Freitag, 8. April 2016

Alles gut


Mir wurde letztens vorgeworfen, ich sei zu sentimental und melodramatisch. Also, eher meine Texte, ob ich selbst auch gemeint war, weiß ich nicht, aber man soll sich ja seiner Kritiker annehmen, also kommen hier ein paar Worte aus glücklichen Zeiten. Wurde auch langsam überfällig, ich bin ja nun mal zu 98,7% eher glücklich oder zumindest zufrieden. Mindestens total okay.
Ich bin dann bloß immer so sehr damit beschäftigt, alles gut zu finden, dass ich das nicht verblogge. Wenn man traurig oder wütend ist, ist es eine gute Idee, etwas zu schreiben, anstatt zu heulen oder etwas kaputt zu hauen. Wenn man glücklich ist, ist es eine gute Idee, einfach zu leben.


In Berlin ist nämlich ein bisschen Frühling angekommen und da kann man gar nicht lange traurig sein. So furchtbar der Winter auch war (und wehe, jetzt werden hier irgendwelche ursibirischen Stimmen laut, die behaupten, das hier sei kein Winter gewesen – wohl! Das war es!), jetzt ist es wieder warm, die Sonne scheint und all die glücklichen Familien kommen aus ihren kleinen Wohnungen gekrochen, damit die Kinder am oder im Springbrunnen spielen können. Je nachdem, ob er schon wieder in Betrieb ist. Tropfnasse Kinder bestätigen als Ausnahme die Regel.
Grund genug, um sich in die U-Bahn zu setzen und irgendwo außerhalb des geschäftigen Rings eine Bank auf dem Waldfriedhof zu suchen. Da war ich in der Tat glücklich, vor allem, weil ich mein Semesterticket vergessen hatte, der Kontrolleur schon direkt vor mir stand und mich dann einfach ignoriert hat. Anlass genug für ein Lächeln direkt in die Sonne! Und Friedhöfe sind gar nicht so morbide, sondern sehr friedlich und schön, wenn man sie mit dem Kindergekreisch auf winzigen Schöneberger Plätzen vergleicht. Vor allem, wenn wieder so ein Knirps in den Brunnen plumpst, das stört ungemein beim Lesen.


Ich bin auch glücklich, weil mein Bett frisch bezogen und das Fenster geputzt ist und ich eine Serie wiederentdeckt habe, die ich als Kind manchmal bei einer Freundin geschaut habe. Das ist Nostalgie von der feinsten Sorte!

Außerdem hat meine Oma mir letzte Woche eine ganze Packung Rocher geschenkt. Die ist selbstverständlich schon alle, aber dafür war sie definitiv ein Grund zur Freude.


Ich freue mich auch, dass ich gerade im Bus sitze und wieder ans Meer fahre, um eine Freundin zu besuchen, vielleicht mit Tieren zu meditieren oder meiner großen Schwester Hallo zu sagen. Freunde sind eben was Fabelhaftes, alte Freunde sowieso und neue erst recht. Alle. Und dass ich welche hab, nicht unglaublich viele, aber genug, ist absolut wunderbar und ein gutes Mittel gegen Melodrama.



Ich denke, ich schau mal wieder in diesem Comedy-Keller vorbei, wo es nicht nur lustige Leute gibt, die sich auf der Bühne zum Affen machen, sondern auch Pizza; beides gut für's Gemüt. Ich will noch mehr verlassene Orte durchstöbern, Graffitis anschauen, Detektiv spielen und verbrannte Dachbalken fotografieren. Und ich glaube, ich helfe mal wieder ein bisschen, nicht nur für irgendein gutes Gewissen, sondern für das Gefühl und um mal wieder ein wenig Französisch zu sprechen. »Je suis fatiguée«, ich bin müde, ist unser Lieblingssatz, neben »Alles gut?«
Ja. Alles gut. Das meiste zumindest, aber die 1,3% kann man auch ausnahmsweise übersehen und das Ganze aufrunden. Wir sind da heute mal großzügig.

Das war also mein glückliches Wort zum Freitag.
Wie schön das Leben ist!


Kommentare:

  1. Hey meine Liebe.
    Ich fand deine Texte bisher absolut toll, ob nun melodramatisch, fantasievoll oder, oder, oder. Gerade das, was du jetzt plötzlich schreibst, finde ich macht nicht dich aus. Ich finde es aufgesetzt - leicht, ohne dir zu nahe treten zu wollen.

    Das Leben ist nie 100% pures Glück, es gibt auch Tiefen aber ein klitzekleines Stück Freude darf man sich gönnen, man darf egoistisch sein und das Leben feiern. So wie du in deinem Beitrag und auch darf man melancholisch sein, traurig und auch das kundtun. Das ist Leben. Und so ist es wunderbar.

    Alles Liebe dir.

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    1. Und dafür erst mal vielen, vielen Dank! :)
      Ich verstehe, dass dieser Text nicht so ganz denen der letzten Monate entspricht, aber - glücklicherweise! - macht mich das doch aus. Und zwar wirklich zu einem sehr großen Teil. Klar gab's die letzten Tage auch mal doofe Momente, aber abgesehen von Kontrolleuren in der Tram hatte ich ein fabelhaftes Wochenende, heute einen entspannten Tag und ich freue mich jetzt schon unglaublich darauf, den Abend mit einem Freund zu verbringen.
      Ich glaube, ich weiß ungefähr, worauf du hinaus willst, aber ich denke, ich gönne mir im Moment lieber so viel Freude wie nur möglich und feiere das Leben. Auch wenn ich mich gerade ehrenamtlich engagiere und das dann nicht so ganz egoistisch ist oder wenn gerade eigentlich was anderes ansteht.

