Samstag, 19. Dezember 2015

Schon fast da


Normalerweise kommt es selten vor, dass ich einen Post dreimal schreibe, aber da ich mich im Moment ja ohnehin ziemlich unberechenbar ins Leben stürze, verwundert mich das gar nicht mal so sehr.


Und normalerweise wäre ich zwischen dem dritten und vierten Advent schon absolut in Weihnachtsstimmung, aber trotz einer reichen Fülle an diversen Weihnachtsmärkten, -feiern und -Blogposts, trotz der Deko und dem Mandarinengeruch, der ständig in der Luft hängt, bin ich noch nicht so ganz angekommen. Das liegt vermutlich daran, dass ich dieses Jahr nicht wie sonst immer jedes Wochenende bei diversen Konzerten mitgesungen habe, nur das Weihnachtsoratorium steht morgen an. Keine Anmoderation mit Adventsgeschichten, kein Frieren und Drängeln in der Kirche, keine neuen Weihnachtslieder, deren Texte man sich nur mit Müh und Not überhilft.
Und Weihnachten ist für mich immer noch ein kitschiges Familienfest. Doof, wenn man sich nicht sieht und als Alternative bloß Weihnachtsfeiern in der Uni und Spekulatius hat. Auch sehr schön, bin ich zu gerne dabei, aber es ist ein ganz anderes Adventsgefühl als das, das sich in meinem Kopf festgehakt hat.


Und das Resultat: Ich sitze in meinem spärlich dekorierten Zimmerlein, futtere all by myself das Apfelmus, das bei besagter Anglistik-Weihachtsfeier übrig geblieben ist, schlürfe lauwarmen Rotbusch-Orangen-Zimt-Marzipan-Tee und höre meine Weihnachts-CD. Übrigens ist das die erste CD, die ich überhaupt so richtig ganz allein besessen habe, glücklicherweise weit entfernt von »Last Christmas« und »All I want for christmas«. Sowas gebe ich höchstens gemeinsam mit Freunden zum Besten.


Und wer mich kennt, der wird schon ahnen, dass ich jetzt traditionell mit »Carol of the Bells« von Libera ankomme – spread the love! Zum dritten Mal inzwischen, und vermutlich werde ich auch in fünf Jahren noch von kleinen Engelchen in weißen Gewändern schwärmen, die in einem überaus realistisch illuminiertem Wald stehen und singen (und zu dem Zeitpunkt dann wohl schon in den Bass wechseln mussten und aus ihren Roben rausgewachsen sind).
Warum auch immer. Ich hab dieses Video vor zwei Jahren zum ersten Mal gesehen und war hin und weg – inzwischen habe ich es mir sicherheitshalber sogar runtergeladen, man weiß ja nie, was die GEMA wieder ausheckt. Am Ende langweilen die sich so sehr, dass sie mir plötzlich meine Weihnachtsrettung löschen und dann kann ich bloß noch mein Unglück in Glühwein ertränken oder an IKEA-Duftkerzen schnuppern. Vorzugsweise beides.



Und ich bin mir im Moment nicht mal sicher, ob ich jetzt wirklich schon ein bisschen sehnsüchtiger auf Heilig Abend warte oder ob es einfach nur dieser Trost ist, der auch dazu gehört. Die Geborgenheit, bekannte Melodien, das »Gloria in excelsis deo«, tausend Mal gesungen und ich weiß immer noch nicht ganz genau, was es bedeutet. Ich fühle mich hier schon so zu Hause und gleichzeitig ein bisschen verloren in einer neuen Welt, in der so selten die Geschichten von früher hervorschimmern.

