Donnerstag, 31. Dezember 2015

Einfach bloß leben


»Und ich bin neugierig auf all die Wunder, die ein neues Jahr mit sich bringt. Erfahrungsgemäß wird das Leben immer gleichzeitig schwerer und schöner, und ich freue mich auf all die Herausforderungen. Wer weiß, vielleicht bin ich in einem Jahr schon Studentin, sitze in einer winzigen Wohnung und verfasse einen Post über 2015, ein Jahr, das noch viel fabelhafter war als das vorangegangene.«


Und damit ein Schulterklopfen für mein Ich von vor einem Jahr – ziemlich treffsicher vorausgesagt. Abgesehen davon, dass die Wohnung gar nicht so klein ist sondern bloß mein Zimmer, kann ich das so ad acta legen.
– Ein ganzer Haufen neuer Herausforderungen
– Wundervolle Erinnerungen
– Studentin (oder meinetwegen Studierende, ist das jetzt die politisch korrekte Variante?) in einem Mini-Zimmer
– Rückblick auf ein famoses Jahr
– Gerade in diesem Moment dabei, einen Blogpost über 2015 zu schreiben


Vor einem Jahr kam mir 2014 zu kurz vor für all die Dinge, die ich erlebt habe, und jetzt sind 12 Monate vergangen, die noch so viel mehr enthalten.

Zum ersten Mal diesen Blick auf mir gespürt, während ich gar nicht mehr so ganz ich selbst war.
Ich hab mich so allein gefühlt. Es tut weh, immer nur an zweiter Stelle zu stehen und es ist trotzdem schwer, sich weg zu drehen.
Spontan zwei neue Lieblingsbands gefunden, direkt life beim Konzert. Manchmal muss man einfach so ja sagen.
Mein Blog ist ein Jahr alt geworden.
»Ich will gar nicht daran denken, wie es sein muss, siebzehn zu sein.« Und vier Monate später war ich 17. Und es ist auf die gleiche Art komisch, nur anders.
Ich hab Reißaus genommen vor dir. Ich werde so schnell panisch.
Wir sind als Zombies und Feen zur Schule gegangen und haben alles auf den Kopf gestellt; haben uns auf den Kopf gestellt.
Ich war elf Jahre lang in der Schule, und dann war es mit einem großen Knall vorbei.
Ich hab mir keinen Stress gemacht. »Für Medizin reicht es wohl nicht« – und dann war mein Abitur doch so viel besser, als ich erwartet hatte. Und ich bin immer noch ein kleines bisschen erstaunt.
Auf einmal so viel Zeit für mich.
Wir sind nach Lüneberg zu einem Musikfest gefahren und wir haben gefeiert, auf unsere Art und Weise.
Wir waren in Amsterdam, sind durch die Gassen gelaufen, kichernd, mit Kamera und Schnäppchen aus Second Hand-Läden.
Ich war so wütend, weil du meine Worte verdrehst und mich ansiehst, als sei ich ein Kind, während du selbst so sehr auf dich fixiert bist.
Abiball. Irgendwie nur noch ein Schlusswort, das in meinem Kopf nachklingt, Erinnerung an diesen Moment, als wir auf der Bühne standen, meine Worte, eure Tränen. Es war so unwirklich und das ist es bis heute.
Wir sind im Bus nach Kroatien gefahren. Blaues Meer, so laute Musik, wir tanzen im Bikini und lachen, hüpfen um drei Uhr nachts aufs Podest, ich lasse meinen Schatten zurück; es tut mir immer noch ein kleines bisschen leid. Und wieviel hättest du schon für mich getan? Jetzt ist es zu spät und vielleicht war das ja alles in Ordnung so. Wenn man so viel Spaß hatte, was soll man dann bereuen?
Mein erstes Festival. Irgendwo zwischen Indie, Elektro und Blumenkränzen war ich einfach glücklich.
Es war ein bisschen ungewohnt, als wir nicht nur singen, sondern auch noch in fremde Rollen schlüpfen sollten. Aber ich bin stolz, dass ich von mir behaupten kann, in einer Oper mitgesungen zu haben.
Und die Zeit war so unerbittlich diesen Sommer. Zeit zu tun, was ich will.
Ich hab mich verliebt. Ins Meer. Jahr für Jahr, immer wieder.
Wien ist wie ein Märchen. Ich habe den Zauber der Vergangenheit wie in keiner anderen Stadt gespürt.
Lollapalooza. So groß und laut und wunderbar. Nicht ganz einfach, nicht alles so, wie ich es mir vorgestellt habe und vieles noch besser.
Ich bin umgezogen in besagtes kleines Zimmer. Alles weiß und hell und neu und fremd. Ich habe Angst und ich kann es kaum erwarten.
Meine erste Woche an der Universität war weniger schlimm, als ich erwartet hatte. Alle waren so offen und freundlich und diese Welt zu meistern fiel mir viel leichter, als ich erwartet hatte. Wir waren doch alle irgendwie neu hier und wollen einfach bloß leben.
Ich war so zufrieden, aber die altbekannte Panik, der Druck, sind noch nicht von mir gewichen. Ich wusste nicht mehr, was ich überhaupt wollte, zu wenig Zeit für Entscheidungen. Ich war doch erst seit einem Monat in der Stadt und mein Anker saß nicht fest genug, um die Segel im Sturm zu setzen. – Obwohl ich es versuchte. Ganz langsam, immer nur ein bisschen, einfach loslassen und lachen.
Ganz langsam hast du das Fenster geöffnet und die Traumschwaden ziehen lassen, die mich umhüllten.
Ich war wütend. Zähnefletschen, Krone aufsetzen, Stolz wieder einsammeln. Ich kann das auch alleine, ich bin nicht abhängig.
Und irgendwie kristallisierte sich aus diesem anfänglichen Kuddelmuddel aus Menschen eine Gruppe heraus, mit der ich über Weihnachtsmärkte schlendern kann, Kuchen backen, Cocktails trinken, lachen und schwärmen. Und es kommen immer noch so viele neue Leute dazu, dass ich keinen Schlussstrich ziehen könnte.
Ich bin heimgefahren. Endlich länger als nur ein Wochenende. Eigentlich ist alles beim Alten.




