Sonntag, 28. Februar 2016

Zu viel gesagt


Es ist erstaunlich, was die Leute denken. Über mich, über die vielen Menschen um sie herum, über sich; auf die Art und Weise, wie andere Leute sie wahrnehmen; über die ungeschriebenen Gesetze, die wir vielleicht ähnlich, aber doch ganz anders interpretieren.


Wenn Leute sich selbst beschreiben sollen, beginnen sie oft damit, wie schwer es ihnen fällt, dass sie das vermutlich gar nicht auf ein paar Sätze reduzieren können, aber sie würden es versuchen.
Nein. Natürlich kann man das nicht. Worte allein reichen dafür gar nicht aus, nicht mal, um die Person zu beschreiben, die man nun mal am besten kennt – sich selbst.

Aber trotzdem tue ich das. Schreibe einen Lebenslauf für die Unterlagen, die »About«-Seite auf dem Blog, ein paar Schlagworte für die Beschreibung bei Instagram. »Normalerweise bleibe ich bei sowas ja ganz ruhig …« und »Ich liebe das!«
Das gehört alles irgendwie dazu, zum großen Ganzen, aber ich glaube nicht, dass ich das einfach so ausdrücken kann und wenn doch, würde ich nie zum Schluss kommen. Menschen ändern sich.

Nicht nur, wenn es um mich selbst geht. Ich stecke auch andere Leute in Schubladen.
Das geht manchmal gar nicht anders, viel zu oft bleibt keine Zeit. Nur eine oberflächliche Berührung, eine halbe Stunde und ich gehe weiter, mit einem Lächeln im Gesicht oder achselzuckend, selten erleichtert.


Aber was gibt mir dann das Recht, zu urteilen? Wie kann ich sagen »Naja, sie redet ein bisschen viel und zwar nicht gerade über interessante Dinge«, obwohl ich gar nicht wirklich einschätzen kann, ob sie einfach nur furchtbar nervös war in diesen zwanzig Minuten, in denen wir nebeneinander saßen?
Ja, natürlich gibt es Menschen, mit denen ich auf der höflichen Plauder-Ebene verbleiben möchte. Und eigentlich ist es doch auch in Ordnung, wenn ich meine Meinung äußere – aber wo hört das auf? Wie oft habe ich schon Dinge gesagt, die gar nicht stimmen, wie oft haben wir kichernd gelästert und so maßlos übertrieben, dass es wehtut?

Denn das kann wehtun.
Und wütend machen.
Letztens konnte ich nur ungläubig lachen.
Es ist schockierend, zu hören, was Menschen denken und hinter meinem Rücken sagen. Auch wenn ich weiß, dass es nicht stimmt, wenn meine Freunde mir das bestätigen und zu mir halten, wenn ich zuckersüß lächelnd parieren könnte. Es fühlt sich seltsam an. Was habe ich denn getan – oder ist das einfach nur dein Problem und nicht meins?

Ich bin nämlich eigentlich glücklich. Weil ich weder eifersüchtig bin noch hasse. Weil ich gerade diesen Roman lese und eine der Figuren Fantine heißt, die Kindliche, und ich denke, das ist nichts Schlechtes. Weil ich mich jetzt schon auf die Sommerakademien freue – ich weiß nicht genau, wie, aber irgendwie habe ich sie mir wohl doch verdient.
Weil ich ausnahmsweise ganz genau weiß, was leere Worte sind und was nicht.

Vielleicht habe ich gelernt, dass man seine Zunge hüten sollte, wenn man Gift versprühen will. Manchmal weht Gegenwind.


(Keine Sorge, da hab ich mich bloß an Halloween ausgetobt.)

Kommentare:

  1. Liebe Mara,
    also echt mal..war ich erschrocken!
    Das letzte Bild beweist, dass ein Puppengesicht nicht immer niedlich sein bedeutet...krass^^
    Aber die anderen Fotos sind schön.
    Ach ja, ich glaube wir schrieben irgendwann mal darüber, dass wir nur wenige Sekunden brauchen um einen anderen(uns fremden) Menschen als sympathisch einzustufen oder nicht.
    Oder als sonstwas. Allerdings ist es ja, wie du schon bemerkt hast, nur ein flüchtiger Eindruck und der kann täuschen.
    Und wir werden ja dauernd dazu aufgefordert zu bewerten und zu entscheiden, auf allen möglichen Plattformen.
    Kann man nur versuchen, nicht immer so voreilig zu sein und sich die Zeit zu nehmen, andere erstmal kennen zu lernen (und dann gnadenlos zu bewerten^^)
    Wenn man dann allerdings-nach Jahren vielleicht-mitbekommt wie Freunde über einen denken...ähm, das ist hart.
    Ich hoffe mal, das war bei dir nicht so, sondern nur irgendwer.
    Und ich finde es völlig in Ordnung wenn jemand glücklich ist, positiv, lebensfroh, das ist doch was Schönes.
    Leere Worte sind tragisch, sagen sie doch eigentlich am meisten etwas aus.
    Über den, der sie ausspricht und über andere Dinge.
    Bla, Vortrag fertig.
    Natürlich hatte ich den Post hier schon längst entdeckt aber wollte brav deine Nachricht abwarten:)
    Und was los Mara? Andere Kommentare vom vorigen Post noch nicht kommentiert, du rebellierst, alles klar^^