Aber langsam kommen wir zu Ruhe. Haben den letzten Tag an der Uni hinter uns gebracht, alle erzählen, wann sie nach Hause fahren und wie sehr sie sich auf ihre Familien freuen. Erste Abschiede, wir sehen uns im neuen Jahr, mach's gut. Spontan mit mir ins Reine gekommen, mitten auf der Straße. Nicht die Lösung, die ich mir vor einem Monat ausgemalt habe, aber vor einem Monat war ich eine andere und ich glaube, langsam akzeptiere ich, wie das Leben spielt – mit gezinkten Karten und Glückstreffern. Man kann nicht immer gewinnen, aber das heißt noch lange nicht verlieren. Vielleicht reicht es, wenn man sein neues Blatt akzeptiert und weitermacht.

Und inzwischen ranken sich doch schon einige Mistelzweige und Lichterketten über meine Karten, während ich inmitten meiner Familie sitze und Weihnachtslieder vor mich hin summe. Mir fehlen die Worte für den letzten Satz; aber ich spüre sie schon.

Kommentare:

  1. das lied ist ja mal *_* ohh.
    in weihnachtsstimmung bin ich auhc noch nicht wirklich trotz dem besuch eines weihnachtsmarktes etc. war auch beim weihnachtskonzert meiner ehemaligen schule und hätte noch alle chorlieder mitsingen können. das vermisse ich ja schon irgendwie..

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    1. Schon mit den ersten vier Worten hast du mir gestern den Abend versüßt. :D Ich hab später irgendein Paul Kalkbrenner-Video gesehen, in dem der Junge versucht hat, anderen Leuten seine Kopfhörer aufzusetzen - ungefähr so fühle ich mich, wenn ich anderen Leuten Carol of the Bells unter die Nase reibe.^^
      Bei mir wird es langsam wirklich etwas weihnachtlicher; den Text habe ich nämlich am Mittwoch geschrieben und inzwischen bin ich zu Hause und komme langsam zur Ruhe.
      Oh ja, meinen Chor vermisse ich auch, ich bin froh, dass ich noch das Weihnachtsoratorium habe. Das wird hier von keinem festen Chor aufgeführt sondern einfach von allen Sängern, die Lust haben, mitzumachen und beim Vorsingen durchgekommen sind.

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  2. So tolle Bilder, solche Lichterketten sind in der Bloggerszene, vor allem zu Weihnachten beliebt, ich sehe sie auf fast jeden Bild, aber nie habe ich das Gefühl, dass sie mich nerven. Genau wie du bin ich auch noch nicht richtig in Weihnachtsstimmung. Wenn ich aber ehrlich bin, wüsste ich auch nie wann ich in Weihnachtsstimmung bin, denn wie fühlt sich diese Stimmung denn an?

    Liebe Grüße Pierre

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    1. Das ist verdammt vertrackt mit diesen Dingern, die spenden einfach nicht genug Licht. :D Wahrscheinlich hätte ich einfach frische Batterien reintun sollen, aber gut, dann eben so, ich find's auch so schön.
      Bei mir wird's langsam mit dem Weihnachtsgefühl, weil ich jetzt endlich bei meiner Familie bin und auch bis kurz vor Silvester hier bleibe, da kehrt bei mir langsam tatsächlich Adventsstimmung ein. Vermutlich ist das wirklich bei jedem anders und irgendwo gibt's ja immer Grinche - jeder, wie er will.

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  3. Hey meine Liebe.
    Stimmungsvolle Bilder. Die Musik kenne ich nicht und stimme mich da dann doch mit der Weihnachts-CD von Helene Fischer ein, die übrigens echt toll ist. Ich bin eigentlich schon etwas in Weihnachtsstimmung, auch wenn dieses Weihnachten für uns flach fällt. Dennoch bin ich irgendwie auch froh wenn wir Silvester haben und das neue Jahr begrüßen dürfen.


    Altes Ich, neues Ich. Leben ist Veränderung und hey, du bist jung. Es gehört dazu andere Werte zu haben, zu vermitteln oder sich zu verändern. Du bleibst ja nicht stehen. So lange du überhaupt in eine Richtung gehst oder gewillt bist auch Veränderungen zu zu lassen, insofern ist doch alles gut und richtig.

    Lieben Gruß,
    Sanni.