Aber nicht ganz. Irgendwie haben wir uns alle verändert, sind ein kleines bisschen über uns selbst hinausgewachsen, haben gefühlt und gelebt und dabei Erinnerungen geschrieben. Mein Glas mit glücklichen Momenten aus dem Jahr 2015 ist voll und ich habe schon ein neues gekauft, im gleichen Laden wie immer.





Gerade die letzten drei Monate waren für mich so überwältigend und fremd, dass ich manchmal nicht mehr wusste, wo ich überhaupt hin möchte, wovon ich träume und wofür ich kämpfen will. Aber jetzt, pünktlich zum Jahresende, bin ich – zumindest für den Moment – mit mir ins Reine gekommen. Kann mich lächelnd umdrehen, meine Fußabdrücke auf dem Pfad betrachten, den ich hinter mir gelassen habe und dann weiterlaufen bis zum nächsten Scheideweg.

Kommentare:

  1. Das klingt nach einem wunderbaren Jahr! Deine Prophezeiung von letztem Jahr ist ziemlich exakt gewesen :) Es scheint, als wärst du ganz schön reich an Erfahrungen geworden. Und daran gewachsen. Erwachsen geworden. Klar, der Abschied von der Schule und von zu Hause verändert einiges. Ich wünsche dir ein ganz tolles 2016! Viele Begegnungen mit Leuten, die vielleicht auch noch zu deiner Gruppe dazu stoßen. Bleib so wie du bist, aber wachse an den Momenten des neuen Jahres ;)

    Alles Liebe,
    Cho

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    1. Ach Mist, und traurigerweise sieht es jetzt schon so aus, als würde ich mir zu wenig Zeit für den Blog nehmen ... Aber egal, das wird auch noch besser, und stimmt, es war wunderbar!
      Und vielen, vielen Dank - ich hoffe mal, irgendwie stimmt das alles und deine Prophezeiung für 2016 auch. Ich wünsch dir genau das gleiche; ein fabelhaftes Jahr mit grandiosen Erinnerungen und fantastischen Menschen und vielen, vielen neuen Erfahrungen!

