Sonntag, 10. Januar 2016

»Irgendwie hat es ja doch immer geklappt.«


Ich starre die Discokugel an, als hätte sie mich hypnotisiert. Die Musik verschwimmt zu einem Hintergrundgeräusch und ich vergesse für einen Moment die Menschen vor mir auf der Tanzfläche. Das ist es also. Vor ein paar Stunden sind wir uns in die Arme gefallen; ohne davor runterzuzählen oder dem Moment entgegen zu fiebern. Wir haben gerade an der Bar gewartet, als die Leute anfingen, zu jubeln. Wie ein Reflex.


Und das war's mit 2015. Heute – nein, gestern – Morgen noch einen glücklichen Moment aufgeschrieben und mir vorgenommen, öfter Leute anzulächeln, aber jetzt ist plötzlich schon das neue Jahr angebrochen. 2015, diese verrückten zwölf Monate, haben Platz gemacht, und dieses Mal habe ich keine Prognose verfasst. Ein paar Dinge notiert, aber eigentlich habe ich keinen Plan. Studium und alles andere, was drum herum so passieren mag. Vielleicht reisen, wieder mehr schreiben und fotografieren, weniger prokrastinieren.
Leben, lieben, lachen, in unbestimmter Reihenfolge oder alles gleichzeitig.

Warum auch immer man für solche Gedanken immer einen 1. Januar braucht.
Ich will das alles so machen, wie es für mich passt.
Nicht für die hohen Ideale unserer Gesellschaft. Nicht für die Rebellen, die genau das bewusst ignorieren.
Nicht für die Dinge, die gerade angesagt sind, nicht für die ungeschriebenen Regeln oder für das, was man von mir erwartet.
Das wollen wir doch alle. Unseren eigenen Werten, Ideen, Träumen nachjagen, obwohl andere nur noch ein müdes Schmunzeln dafür übrig haben. Ich brauche für einige Dinge weniger Zeit und für andere mehr, so ist das eben.
Nicht der Durchschnitt. Es gibt kein drunter oder drüber, kein besser oder schlechter, nur das Abweichen von der Menge, und das ist entweder fabelhaft oder verdammt schwer.

Und ich will auch gar nicht so tun, als sei ich ach so besonders, anders als alle anderen und hätte deswegen so ein kompliziertes Leben.
Klar, das bin ich, irgendwie. Aber das sind wir alle. Wir haben alle unsere Macken, die es uns nicht zwingend einfacher machen und gerade das sollte uns doch zusammenschweißen. Weil wir doch selbst kämpfen und anderen helfen können, auch wenn sie einen anderen Weg einschlagen – indem wir das akzeptieren.



Ich weiß wirklich nicht genau, was mich erwartet. Ich will auch gar nicht zu viel darüber nachdenken, nicht das Risiko eingehen, enttäuscht zu werden, wenn zu viele Pläne durch meinen Kopf schwirren. Das habe ich schon mal versucht, beim Schreiben, und klar, das hat eine Weile funktioniert, aber es wurde langweilig. Wenn man keinen Spielraum hat, wo bleiben dann die Ideen, die spontanen Glückstreffer, die plötzlichen Eingebungen?

Wenn ich einen Plan hätte, würde ich dann das hier schreiben? Irgendwie hat sich etwas verändert, ich tänzele zwischen kryptischen Andeutungen umher, obwohl ich doch genau weiß, was ich sagen will:

Ich kann noch nicht so ganz fassen, dass jetzt ein neues Jahr beginnt, endgültig von zu Hause weg, alles neu und schon wieder vertraut.
Und ich weiß auch nicht, ob nach diesen vielen Abenteuern nochmal genauso viele kommen können. Ob das nötig ist.
Aber ich freue mich jetzt schon so sehr auf diese ungewissen Träume, dass gar nicht viel schief gehen kann.

In meinem Kalender steht »Irgendwie hat es ja doch immer geklappt«. Das habe ich am Montag der ersten Januarwoche geschrieben, als mich dieses Gruppenreferat fast in die Knie gezwungen hat, zumal ich noch eine andere Präsentation vorbereiten musste.
Und jetzt? Jetzt ist Sonntag und mir geht es gut. Alles in Ordnung, nicht perfekt, aber viel besser, als ich zu Beginn der Woche erwartet hätte.

Und so funktioniert das Leben. Auch wenn man das oft nur im Nachhinein sieht.
»Irgendwie hat es ja doch immer geklappt.«
Die erste Januarwoche. Und dieses ganze neue Jahr.







Tja, und tut mir leid, dass mein Gesichtsausdruck auf den Bildern genau so konstant ist wie der von Kristen Stewart; diese Wunderkerzen haben mir meine komplette Konzentration abverlangt und es war wirklich verdammt kalt.

Kommentare:

  1. Tolle Bilder und auch Kristen-Stewart-Gesichtausdruck, haha ;) Mir gefallen deine Gedanken und besonders das was du über die beiden Richtungen Ideal und Rebellion schreibst. Wirklich anregende Ideen und Worte.