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    1. Dankeschön! :)
      Ich glaube, da sind wir dann ganz verschieden gepolt, wir haben uns am Montag einen ihrer Auftritte angeschaut, weil eine Bekannte aus der Uni im Orchester war, aber irgendwie waren wir dann doch mehr damit beschäftigt, Florian Silbereisens Dialekt und die heimeligen Antworten nachzumachen ... :D Aber immerhin, Respekt, wie sie das alles hinbekommt, obwohl's für mich persönlich ganz und gar nicht besinnlich ist.
      Tut mir leid, dass das bei euch nicht klappt, aber vielleicht wird Neujahr dafür umso schöner, darauf freue ich mich auch schon gewaltig.

      Ich glaube, es ist schön, wenn man einige Grundwerte hat, denen man treu bleibt, aber selbst wenn man sich plötzlich um 180° dreht, ist das auch in Ordnung. Lieber das, als sich unwohl in seiner Haut zu fühlen und Erinnerungen hinterher zu trauern, die nicht zurückkommen.

      Danke für deine Worte! :)

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  4. Ich hoffe, du hattest einen schönen 4.Advent.
    Kongenialer Text und stimmungsvolle Bilder^^
    Dein Tee hört sich mega lecker an. Möchte auch.
    Allerdings bin ich drauf und dran Last Christmas zu enttarnen, eine ganze Abhandlung könnt ich drüber schreiben..aber ich lasse es.
    Dafür ist die Stimmung gerade doch ein wenig 'weihnachtlich' geworden obwohl ich eigentlich nie in Weihnachtsstimmung bin.
    Man verändert sich sicher nicht so sehr, wie man denkt aber mit jeder neuen Erfahrung kommen neue Seiten von einem zum Vorschein, ändert sich die Sicht, eine Meinung und erweitert seinen Horizont. Ansonsten-das denke ich- bleibt man in seinem Kern der selbe Mensch. Vielleicht hoffe ich das aber auch nur.

    Liebe Mara,
    ich wünsche dir ein frohes Fest und besinnliche, schöne Feiertage.
    Deine Silver

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    1. Hatte ich, WO singen ist 'ne feine Sache. Du hoffentlich auch!
      Und danke, mal wieder, mal wieder ... Ja, ich schmeiß' immer zwei verschiedene Weihnachtsteebeutel in die Thermoskanne und schau, was draus wird. Eigentlich hätte ich gerade Lust auf Minztee, abe ich glaube, die im Garten ist beim ersten Frost gestorben (unglaublich, man denkt gar nicht, dass es dieses Jahr mal Frost gegeben haben soll).
      Oh, das klingt aber interessant, mach ruhig. So eine Last Christmas-Abhandlung ist allemal besser als das Lied. Das ist wie bei Twilight: Niemand schaut mehr den Film, bloß die Parodien dazu.
      Ich glaube, wenn's heute erst mal dunkel ist und wir gezwungen werden, "Maria durch ein Dornwald ging" zu singen, dann geht's wirklich los mit der Weihnachtsstimmung. Und wenn wir demnächst gleich Aschenbrödel schauen, mal gucken, wann der nächste Durchlauf anfängt. Kommt ja gerade fast im Stundentakt.
      Jap, stimmt, ich bin immer noch ich ... aber mit ein bisschen neuen Ansichten. Gerade auf diese Dinge bezogen.
      Und trotzdem noch ein Märchenkind, das gerade Libera hört. Manche Dinge bleiben, wie sie sind.

