Samstag, 30. Januar 2016

On Powdered Ground


»Go back and forward,
but all is melting like the snow.
Taking all from us,
all we thought was left to know

On what we treasure
falls a dusty snow
taking us backwards
but where we will never know.

This strong old blizzard,
I will let it blow
to undiscovered places
underneath the snow.«
Agnes Obel, On Powdered Ground



Ich weiß nicht mehr, in welche Richtung ich laufe. Vor oder zurück?
Ich weiß, wohin ich gehen will, aber nicht, ob ich mich dazu überwinden kann. Seltsam, dass wir träumen, nach den Sternen greifen wollen und dann den Arm auf halbem Weg in der Luft schweben lassen, wenn die Erde unter unseren Füßen erzittert. Als hätten wir das nicht geahnt. Als wären wir nicht ganz bewusst so weit gelaufen, über Sand, auf Gras, durch den Schnee. Als hätten wir vergessen, das wir nie am Ende sind und dass es selten leichter wird.
Wir hinterlassen Spuren. Hinter mir wachsen Blumen, lange Gräser und Dornensträucher. Manchmal tauchen sie direkt neben mir auf und ich rieche an den süßen Blüten oder ritze meine Fingerkuppe an den spitzen Stacheln.
Der Weg zeichnet uns. Wir sind schon lange nicht mehr die, die wir waren, als wir losliefen und als ich innehalte, meine Gedanken schweben lasse und die eisige Luft in meine Lungen strömt, spüre ich all das tief in mir selbst. Alte Narben, frische Wunden, wunderschöne Bilder, die ich am liebsten herauslassen möchte, auf meine Haut und in die Welt. Einige sind schon vollendet, andere entstehen gerade erst und die meisten werden einfach immer größer.
Manche verschwinden unter verstaubtem Schnee und fließen mit dem Tauwasser fort, wenn niemand mehr daran denkt, die Flocken wegzublasen.
Ich glaube, dieses Mal muss ich dem Sturm trotzen, wie so viele andere es schon lange getan haben. Das hier war noch nie meine Stärke, aber ich will das schaffen; weil es besser wird, weil ich stolz auf mich sein will, weil ich gewählt habe und nicht bei der kleinsten Böe umfallen werde.
Denn wenn der Wind nachlässt und die letzten Eiskristalle schmelzen, dann beginnt die Welt, zu blühen – vielleicht viel schöner als jemals zu vor. Die schweren, toten Äste werden vom Tauwasser fortgespült und plötzlich ist viel mehr Raum für den weichen Rasen unter meinen Füßen und die vorwitzigen Gänseblümchen, die dazwischen hervorlugen.





Nicht heute. Der Schnee liegt noch in der Luft und die Brise wirbelt mein Haar in alle Richtungen, aber ich weiß, dass der Frühling kommt.






Kommentare:

  1. Liebe Mara,
    das ist ein so schöner Text und ich denke nur..brr kalt, war dir nicht kalt? Und..was für ein schöner Cardigan^^
    Das ist vielleicht wirklich so, dass wie nie am Ende sind, nie wissen, wohin wir laufen und wenn doch, trotzdem schnell mal die Orientierung verlieren.
    Als wären wir im All, kein oben und unten, nichts zum daran festhalten.
    Aber, du weißt, Silver glaubt an dich..und deine Gedanken.
    Du und deine Gedanken werden bleiben, nichts wird fortgespült, was nicht fortgespült werden kann, was bleiben soll wird bleiben weil du willst, dass es bleibt.
    Und oh, es sieht kalt und wunderschön aus!
    'Alte Narben, frische Wunden'-das ist das Leben, du hast gerade einen weiteren T-Shirt-Spruch hinzugefügt^^
    Silver<1

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    1. Dankeschön! :)
      Ohhh ja ... aber es ging, war ja nicht lang, nur auf dem Rückweg hat's an den Beinen gepiekt weil ich keine Lust hatte, die Strumpfhose wieder anzuziehen für die zwei Minuten, mir sind eh schon fast die Finger taub geworden. Es ist höchst unangenehm, ein Stativ zusammenzuklappen, wenn man nur halb spürt, was man tut.
      Wir sind ja sogar im All. Vielleicht ist die Erde auch nur unser klitzekleiner Anhaltspunkt. Und wir laufen im Kreis darauf herum.
      Wow, sowas denke ich mir aus, wenn ich nicht lernen will. Und nochmal vielen, vielen Dank - fürs Glauben und sowieso. Ich bleibe hier.
      Ich müsste eigentlich alles Kommentare und Mails nochmal durchgehen und die ganzen Sprüche aufschreiben. Und dann machen wir echt einen Shirt-Shop auf (Alliteration, jawolla, ich hab doch für die Prüfungen gelernt).

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  2. Was für mega schöne Winterbilder. Das zarte rosa deines Kleides passt perfekt zu der tollen Landschaft, aber wie hast du es in dem Kleid bei diesen Temperaturen draußen ausgehalten?
    Auf meinem Blog gibt es gerade etwas zu gewinnen, vielleicht schaust du ja mal vorbei. :)

    Liebe Grüße Pierre

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    1. Vielen lieben Dank! :) Naja, war ja bloß für zehn Minuten, dann hab ich zusammen gepackt und bin nach Hause gehuscht. Da ist das gar nicht mal so schlimm.
      Klar, ich schau mal vorbei. ;)

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  3. Sehr schöne, zarte Fotos. Wirken sehr zerbrechlich und verletzlich.
    Und Respekt: bei den Temperaturen in dem luftigen Kleid... ich wäre erfroren! ;)

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    1. Vielen lieben Dank! :)
      War ein Glück nur ganz kurz, dann bin ich auch schon wieder nach Hause gestiefelt und hab mich aufgewärmt.

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  4. Wahnsinnig schöner Text und wunderschöne Bilder ♥
    Ich bin sehr berührt und ein klein wenig sprachlos..
    Übrigens ist das Kleid wunderschön, darf ich fragen, woher das ist? :)

    Liebe Grüße
    Chrisi

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    1. Vielen, vielen Dank, liebe Chrisi! <3 Und Entschuldigung wegen der verspäteten Antwort. Das Kleid ist von Topshop, ich konnte es bei Zalando aber leider nirgendwo mehr finden.

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  5. Brrr. Wie hältst du es nur aus, in so luftigen Kleidern im Schnee rumzulaufen? Ich bin ja selbst in geschlossenene Räumen ein Pulloverkind...

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    1. Ich wärme meine Hände immer an meine Schreibtischlampe - soll heißen, eigentlich gehöre ich auch zu den Frostbeulen. :D Ich bin danach sofort wieder nach Hause gestiefelt, aber wer schöne Bilder will, muss leiden. Oder so in der Art.

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  6. Liebe Mara,
    ich habe deinen Blog gerade entdeckt und bin wirklich begeistert. Hier steckt so viel Liebe im Detail!
    Ich schaue mich nochmal weiter um. :)
    Liebe Grüße,
    Marlene von http://marlene-bloggt.blogspot.com/

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    1. Vielen lieben Dank, Marlene - freut mich, dass dir das so auffällt! :)

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  7. Wunderschöner Text und wirklich zauberhafte Bilder!

    Alles Liebe
    Hannah

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