    Danke dir für deine beiden tollen Kommentare! Es stimmt auf jeden Fall, dass Gewalttaten etwas sind, für das Opfer nichts dafür können und irrsinnige Vorschläge aus der Politik helfen da eben auch nicht weiter. Was die Biennale angeht, kann ich dir wirklich nur raten diese bei Gelegenheit zu besichtigen. Wirkliche eine tolle Ausstellung. Dass du vor kurzem erst in dem Gebäude warst finde ich sehr lustig und dieses würde ich auch sehr gerne mal sehen.

    Alles Liebe! :)

    mtrjschk.blogspot.com

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    1. Dankeschön! :) Ich weiß echt nicht, was los war, ich hab wohl einfach meinen Mund nicht zubekommen.
      Irgendwie fällt es mir oft auf, dass manche Leute so extrem gegen den Strich gehen, dass es schon wieder regelhaft wirkt ... einfach nur der Gegensatz, nichts weiter.

      Ich will gar nicht so wirklich wissen, wie sich das entwickelt ...
      Steht auf dem Teufelsberg in Berlin, an den Wochenenden ist zur vollen Stunde immer eine Führung übers Gelände, glaube ich. Echt spannend, ich liebe diese abgefuckte Stimmung.

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  2. Hast du auch immer Panik vor den Stichen, wenn die Funken der Wunderkerze auf der Haut landen? :-)

    Irgendwie hat es ja immer geklappt... Ja, wenn man das macht, was man gerade tun sollte, wenn nicht, dann wehe...

    All die Dinge, die ich diese Ferien hätte tun sollen und jetzt nicht getan habe...

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    1. In dem Moment nicht, ich war viel zu beschäftigt, um darüber nachzudenken. Dass ich auf dem einen Bild einen Funken am Haaransatz habe, gibt mir aber doch zu denken...

      Naja ... ich tue auch oft Dinge, die ich nicht tun sollte. Vorzugsweise Candy Crush spielen, wenn ich lernen soll, aber auch andere Dummheiten. Trotzdem bin ich irgendwie nach 17einhalb Jahren ziemlich glücklich. Passt.

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  3. Na,
    dein Kalender ist aber positiv^^
    Stimmt schon, es klappt immer irgendwie, kommt nur darauf an, was man sich so vornimmt.
    Im Februar folgt vielleicht, 'Es kommt immer anders als man denkt' aber..es klappt schon irgendwie.
    Ich finde, es ist schwer, seinen eigenen Weg zu gehen, in dem Tempo, das für einen und die momentane Herausforderung angemessen und nötig ist.
    Gerade wegen der Menschen, die so hier und da im Weg herumstehen und einen verunsichern oder die Stöckchen heraus holen um sie dir zwischen die Beine zu werfen.
    Schnell nochmal aufrufen:es klappt schon irgendwie, immer weiter machen.
    Das stimmt, jeder Mensch hat seine Macken. Ich habe vergessen, was ich dazu schreiben wollte...kommt bestimmt irgendwann wieder.
    Du, es gibt viele erfolgreiche Schauspieler, die genau einen Gesichtsausdruck beherrschen^^
    Normal guckst du ja schon auch mal anders, also alles gut, so eine Wunderkerze ist schon tricky...ich habe auch versucht eine zu fotografieren, während ich sie halte, das ist wirklich nicht einfach. Wirklich.
    Pläne machen ist ok, muss man sogar hier und da, sonst sind die Karten für's Konzert ausverkauft oder der Urlaub fällt flach weil..wegen irgendwas.
    Mara, du weißt schon, wann du rebellieren solltest, wann du mal einen Schritt langsamer machst oder was auch immer.
    Da bin ich mir ganz sicher. Aber bitte erst die Schuhe zubinden und dann losrennen, nicht straucheln bitte.
    Und falls du gerade mal nicht weiter weißt, es klappt doch immer irgendwie.
    Boh, hab ich wieder getextet.
    Ich finde die Bilder schön, Wunderkerzen gehen immer.
    Ich häng mich an die Schnur, die rote, bin gespannt auf 2016. Mit dir hier, das wird super!
    Bis bald,
    Silver:}

