochenende lang keinen Empfang zu haben und stattdessen fragwürdige Videos zu drehen.


Mit meiner Mama und meiner Schwester über den Rummel zu Hause spazieren, die altbekannten Leute treffen und wie jedes Jahr einen Schoko-Erdbeerspieß futtern. Weil Tradition. Und es ist schön, die Sägespäne unter den Füßen zu spüren, die blinkenden Lichter zu sehen, diesen Kindertraum zu durchlaufen und sich zu erinnern.


Einen Abend mit den Schulfreunden verbringen, die es auch hier her getrieben hat und in alten Zeiten schwelgen, die erst ein paar Monate zurückliegen.


Ich bin glücklich. Nicht konstant – es ist eine wackelige Geschichte. Da sind immer Momente, in denen ich mich in meinem Bett zusammenkugeln will, und kurz darauf habe ich das Bedürfnis, jemanden zu umarmen, weil gerade alles so fabelhaft ist. Ziemlich oft sogar.


So sieht es aus im Moment. Die Herbstmelancholie hat mich weder ganz ergriffen noch laufe ich auf Wolken, aber:
Das Leben ist schön.


Kommentare:

  1. Wow, das sind wirklich viele schöne Momente, die du da beschrieben hast. Mein Bruder hat dieses Jahr ja auch sein Abi gemacht und wird morgen auch nach Berlin fahren und da Freunde besuchen und anschließend in Dresden einen Monat lang Praktikum machen. Dein Text hat mich grade total daran erinnert :)
    Freut mich sehr für dich, wenn du glücklich bist <3 und ist Glück nicht immer irgendwie wackelig? Es ist zerbrechlich und und selten und instabil und das macht es so wertvoll .. :)
    Wünsch dir ein schönes Wochenende!
    Liebe Grüße,
    Cho

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    1. Und ich hab sie die ganze Zeit verschwiegen - das musste jetzt einfach mal sein. Vor allem, wenn man schon darauf hingewiesen wird, dass die Posts in letzter Zeit so melancholisch sind und man jedes Mal beschwichtigend die Hände in die Luft hebt.
      Klingt auch toll, und Dresden ist einfach wunderbar, abgesehen von dieser traurigen braunen Ecke. Jaja, da gehen wir alle unsere Wege ...
      Stimmt, da hast du allerdings recht, aber, wie es doch immer so schön gesagt wird: sonst wüssten wir es nicht zu schätzen. Und das tue ich gerade.

      Das wünsch ich dir ebenfalls! :)

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  2. Liebes Märchen,
    richtig so.
    Du hast mich daran erinnert, wie wichtig diese schönen Momente sind.
    Wie wichtig es ist, so viele schöne Momente und Erinnerungen im ausgewaschenen Nutellaglas zu sammeln, wie man kann denn dann hat man genug Kraft, um all die kleinen Katastrophen des Alltags besser zu überstehen.
    Niemand ist immer nur glücklich, jeder hat die traurigen, dunklen, einsamen, chaotischen oder verzweifelten Momente aber solange die guten überwiegen, besteht nicht die Gefahr, an den schlimmen Momenten zu verzweifeln.
    Schöner Post und interessante Eindrücke^^
    Bis bald,
    Silver^^

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    1. Och Mann. Jetzt hat das Internet Mist gemacht und meine Antwort ist weg.
      Also, erst mal: Entschuldigung, irgendwie hatte ich angenommen, ich hätte schon geantwortet. Dafür hast du gerade eben eine unglaublich lange Mail bekommen, immerhin.
      Und das freut mich gerade. Lichtblicke in anderer Leute Leben zu verstreuen ist genau so schön, wie selbst welche zu sammeln und deine Idee ist sowieso fabelhaft. Glückliche Momente im Inbegriff des Glücklichseins, also einem Nutellaglas, sammeln, ist doch perfekt! Auch wenn es ein bisschen traurig ist, wenn kein Nutella drin ist, aber man kann ja ein volles Glas daneben stellen und dann ist gut.
      Ich wünsch dir zumindest beides: Nutella und glückliche Momente. Ganz, ganz doll und ganz, ganz viele. <3

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  3. wow so soooo schön!
    ich wollte schon immer auf den teufelsberg (oder turm) :D
    bist du da "alleine" hin gegangen oder mit einer Führung?
    tolle bilder

    alles Liebe deine AMELY ROSE vorbei

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    1. Danke! Ich wäre von allein auch gar nicht auf die Idee gekommen, aber ich fand den Vorschlag gut. :D Wir waren gerade da, als eine Führung losging, hat ganz gut gepasst.

