Samstag, 26. Dezember 2015

Weihnachtsklischee


Es ist schon schön, wenn sich die vielen zerrauften Seelen zu Weihnachten aufraffen und ein Funkeln am Ende des Tunnels sehen. Vielleicht nur ein flackerndes Teelicht im provisorischen Adventskranz, aber irgendwie geben sich fast alle Mühe, ein bisschen friedlich zu sein und ein bisschen besinnlich.



Das ist vielleicht ein Klischee, aber eins, das ich mag. Natürlich könnten wir auch sonst immer so friedlich durch die Welt schweben, Aschenbrödel schauen und ein bisschen optimistischer aus dem Fenster sehen. Natürlich könnten wir auch im Sommer den Menschen um uns herum Glück und Freude wünschen, einfach so, und dabei gütig lächelnd Plätzchen herumreichen. Natürlich liegt der Kater das ganze Jahr über niedlich irgendwo herum, aber jetzt hat er sich unter dem Weihnachtsbaum zusammengerollt und irgendwie bringt mich das nach zehn Jahren immer noch zum Lächeln.


Ich war als Kind ziemlich streitlustig. Vielleicht bin ich es sogar immer noch manchmal, aber gerade seit ein paar Wochen sehne ich mich irgendwie nach Harmonie und gutem Gewissen. Nach Engagement, Aussprachen, Großzügigkeit. Habe ich denn überhaupt etwas Besseres zu tun, als Gardinen anzubringen und Schlüssel zu sortieren, damit die Asylbewerber im Nachbardorf endlich in Ruhe ankommen können? Haben wir uns nicht schon lange genug ignoriert? Und was macht schon diese kleine Arbeit, das bisschen Geld für den Tee, was soll's?

Und doch, ich bin immer noch schnell auf die Palme zu bringen; diese kleinen Dinge, kurze Kommentare, immer und immer wieder. Wenn jemand nicht spürt, wann es genug ist, wenn schon alle genervt oder peinlich berührt sind. Das sind Momente, in denen ich mir eine bissige Bemerkung manchmal nicht verkneifen kann.



Aber inzwischen kostet es mich viel weniger Überwindung, solche Fehler einzusehen und um Entschuldigung zu bitten. Natürlich habe ich meine Gründe und die kann ich auch nicht einfach wegwischen, aber müssen wir wirklich darauf beharren? Vielleicht war es gar nicht so gemeint, und: streiten lohnt sich meistens nicht. Es ist eigentlich so viel einfacher, zu reden, statt schmollend auf sein Zimmer gehen. Seinen Stolz für einen Moment zu vergessen und Frieden herzustellen. Den anderen verstehen und nicht darauf herumhacken – wir haben alle unsere eigenen Ansichten und es ist nicht immer das Ziel, in hitzigen Diskussionen zu überzeugen.

Wir haben schon so viel Streit und Krieg um uns herum. Und wir können auch nicht verhindern, dass  immer wieder neue entstehen – aber wir können unsere eigenen beenden.


Kommentare:

  1. Liebes Märchen,
    das ist doch einfach superschön, wenigstens zelebriert ihr das Fest der Liebe wie es sein soll^^
    Schade das so wenige Menschen nur zur Weihnachtszeit Nächstenliebe kennen und sich besinnen.
    Könnte die Menschheit an jedem anderen Tag des Jahres auch gut gebrauchen, naja.
    Klingt jedenfalls gemütlich und friedlich und nach ein paar Erkenntnissen mehr, das ist doch toll.
    Und...Ich weiß jetzt endlich was mir fehlt und die ganze Zeit gefehlt hat! Kein Wunder, das ich nicht in Festtagsstimmung war: ein Kuschelpulli mit Rentier oder Schneemann drauf, natürlich!
    Nächstes Jahr dann. Bestimmt.
    Immer her mit den Silvester-Lobpreisungen, reicht ja, das ich es zerreiße^^
    Wir können wirklich eine Pro-Contra-Liste machen, du auf der Pro, ich auf der Contra-Seite, was auch sonst?
    Ich bleibe noch etwas auf der dunklen Seite und erfreue mich um so mehr an schönen Posts wie deinen.
    Den Rest der Antwort gibt es dann äs juschuäl per Mail.
    Deine Silver


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    1. Wie auch immer es eigentlich sein soll. Irgendeine in einer Whatsapp-Unigruppe (in der ich drei Viertel der Leute nicht mal kenne) hat sich schon aufgespielt, weil sie als Einzige nicht Weihnachten feiert, unterstrichen mit einem dezenten "FUCK CAPITALISM" - ähm ... ja. Achso. Der Kapitalismus ist einfach immer Schuld, schon im Mittelalter, als die Menschen sich zu Weihnachten eine Freude gemacht haben, lag es nur an dieser ollen Marktwirtschaft.
      Das wird mir jetzt eigentlich schon zu politisch, ich hab zu wenig Ahnung von sowas.^^ Aber sich vertragen und einen unbeholfenen Post drüber schreiben ist gerade noch drin. Vor allem, wenn man gemütlich im Wohnzimmer sitzt und den legendären Flausch-Pulli anhat.
      Im Dunkeln leuchten die Silvesterfarben schöner. :) Mal schauen, wie's wird, sind ja bloß noch viereinhalb Tage und in der Zeit sollte ich eventuell mal langsam ein Rückblick schreibseln und Referate vorbereiten und arrgh, diese freie Zeit geht zu schnell vorbei.
      Ich froi mich auf die Mail!

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    2. Ach Gottchen, alles auf den Kapitalismus zu schieben ist ja auch sinnlos. Nein, Silver hat -ganz schnöde und banal, eine ganz persönliche Abneigung, die aber eigentlich gar nicht sooooo schlimm ist.
      Liegt mehr an den Umständen und nicht an der Sache an sich aber..jeder wie er mag.
      Feuerwerk in hellem Sonnenlicht ist wirklich etwas sinnlos.
      Komm auf die dunkle Seite, zumindest an Silvester, aus der Dunkelheit heraus beobachtet sich's besser...was immer das bedeutet.
      'Legendärer Kuschelpulli' wäre dann ein weiterer T-Shirt bzw legendärer Pulli-Spruch, ich glaube, das ist gerade mein Lieblingsspruch.
      Ich besorge mir einen Kapuzenpulli mit Flausch innen drin und lasse das da drauf drucken oder sticken.
      Herrlich!;p

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  2. Guten Morgen meine Liebe.
    Ein schöner Text, auch wenn ich erst nicht reinkam in das, was du vermitteln wolltest. Nun weiß ich es aber. Möchte aber heute nicht viel dazu schreiben, sondern es so schön stehen lassen.

    Lieben Gruß,
    Sanni

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    1. Das ist auch irgendwie nicht gerade mein flüssigster Text geworden ... aber irgendwie wollte ich was zu dem Thema schreiben. Danke! :)

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