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    1. Der ist rosa und niedlich, aber da ist so viel Platz für Notizen, dass ich den einfach auch mal nutzen wollte. Also schreib ich motivierende Sprüche rein und die kann ich dann abhaken, schönes Gefühl.
      Im Februar kommen die Prüfungen ... aber ich denke, die klappen auch. Sollte ich mir echt schon so aufschreiben - "Andere Aufgaben, als ich dachte, aber ich sauge mir schon was aus den Fingern."
      Jup. Sich treiben lassen ist halt einfacher, als sich gegen den Strom zu stemmen oder noch schneller zu schwimmen. Aber nur da rumdümpeln, wenn man so viel mehr tun könnte ... das wäre ja auch Verschwendung.
      Und bei mir isses der "Ich lebensphilosophiere gerade, sei mal kurz still"-Blick. Könnte vermutlich schlimmer sein. Aber immerhin, du verstehst mich, Wunderkerzen sind tückisch.^^
      Stimmt, so ganz spontan geht natürlich auch nicht - aber danke für dein Vertrauen! Das ermutigt irgendwie, mal wieder ins Leben zu hüpfen wie in ein Bällebad. Ich habe heute übrigens in der Uni gelernt, dass ich Mainstream-Ästhetik blogge, oder sowas Ähnliches, kann ich aber auch gut mit leben. Mainstream-klapptirgendwie, Mainstream-Blick, Mainstream-Wunderkerzen, ist egal, macht Spaß.
      Ohhh ja! Wir flechten was richtig Schönes aus dieser roten Schnur, verlass dich drauf!

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    2. Mainstream-Ästhetik?!
      Also ich verstehe unter Mainstream ja sowas wie Fashion-Lifestyle-irgendwas mit Essen..aber gut wenn die Uni das sagt.
      Oder jemand, der 'Medien' studiert.
      Die wissen's sicher besser.
      Ach, ab und an wird auch gegen den Strom gepaddelt, nicht zwingend, nur wenn es sein muss uuuund dahinzudümpeln hört sich lahmer an als es ist.
      Denn es ziehen doch mal Stürme auf, denen man nicht ausweichen kann obwohl man schon längst sieht, wie sie sich am Horizont zusammenbrauen.
      Seefahrer-Metapher funktionieren auch immer.
      Aber es stimmt schon, man könnte immer irgendwie mehr tun, wäre doch diese komische Bremse in meinem Kopf mal außer Funktion..das wäre gut.

      Ich möchte auch den 'ich philosophiere gerade über's Leben'-Blick beherrschen, denn ich glaube, ich sehe dann eher aus, als würde ich gleich einschlafen.
      Naja.
      Ab ins Bällebad und sollte es doch mal zuviel werden, die rote Schnur dient auch als Rettungsschnur, als Schnürsenkelersatz, Zopfband, Entspannungsübung(Flechten) und und.
      Oder einfach ne Wunderkerze anzünden, ich hab noch welche..Donnerstag wird eine abgefackelt und sich was gewünscht(*zwinker*)
      ^^

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  4. Hallo,
    Wie immer schöner Post, auch die Bilder sind wunderbar stimmungsvoll irgendwie, trotz des Kristen Steward Gesichtsausdruckes ;D Das kenne ich aber selbst ganz gut^^ Es gibt Fotos vom letzten Jahr, auf denen ich geritten bin und ich hab auf jedem verdammten Bild meine Zunge zwischen den Zähnen. Extrem dämliche Angewohnheit! Seit dem achte ich immer darauf wie ich meine Konzentration zum Ausdruck bringe xD

    "Irgendwie hat es ja doch immer geklappt" könnte glatt mein Lebensmotto sein, "Das wird schon irgendwie"...
    Mein Gehirn ist zum Glück ganz gut auf solche Sprüche abgerichtet. Sonst würden mich viele Dinge vermutlich deutlich mehr runterziehen und mir würde es psychisch längst nicht nicht so gut gehen. "Alles geht irgendwie weiter"...

    Ich finde die Stimmung an Silvester immer etwas merkwürdig. Auf einmal soll das Jahr zu Ende sein. Noch mal an alles zurückdenken was passiert ist, alles hinter sich lassen um neue freie Monate vor sich zu haben. Man verspricht anderen und sich selbst irgendwelche Sachen die man dann meist doch nie einhält. Ich verteile sowas lieber auf mehrere Tage, als auf eins, zwei Stunden (und versuche dann auch Versprechen zu geben die ich halten kann^^)
    Und trotzdem: "The same procedure as every year" und irgendwie hat so ein Silvester Abend dann doch etwas... Dinner for one, Wunderkerzen und einfach zusammensein.

    Ich wünsche dir ein wundervolle neues Jahr und für heute erst einmal noch einen schönen Sonntag,
    alles liebe, Linn:)

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    1. Das mit der Zunge passiert mir immer, wenn ich mich physisch anstrenge, nach dem Umzug hatte ich erst mal ganz trockene Lippen davon. :D
      Ja, auch wenn man manchmal echt nicht dran glauben will ... aber bis jetzt ging es tatsächlich jedes Mal weiter und irgendwie gehört das dazu. Selbst auf die Dinge, die man total verkackt hat, kann man irgendwann mal lächelnd zurückblicken oder zumindest, ohne sich davon mitnehmen zu lassen. Dauert nur manchmal leider sehr, sehr lang.
      Ja, es ist komisch, wie man sich an Daten und Regeln klammert, die auch nur irgendjemand festgesetzt hat ... obwohl es wirklich besser ist, wenn man von sich aus was tut und nicht bloß für's neue Jahr. Tja. Aber die Wunderkerzen mag ich trotzdem. :D
      Ich wünsch dir auch noch einen schönen Sonntag! :)

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