Mittwoch, 2. März 2016

Das sind Wünsche


But I spent too much time sitting on my bed doing nothing. When was the last time I wanted to change the world? When have I become so passive?
Maybe it's time to get up. Do something with the power that was given to me, with all the gifts lying in a deep slumber.
There is so much more to do than just wasting my youth. In the end I might look back and be proud of myself - and isn't that one of the most important things?


Jetzt ist es schon zwei Jahre her, dass auf diesem Blog mein erster Post erschienen ist.
Dasselbe Kleid, derselbe Ort, andere Gedanken.
Es ist so viel passiert, und wenn ich mal wieder meine Worte von damals lese, muss ich meistens lächeln. Ich vergesse manchmal, was mich beschäftigt hat als Fünfzehnjährige, aber hier ist das alles aufgelistet, in Bildern und Metaphern. Wahrscheinlich verstehe ich vieles davon inzwischen ganz anders als früher – es ist, als würde ich die Vergangenheit durch das Glas einer alten Vitrine betrachten, ein bisschen distanziert und verschwommen, aber es ist immer noch da.
Zwei Jahre. Eigentlich gar nicht so viel.
Und das ist es doch. Ich bin wieder in meiner Heimatstadt – nicht mit dem Bus gekommen, meine Mama hat mich vom Zug abgeholt, und jetzt sitze ich hier neben meiner Reisetasche, der alte Kater springt vertrauensvoll schnurrend auf meinen Schoß und ich bin trotzdem ein Gast in dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin. Das allein ist schon genug, um mich spüren zu lassen, wie viel sich verändert hat.




Aber diese Bilder sehen fast so aus wie vor einem Jahr, so ähnlich wie die von 2014. Irgendwie ein bisschen fad. Mir war so kalt, unter meinen Füßen die Entenscheiße wie beim ersten Mal, der See nicht zugefroren, es ist ein warmer Märzanfang. Aber trotzdem, ein bisschen ist geblieben, irgendetwas erinnert mich daran, wie ich damals hin und her gelaufen bin – einen Fernauslöser besaß ich noch nicht, scharf stellen hat auch nicht wirklich funktioniert – um ein paar Augenblicke zu erhaschen von diesem nebeligem Morgen.

Keine großen Worte damals. Ein paar Gedankenfetzen zu dieser einsamen Morgenstille und der großen weiten Bloggerwelt; die leise Ahnung von Nervosität. Wie wird man das hier aufnehmen? Noch ein kleines Mädchen mit der Kamera, die jeder hat, braucht man das? Ich habe niemandem davon erzählt, erst, als ich etwas mehr Vertrauen fasste, lächelnd Kommentare beantwortete, mir Notizen machte für den nächsten Post.

Ein Jahr später beschloss ich, dass mir egal ist, was die Leute denken. Dass dieser Blog eben zu mir gehört, dass ich mich nicht schämen muss, bloß weil sonst kaum jemand in meinem Bekannntenkreis Texte schreibt und im Internet veröffentlicht. Natürlich gibt es immer viele Leute, die rein gar nichts hiermit anfangen können – aber das ist doch eigentlich gar kein Problem. Passiert halt. Es gibt so viele Dinge, die ich stattdessen nicht tue.
Und ich war so glücklich über die Menschen, die sich hier tummelten, weiter dachten, sich inspirieren ließen. »Oh, I feel overjoyed when you listen to my words.«

Und jetzt ist schon wieder ein Jahr vorbei und dieses Mal will ich mich selbst inspirieren.
Weniger Zeit verschwenden.
Mehr gute Bücher lesen und zwischendurch mal ganz triviale, weil das eben Spaß macht.
Weiter Norwegisch lernen; im Februar 2015 habe ich angefangen, fast jeden Abend geübt und langsam tragen meine Bemühungen Früchte.
Französisch lesen und hören, damit sich die Ergebnisse von 6 Jahren Unterricht nicht sang- und klanglos in Luft auflösen.
Mein Studium genießen und mich noch mehr für all das begeistern.
Mich engagieren.
Wenigstens einen Teil dieses riesigen politischen Wirrwarrs verstehen, um mehr dazu sagen zu können als ein paar Bauchgefühlbemerkungen – denn mit den richtigen Leuten ist das furchtbar interessant.
Diese Anwandlungen von Menschenscheu überwinden, weil die meisten Menschen ziemlich fabelhaft sind.
Mehr Lächeln und weniger Angst haben.
Ausprobieren.