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  5. Wie genial ist den dein Kommentar?!
    Haha, Menschen die mir die Welt und schlechtes Benehmen mit Einhörnern erklären sind mir direkt sympathisch! <3
    Ja, mich freut es aber sehr arg doll dass dieser Winter so mild ist...
    hoffentlich bleibt das so! Da mich momentan aber die Glücksfee mobbt gehe ich mal davon aus dass es noch richtig kalt wird -.-

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    1. Einhörner sind eigentlich immer ein logische Erklärung, wenn man gerade sonst keine hat ... selbst wenn man eine hat. Einhörner sind besser.
      Wenn wir sowieso keine weißen Weihnachten haben sondern Osterwetter, dann kann's meinetwegen auch so bleiben ... aber ich wette, ich kriege noch eine Matschwelle in Berlin ab, reizend.
      Und aus aktuellem Anlass: Frohe Weihnachten! <3

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  6. einfach traumhafte Bilder und tolle worte!

    xx, laura :*
    laura-viktoria.blogspot.com

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  7. Du beschreibt diese diffuse, vorweihnachtliche Stimmung richtig gut. Ich hoffe, du hattest und hast einen schönen heilig Abend <3 Wir singen bei uns in der Jugendkantorei auch das Bachoratorium, je eine Kantate die nächsten Tage. Bin gespannt. Aber im Moment auch entspannt :)
    Frohe Weihnachten!

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  8. Danke! :) Bei uns war's sehr schön gestern Abend, bei dir hoffentlich auch!
    Wir singen immer nur die ersten drei Kantaten am vierten Advent. Ist zwar eigentlich schade, dass die anderen wegfallen, aber ich bin ganz froh, wenn wir nur einmal auftreten müssen. :D
    Ich wünsch dir auch noch wundervolle Feiertage! :)

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  9. "Gloria in excelsis deo" heißt "Ehre sei Gott in der Höhe" :-)

    Als ich diesen Post zum ersten Mal gelesen habe, da hatte ich Carol of the Bells schon kurz zuvor auf deinem alten Jimdoblog entdeckt :-) ich frage mich da immer, was mit diesen Jungs in Knabenchören eigentlich passiert, wenn sie dann in den Stimmbruch kommen. Sofort in den Bass wechseln geht da ja auch eher selten...

    Ich glaube, es gibt einen bestimmten Weihnachtszauber, der nur für die Kinder da ist. Und wenn man älter wird, verliert man ihn und muss nach neuen Wegen suchen, ihn zu finden. Mir fehlt dieses Weihnachtsgefühl auch manchmal, und das obwohl wir einen richtigen Baum und alles hatten.

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    1. Dadadadamm, Rästel gelöst! Das mit der Höhe hat mir Schwierigkeiten bereitet, aber nein, Mara fragt nicht ihren hyperintelligenten "Ich hatte 8 Jahre Latein"-Kommilitonen, sie beschwert sich erst mal auf dem Blog. :D

      Wahrscheinlich müssen die auch erst mal pausieren, wenn ihr Stimmchen unkontrolliert rumeiert, aber dann dürfen sie bestimmt noch ein Weilchen die tiefen Stimmen machen ... und irgendeiner von den ehemaligen Solisten wird manchmal am Keyboard gezeigt, auf dass die treuen Fans auf den Philippinen ihr geliebtes Sputzelchen von damals nochmal bewundern dürfen. Oder so.

      Stimmt leider. Aber irgendwie kommt das bei mir doch immer noch auf, wenn ich zu Hause bin, auch wenn die Vorfreue und das im Zimmer warten, während die Geschenke unter den Baum gelegt werden, wirklich ein bisschen abhanden gekommen ist.

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    2. Und, was hat der Kommilitone gesagt? ;-)

      Geliebtes Sputzelchen. Meine Bildschirmtastatur hat zuerst "Engelchen" vorgeschlagen. Passt ja auch. :D Sputzelchen, Sputzelchen, was für ein herrliches Wort!

      Vielleicht wenn man dann selber Kinder hat...

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    3. Ich hab ihn ja nicht gefragt. Aber bestimmt hätte ich noch ne wissenschaftliche Abhandlung dazu bekommen, das ist die bayrische Elite! ;D

      Jaaahaha, finde ich auch, Sputzelchen ist prima! <3 Und man kann so viel daraus machen, jemanden ansputzeln, sich versputzeln, 'sputzeln' an sich ... Tolles Wort. Was auch immer das alles bedeuten soll.

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