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  2. Liebes Märchen,
    was für ein wundervoller Rückblick!
    Es hat Spaß gemacht, dich durch das Jahr zu begleiten und bei den einen oder anderen Erinnerungsglaswürdigen Momenten praktisch dabei gewesen zu sein.
    Alles neu und alles beim Alten, irgendwie kommt mir das in den Sinn wenn ich deinen Text lese und das wünsche ich dir auch für dieses Jahr. Eine rote Schnur sozusagen, die sich konstant durch das Jahr zieht und viele, viele Dinge, die du dort dranheftest oder die sich an der Schnur festhalten, Altes und Neues nebeneinander.
    Möge sich das ausgewaschene Nutellaglas wieder randvoll mit wunderbaren Erinnerungen füllen.
    Die allerbesten Wünsche für dich,
    deine Silver

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    1. Danke, Silverlein - ich freu mich auch verdammt doll, dass du 2015 dabei warst, auch wenn immer noch keine Mail eingeflattert ist - die kommt noch!
      Stimmt irgendwie. Das ist auch ein schöner T-Shirt-Spruch, nicht in der Scherz-Ecke aber trotzdem sehr weise. Alles neu und alles beim Alten - jap, das finde ich gut und ich freue mich auf die alten neuen Zettel und wünsche dir auch einen ganzen Haufen davon, vorzugsweise natürlich in Pastellfarben. Und ein riesiges Glas Nutella obendrein.

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  3. Die Bilder sind unfassbar schön und sehr ausdrucksstark! Wirkliche viele verschiedene Gedanken zu deinem vergangenen Jahr und toll zu lesen, dass viele davon auch positiv sind :) Das mit den Bands, dem Schulabschluss, der vielen Zeit für dich, dem Bloggeburtstag - alles wirklich klasse!

    Danke auch für deine lieben Worte! Ja, das mit dem Jahresrückblick ist wirklich so ne Sache in der Bloggerwelt, haha :) Aber auch, wenn es nicht nur den Lesern dient, ist es einfache eine super Art der Selbstreflexion. Ich wünsche auch dir ein gelungenes 2016 und auch wenn es nicht nur Höhen geben wird, so aber dennoch, dass du die Tiefen mit Bravur meisterst :)

    Alles Liebe!

    mtrjschk.blogspot.com

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    1. Vielen lieben Dank! :) Irgendwie finde ich es schön, den Blog zu haben, um sich daran entlang zu hangeln, und gerade dieses Jahr ist so viel passiert - eigentlich muss man sich nur ins Abenteuer stürzen und dann wird es sowieso fabelhaft. Und stimmt, auch wenn's die Leserwelt eher mäßig interessiert, solange es mir wichtig ist, stimmt das wohl so. Und ich wünsch dir ebenfalls ein fantastisches 2016 - das Leben ist halt ein Liniendiagramm, aber ganz bis zur 0 geht's nie und ich hoffe mal, du bist die meiste Zeit auch weit davon entfernt! :)

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  4. Gläser mit glücklichen Momenten... Hmm. Ich weiß gar nicht, ob ich das vollkriegen würde. Nicht, dass ich nicht glücklich bin, aber für mich sind es keine Momente, sondern vielleicht Stunden, Tage und bestimmte Phasen, die ich glücklich finde. Glücksmomente geraten mir immer zu kurz und wenig dauerhaft.

    Wo du davon sprichst, ich werde nächsten Monat Siebzehn und der Gedanke ist immer noch komisch. Im Geiste bin ich irgendwie immer noch gerade erst sechzehn geworden.

    Und ich habe inzwischen wirklich Angst vor dem Abi...

    Für mich ist Studentin vollkommen okay. Letztendlich ist die deutsche Sprache in dieser Hinsicht einfach unzulänglich und ich finde, dass das oft viel zu streng gesehen wird. Was macht es schon, wenn man die Sprache ändert, aber nicht das Handeln und denken?