Das sind keine Vorsätze; Vorsätze hält man sowieso nicht ein.
Das sind Wünsche. Nicht ab jetzt und nicht genau 365 Tage lang, bis ich mit der nächsten Ladung ankomme, sondern schon eine ganze Weile in mir verwurzelt und hoffentlich so lang hier, bis ich sie nicht mehr brauche, weil ich sie erfüllt habe.


Wir haben so unglaublich viel Zeit, aber sie bleibt nicht stehen. Ich will nicht eines Tages bereuen, wie wenig ich damals getan habe; ich will stolz sein. Weil ich mitgelaufen bin.

Kommentare:

  1. Wieder ein toller Post.. :) Und es ist schon unglaublich.. Ich habe im April 2014 mit meinem Blog begonnen und dein Blog war glaub ich einer mit der ersten dem ich gefolgt bin, auch, weil mich dieses Bilder auf dem Steg so faszinierten..
    Auch dieses Bilder, 2 Jahre später, gefallen mir wieder sehr gut.. und der Text dazu - auch wieder richtig schön.. Schon iwie seltsam darüber nachzudenken, dass das vor 2 Jahren alles angefangen hat.. :)
    Liebe Grüße aus dem hohen Norden,
    Nadja

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    1. Vielen lieben Dank Nadja - stimmt, du bist ja echt fast seit Beginn dabei, lustig, dass wir so fast gleichzeitig angefangen haben. Ich hoffe mal, der Steg bleibt da noch ein Weile für meine Traditions-Fotos, ich bin gespannt, wie viele Fotoreihen das noch werden und wie viele Jahre wir dann beide zurück blicken. (:

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  2. Sind es tatsächlich schon zwei Jahre?
    Herzlichen Glückwunsch:)
    Ich erinnere mich gut an die Bilder von damals, es beruhigt mich ja, dass sich gar nicht so viel -rein äußerlich- verändert hat.
    So vertraut irgendwie.
    Und du schaffst es immer und immer wieder solche Texte zu schreiben.
    Die Mut machen und Hoffnung und mich auch nachdenklich zurücklassen.
    Die daran erinnern, was man eigentlich alles schaffen kann.
    Norwegisch...du bist so fleißig, was habe ich eigentlich getan?
    Das klären wir in der Mail.

    Bis bald liebe Mara,
    Silver<oo (Schoko und Pistazie)

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    1. Danke! Und das Jimdo-Zeugs ist ja sogar noch älter, da tummele ich mich ja schon drei Jahre ... Krass, krass.
      Ja, das mag ich irgendwie auch. Sieht genau so aus, nur so ein paar Details - keine Ikea-Laterne, die ist schon in Berlin, und noch ein paar Festivalbänder in der einen Ecke, aber sonst gibt es auch Dinge, die eben so bleiben,
      Zeit verschwenden darf man auch mal, aber trotzdem will ich eigentlich sooo viel mehr Dinge schaffen ... im Endeffekt macht das glücklich. Und bestimmt hast du eine ganze Menge getan, überhaupt, Norwegisch ist eh ziemlich leicht zu lernen, klingt bloß eine Prise exotischer als spanisch oder so.
      Aber stimmt, Mail!, die tippe ich dann mal jetzt ab, bis dann! <8 (Infinity-Herz oder Schoko und Erdbeere? Aber nur das geile Erdbeereis von Karls Erdbeerhof *Schleichwerbung*, das ist echt fabelhaft.)

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  3. Liebe Mara,
    herzlichen Glückwunsch zu den zwei Jahren! :)
    Ich habe deinen Blog ja erst vor nicht allzu langer Zeit entdeckt und lese ihn nun wahnsinnig gerne, du schreibst so wunderschöne Texte mit fantastischen Bildern dazu :)
    Wünsche statt Vorsätze, das gefällt mir. Ich wünsche dir, dass diese Wünsche alle mit der Zeit in Erfüllung gehen werden!

    Liebe Grüße
    Chrisi

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    1. Vielen, vielen Dank, liebe Chrisi - ich freu mich jetzt schon, wenn ich einen Kommentar von dir sehe und lese! :)
      Hoffen wir mal das Beste!

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