    Hab noch schöne Semesterferien,
    bis bald,
    Silver<$

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    1. So. Hab jetzt ganz flott die anderen Kommentare beantwortet, nicht rebellisch, sondern verpennt und alles und bla. Da hab ich unglaublich viel Zeit und mach nix draus, furchtbar.
      Hach, ja ... Das hab ich bei Instagram gepostet und eine hat mich tatsächlich nicht erkannt, hat aber Spaß gemacht, das zu basteln.
      Danke! :)
      Ja, stimmt, deswegen bei Vorstellungsgesprächen immer sofort schön lächeln und selbstsicher wirken und so, ne? Ist aber halt doof, wenn man das dann verkackt, ein bisschen Zeit sollte man schon bekommen.
      Die Story mail ich dir mal, das gehört nicht hierher, aber mit meinen Freunden komme ich noch ganz gut klar, hoffe ich doch mal.
      Und ja, glücklich sein ist eigentlich schön. "It's okay", I tell her, "it's okay to be happy." Sagte schon David Levithan.
      Ha, das ist gut! Über den, der sie ausspricht ... wir haben wirklich zu viele leere Worte.

      Ich frage mich gerade, ob der Newsletter vorhin auch schon wieder unnötig war ... aber immerhin stand was Zusätzliches über random Anglizismen drin. Du bist zu flott!^^

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  2. Hey liebe Mara,

    wunderschöne Post wieder einmal :)
    Manchmal frage ich mich, wie viel andere Menschen wirklich über einen denken und wie oft sie nur einfach etwas über einen sagen, um auch etwas gesagt zu haben, obwohl sie eigentlich nur denken "Joa, das ist ein Mensch.", sonst nix. Mir fällt in letzter Zeit sehr oft auf, dass ich über viele Menschen, die ich so treffe oder auch schon länger kenne (z. B. aus der Schule) einfach gar nichts denke. Weder Positives noch Negatives. Und das finde ich gut so, denn dann kann ich mir dabei Zeit lassen, einen Menschen kennen zu lernen, anstatt anhand irgendwelcher Halbwahrheiten, die ich gehört habe oder kurzen Momenten, die für die Person, vielleicht gar nicht so typisch sind, einen Menschen zu verurteilen.

    Und ich habe schon so oft die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die mir auf den ersten Blick gar nicht so sympathisch waren, zu guten Freunden wurden. Manchmal auch erst nach Jahren.

    Naja, was ich eigentlich sagen will: Ich glaube, es gibt so viele Menschen, die einfach nur reden wollen, um irgendwie mitreden zu können, aber das, was sie sagen, eigentlich gar nicht wirklich denken. Und ich denke, das Beste, was wir machen können, ist, dabei einfach nicht mitzumachen.

    (keine Ahnung, ob das jetzt direkt, was mit deinem Post zutun hat, aber das ging mir dabei durch den Kopf ^^)

    Liebe Grüße
    Chrisi

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    1. Ich hatte mal eine Lehrerin, die es lieber gehabt hätte, wenn man sie hasst als sagt "Die ist mir egal" - was jetzt irgendwie extrem klingt, aber ich finde eben auch: wenn man Leute noch nicht gut kennt, dann ist es doch besser, sich erst mal keine Meinung zu bilden als sich auf Zwang irgendwas auszudenken, das hat doch Zeit.
      Und mir hat auch letztens eine Uni-Freundin erzählt, sie hätte mich ganz am Anfang erst mal ein bisschen komisch gefunden. Das hört sich irgendwie nicht so toll an, aber immerhin, sie hätte es mir ja nicht so offen erzählt, wenn sie ihre Meinung nicht geändert hätte und ich bin froh, dass sie sich da Zeit gelassen hat.
      Das Gefühl habe ich auch manchmal - generell, da stimme ich dir 100% zu. Man muss nicht immer seinen Senf da lassen.

      Selbst wenn's nicht damit zu tun hätte (was allerdings sowieso nicht der Fall ist :D), ich freue mich eh über solche langen Kommentare und wenn manche Leute so weit über den Post hinausdenken, das ist so interessant zu lesen! :)

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