    Vielleicht hast du auch Lust, nochmal einen Jahresrückblick mit Vorschau, aber als Jahreswechselsstöckchen zu machen? Ich dachte, das können Fragen sein, die dir auch gefallen :-)

    lg Mulan

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    1. Bei mir kommen auch nicht nur Momente drauf, ein Festival mit vielen kleinen Details zählt auch als Zettelchen. Alles, was mich glücklich macht, ohne Regeln, wie man eben gerade Lust hat.
      Da versteht mich jemand! Aber irgendwie ist es eben doch nur eine Zahl ... obwohl ich mir vorstellen kann, dass das bei meinem 18. Geburtstag noch was Anderes ist, ich warte wirklich sehnsüchtig auf den Tag, an dem ich mit meinen Freundinnen abends weggehen kann, ohne vor den Türstehern zu erzittern. Aber so 16 zu 17 ... hm. Da ändert sich auch nicht viel.

      DAS ist mal ein ziemlich gutes Argument! Klar, vielleicht baut das Denken irgendwie auf der Sprache auf, aber solche winzigen Details regen die meisten Leute eher auf - es geht doch ums Große und Ganze und nicht um Formalitäten, oder nicht?

      Gut, dazu hab ich ja gestern schon was geschrieben. Je nachdem, wie persönlich das ausfällt und ob es sich mit dem und dem nächsten Post zu sehr deckt ... aber wie auch immer, auf jeden Fall noch mal danke! :)

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    2. Ja, aber im Alltag, wenn man einfacher tagsüber glücklich ist? Das kann schwer zu beschreiben sein... Wenn ich gerade das Gefühl habe, diese Woche oder an diesem Tag bin ich glücklich -aber ich weiß nicht warum.

      Es wird keinen Unterschied machen, das ist es ja... Ich mache mir ehrlich gesagt auch heute noch immer keine Gedanken über Türsteher. Ich bin wirklich ein Schlafzimmerkind...

      Genau, das grundsätzliche Handeln und Denken zu ändern ist wichtiger. Sprachdetails sind unwesentlich, auch wenn Sprache wesentlich ist. Jemand, der politisch korrekte Schreibweisen verwendet, kann immer noch auf Frauen von oben herab blicken und sie vergewaltigen.

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    3. Ohne Anlass lässt sich's natürlich schwer aufschreiben ... aber vielleicht ist das eben auch einfach nur für den Moment und gut so.
      Jaaa ... und dann zog ich nach Berlin und los ging's mit dem Nachtleben. Oder bis jetzt zumindest Abend.
      Aaach, Mulan, das würde ich gerade gern ausdrucken und all den Korinthenkackerln unter die Nase halten. Seh ich auch so.

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  5. Hey liebe Mara,

    ich habe gerade deinen Blog entdeckt und mich gleich in deine Posts verliebt. Ein sehr schöner Rückblick auf das letzte Jahr, ich mag deine Art zu schreiben und die Bilder sind klasse!

    Ich wünsche dir, dass 2016 für dich ein genauso wunderschönes und fabelhaftes Jahr wird wie 2015! ♥

    Liebe Grüße
    Chrisi

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    1. Vielen lieben Dank, Chrisi! :)
      Ich wünsch dir ebenfalls ein wunderbares Jahr, hoffentlich machen wir das Beste draus! :)

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  6. Hallo Mara:)
    auch hier wieder so schöne Bilder! Das klingt nach einem vollen aber auch interessanten Jahr! Ich selber brauch noch ein bisschen bis ich mit dem ganzen Zeug aus 2015 im Reinen bin. Die Idee mit dem Gedankenglas hab ich jetzt schon öfter gesehen. Sollte ich selbst mal machen. Juhu, noch ein Vorsatz neben dem aufschreiben der Namen von gelesen Büchern ^^ Mal sehen ob ich es schaffe überhaupt was einzuhalten. Ist ja eigentlich beides nicht schwer.

    Auch hier dir nochmal ein wunderschönes neues Jahr, kann man ja nie oft genug wünschen! :D
    Alles liebe, Linn.

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    1. Vielen Dank! :) Oh ja, das war es. Und ich glaube, 2015 hängt auch noch in der Luft, aber 2016 wartet auch nicht, es geht ja doch immer weiter.
      Das wünsch ich dir auch! :D Und hoffentlich klappt beides, das mit den Bücher fand ich echt spannend und diese Gläser geben einem irgendwie auch immer ein bisschen Hoffnung.

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