Donnerstag, 5. November 2015

I'm a mess


Ich fange an, nach alten Bildern zu suchen, weil ich nicht mehr weiß, was ich von den neuen halten soll. Weil ich mich nicht mal traue, sie mir anzusehen.
Das ist dumm und ich weiß es. Wem habe ich vor kurzem noch erzählt, ich sei nicht mehr so schüchtern wie früher? Auf den ersten Blick nicht, aber ich bin ja doch so verklemmt, albern, dumm. Ich hatte immer Angst vor diesen Momenten, habe gezögert, und mit meinem ersten Schritt ins Ungewisse verliere ich die Balance, obwohl ich eben noch lächelnd geträumt habe. Was tue ich bloß?


Und während ich vor mich hin singe und realisiere, was »This mess is mine« für mich bedeutet, bringt mich die Ironie nicht mal mehr zum Schmunzeln.
Oh ja.
I'm a mess.


In meinem Kopf sehe ich noch die flinken Finger des Gitarrenspielers in der Bahn auf seinen Saiten. Ausnahmsweise habe ich zugehört und bereut, dass ich mein Kleingeld gestern aufgebraucht habe. Die Nachricht, die ich geschrieben und nicht abgeschickt habe, ist verschwunden und ich suche sie nicht in der Zwischenablage. Mir ist ohnehin nicht nach lachenden Smileys, vor allem in diesem Moment, in dem ich den Zettel mit winzigen Buchstaben fülle, damit alle Gedanken Platz haben.


Ich fand es immer so lächerlich, auf Kleinigkeiten zu beharren und inzwischen fange ich selbst damit an, wie ein kleines Mädchen. Ich bin immer noch die Jüngste, und gerade jetzt fühle ich mich auch so und frage mich, wer mich deswegen belächelt. Abgesehen von mir selbst.


Und Prokrastination ist nicht nur eine schlechte Idee, wenn man für die nächste Klausur lernen soll. Manchmal stolpert man wie von Sinnen durch die Prüfungen des Lebens und wartet mit bangem Gefühl auf die Auswertung: bestanden, durchgefallen, vielleicht eine Nachprüfung. Oder er stellt sich heraus, dass die Arbeit sowieso nicht bewertet wurde, nur eine Übung für das wirkliche Examen.

Ich bin eine schlechte Verliererin. Habe manche Dinge ausgelassen und bin vorbei gegangen, wie wir es alle irgendwann tun, um nicht im Dunkeln zu tappen – wir reden uns ein, das Zwielicht sei hell genug.
Vielleicht war es an der Zeit, nicht mehr wegzurennen.

Kommentare:

  1. Das sind wirklich wunderschöne Bilder und berührende Worte.❤
    Liebe Grüße,
    Anna
    www.glitterandsilk.blogspot.de

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  2. Wieder ein toller Post, liebe Mara! Ich kann das auch alles so gut nachvollziehen worüber du schreibst.. und die Bilder find ich klasse! Mehr kann ich dazu gar nicht sagen und so wünsch ich dir einfach ein schönes Wochenende! :)

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    1. Dankeschön. :) Irgendwie ähneln wir uns oft mehr, als man denkt, jeder hat manchmal solche Phasen ...
      Und da ich diese Antwort leider erst eine Woche später abschicke: danke, hatte ich, und jetzt wünsche ich dir auch ein fabelhaftes Wochenende!

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  3. Liebes Märchen,
    du bist dann aber das aufgeräumteste und disziplinierteste Mess ever..jedenfalls erschaffst du immer wunderbare Texte und letztendlich..selbst wenn da Zweifel sind und Chaos und Unsicherheit, du bringst es zu Ende und schaffst auch diese Etappe.
    Lass sie lächeln, du bringst Dinge zustande und hast Dinge zustande gebracht, die nicht selbstverständlich sind. Ob es deine Texte sind, deine Bilder oder deine Reisen und die Schule...und jetzt dein Studium und das, obwohl du 'die Jüngste' bist. Lächle zurück. Lächle in dich hinein, belächeln musst du dich nicht. Du kannst stolz darauf sein.
    Und Silver googelt Prokrastination...soviel dazu.
    Alles fein Mara.
    Bis bald,
    Silver^^


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    1. Danke, daran werde ich denken, wenn's mir mal wieder so geht: Hey, ich bin immerhin ein strukturiertes Chaos!^^ Um ehrlich zu sein, die Texte helfen mir eher dabei, mich zu ordnen, ehe ich das alles abgetippt, in eine Reihenfolge gebracht und mit Bildern versehen habe, war es auch noch ein bisschen viel messiger.
      Und nochmal danke, liebes Silberlein. Fürs Erinnern an diese ganzen Dinge - manchmal vergleicht man einfach viel zu viel und vergisst, was man selbst noch beitragen könnte.
      "Prokrastination" sollte ich eigentlich in der Sidebar erklären, das ist so ein wichtiges Wort! Mein Lebensinhalt quasi.^^
      Alles Liebe, Silver, fühl dich umarmt.

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  4. Bildhübsches Mädchen :-*
    Super schöner und interessanter Blog :-*


    knovikova.blogspot.de

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  5. Ich habe das vor einem Monat bereits gelesen und da kam es mir fast bedeutungslos vor. Was sollte es heißen? Aber jetzt fühle ich mich selbst wie das pure Chaos und kann es total verstehen. Plötzlich ergeben die Worte wieder Sinn.

    Ich hab mal irgendwo gelesen, dass man Dinge nicht dann erledigt, wenn es sinnvoll ist, sie zu diesem Zeitpunkt zu erledigen, sondern dass die meisten Menschen dazu neigen, sie erst zu erledigen, wenn es dringend ist. Ich glaube, das stimmt auch für dieses Chaosgefühl. Nur, wenn einem das Ruder aus der Hand gleitet, dann wird man das Gefühl schwer wieder los, selbst wenn gerade alles läuft.

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    1. Ich glaube, es kommt wirklich so sehr auf den Moment an ... Ich habe den Post gerade selbst noch mal gelesen und musste für einen Moment nachdenken, worum es mir überhaupt ging. Wir leben so schnell, einen Monat später ist schon alles ganz anders, verweht vom Wind und plötzlich hat dieses Chaos einem anderen Platz gemacht, über das ich lachend hinweg hüpfe. Immer noch Chaos, aber kein verzweifeltes.

      Oh ja, da hast du Recht. Man überschätzt sich oft, denkt, dass es funktioniert, ging doch immer irgendwie, aber wenn man dann plötzlich mit all dem konfrontiert wird, ist es doch nicht so harmlos, wie man immer dachte. Ob jetzt eine Hausarbeit oder dieses ganze Leben.

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