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  4. Vielen lieben Dank für deinen Kommentar, Mara.
    Genau aus diesem Grund habe ich die Bilder gerade jetzt veröffentlicht... weil ich mich momentan so sehr nach ein bisschen Sonne und vor allem nach der Freiheit des Meeres sehne. Hoffentlich werde ich nächstes Jahr wieder das Meer besuchen können, mal sehen.

    Alles Liebe,
    Paulina

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    1. Gerne doch.:) Ich schaffe es immer gar nicht, Bilder so lange aufzubewahren, vor allem Meer-Bilder. Obwohl es offensichtlich eine gute Idee ist.
      Ja, das hoffe ich auch ... aber meine Schwester wohnt am Meer und jetzt, wo ich zwanzig Minuten von der Flixbus-Haltestelle entfernt bin, werde ich sie im Sommer sicher öfter mal besuchen.

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  5. Ich habe mich schon gewundert was los ist bei dir liebe Mara, die letzten Posts die ich überflogen habe, haben wirklich sehr negativ sich angehört und war schon ein bisschen beunruhigt :/ Aber so kleine Momente lernt man im Nachhinein zu schätzen und Trauer ist doch meist interessanter als Glück, oder es gibt eher mehr niederzuschreiben. Ich wünschte ich wäre beim Rummel gewesen, ich lese auch andauernd treffen in den Gruppen, Geburtstagsplanungen wo wir nicht bei sein können, aber ich hoffe das hält sich bis nächstes Jahr, ich will nicht wirklich loslassen von den alten Freunden, so viele Jahre haben uns doch zusammengehalten, aber lässt sich einfacher sagen als es ist. Ich denke am Anfang ist es immer schwerer, wenn man sich eingelebt hat, ja dann geht es. & glückwunsch zum Führerschein! Du kannst stolz sein! Ich weiß nicht wann ich den mal machen werde, mal sehen,die Zeit drängt ja nicht und wenn hau ich wieder ab.

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    1. Ja, das war bei so vielen Leuten so, deswegen war es mir jetzt mal wichtig, so einen Post zu schreiben, auch wenn er ein bisschen ... anders ist? Kann mir ja egal sein, ist mein Blog, da kann ich veröffentlichen, was ich will.
      Und die kleinen Momente schätze ich sogar auch so schon, nur dass sie eben hier oft nicht ankommen, aber ich erinnere mich auch in den wirren, traurigen Zeiten gern daran.
      Das hoffe ich auch für euch zwei Reisende! Bei mir klappt das zum Glück wunderbar, in Berlin sitze ich, was das angeht, quasi am Nabel der Welt.^^ Die meisten sind ja echt in der Hauptstadt, ich habe zwar viel mehr mit meinen Uni-Leuten zu tun, aber es ist schön, sich abends mal wieder zu sehen.
      Danke! :) Ich wollte den jetzt einfach fertig bekommen und ich bin so froh, dass ich nicht mehr unter der Woche nach Neuruppin zurück muss, für einen Abend ist das einfach bloß stressig. Aber echt, mach, wann du denkst und wann es langsam nötig wird. Ich hab den jetzt und brauche ihn nicht mal. ;D

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  6. Stunden zwischen den Posts... bevor ich deinen Text dazu gelesen habe hatte ich die Assoziation mit meinem Verhältnis zu meinem Blog letztes Jahr, als ich wirklich selbst in der Schule nebenher Blogartikel gekritzelt habe :D und dann kommst du mit Leben, während es bei dir wirklich um Leben geht. Nichts dagegen übrigens, ich gönne es dir schon :-) aber es ist erleichternd, wieder lebendige, neue Bilder zu lesen, nachdem ich mich in letzter Zeit irgendwie nur durch alte Erinnerungsfotos und Geschichten gewühlt habe. Ich sollte endlich wieder Blogs lesen (habe ich das nicht schon vor einem Monat auch schon beschlossen?)
    Die Bilder sind übrigens große Klasse, sicher nicht die einzigen, die es von diesen Bildern und Dingen gibt, aber jetzt fühlt sich mein Herz leichter :-)

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    1. Ich schreibe in letzter Zeit oft Inspiration mit, Gedanken, die mir gerade durch den Kopf gehen und die ich dann zu Blogposts verarbeite, alles kleine Schnippsel - das merkt man teilweise auch, früher war das meist viel zusammenhängender, in einem Fluss am Computer getippt. Was hier jetzt ausnahmsweise sogar der Fall war, aber ich habe in meinem Handy gerade recht viele Notizen mit Eindrücken.
      Danke! :) Irgendwie mochte ich sie hierfür, so bunt und laut und einer von den Momenten, die mir so wichtig sind. Es ist ein hartes Leben, aber ein schönes.
      Und Letzteres freut mich! <3

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