      Ach ja. Interessantes Thema. Wenn ich Leuten von meinem Blog erzähle, sage ich ihnen meistens, sie sollen nicht denken, ich sei depressiv. So ist es nicht und es macht Spaß, das auch mal mit solchen Posts zu bestätigen.

      Vielen Dank zumindest für deine Worte!

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  2. Mir gefallen deine Bilder mega gut und auch der Text ist sehr schön ! ♥

    Alles Liebe
    Laura von
    LIVEITROSY

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  3. Was für wunderbare Worte und was für wunderbare Bilder!
    Da will man gleich mehr! Mehr Frühling, mehr Sonne, mehr lächeln.
    Danke dafür! :)

    ♥, Blonde Smoothie

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    1. Dankeschön, freut mich! :) Ich hoffe doch mal, es kommt bald mehr - die Bilder sind noch vom letzten Sommer, aber bald ist es ja wieder so weit, dass ich mehr solcher Fotos machen kann, ich freue mich unglaublich auf die warmen, sonnigen Tage!

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  4. Na Marachen,
    da erhebe ich gleich mal energisch Einspruch..das war kein Winter.
    Nope. Nö. Jedenfalls nicht hier.
    Höchstens ein ausgedehnter Herbst mit gelegentlichen Kälteperioden und sowas wie Schnee.
    Das ist schön dass du meistens ein glücklicher Mensch bist.
    Ich bin wohl selten richtig glücklich, eher sowas wie froh aber glücklich...glaub nicht.
    Eben saß ich auf dem Balkon, Sonne auf mein Gesicht scheinen lassen, Blumen gucken.
    Wie sich alles wieder im Leben zurück meldet, grün wird. Froh.
    Hab letztens Fenster geputzt, danach war ich auch froh. Zu 99%.
    Ist egal ob du zu 19% melodramatisch bist und zu 33% sentimental und zu 51% glücklich und zu 80% witzig(und die Rechnung nicht aufgeht) das bist alles du und das ist gut so.
    Alles ist gut und wenn nicht, wird schon.
    Silver<•×•

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    1. War ja klar, dass sowas kommt, wenn ich es dazu schreibe. Es gibt immer Rebellen. :D Was sollen erst die Leute auf Sizilien sagen? Dürfen die keinen Winter haben? Ich mache das am Kalender und meinen klappernden Zähnen fest, so!^^
      Froh ist doch super, und wie gesagt, ich strahle auch nicht immer von einem Ohr zum anderen, aber schon wenn man gerade nicht über doofe Dinge nachdenkt, ist das für mich positiv und zählt in die 98,7% mit rein, weil's gut ist. Und überhaupt klingt Balkon und saubere Fenster und Frühling famos, so kleine Dinge haben doch auch ihren Charme, muss ja nicht immer pure Glückseligkeit sein. So ein bisschen reicht meistens.
      Wir sind eh über 100%, das passt schon alles irgendwie und so wie wir sind, ist's gut. Oder wird noch gut. Wie du sagst.
      x>

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  5. Ein wirklich wirklich toller Text!!!

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  6. Wnderschöne Bilder mit sooo fabelhaften Zauberlicht *-* Bin entzückt und den Post mag ich auch - dann braucht man sich keine Sorgen zu machen, dass es dir schlecht geht :D
    Aber ich kenn das, ich schreibe auch immer eher, wenn ich etwas traurig bin, Wetter schlecht und keine Ahnung, aber wir müssen glaub ich öfter mal das fröhliche Leben verbloggen..
    und nochmal: Die Bilder sind der Hammer! :)

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    1. Vielen Dank! :) Aaach, ich freue mich schon, wenn es im Sommer wieder mehr solcher goldenen Stunden gibt, ich bin jetzt schon jedes Mal aus dem Häsuchen, wenn so tolles Licht gibt.
      Oh super, ein (nicht)-Leidensgenosse! :D Es ist doch wirklich so, die alltägliche Fröhlichkeit vergisst man irgendwie so schnell, weil man oft nur von den traurigen Stunden inspiriert wird, wenn man das irgendwie verarbeiten muss. Aber ein bisschen Sonnenschein tut der Bloggerwelt bestimmt gut. :)

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  7. Schöne Bilder, schöner Text! Du hast das Licht der golden hour mal wieder perfekt eingefangen :)
    Ich mag deine melancholischeren Posts sehr gerne, genau so wie die fröhlicheren. Vielleicht stören sich manche nicht einmal so sehr an der Grundstimmung als vielmehr daran, dass der Inhalt oft so diffus und angedeutet bleibt? Mir persönlich gefällt es, wenn man Gedanken auf das eigene Leben beziehen kann,aber ich könnte mir vorstellen, dass das anderen anders geht und die konkrete Erzählungen über dein Leben besser finden.
    Naja, reine Interpretation :D

    Genieß die Sonne! Bei uns ist der Himmel schon wieder ziemlich grau ...

    Liebe Grüße,
    Cho

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    1. Vielen lieben Dank! :)
      Ja, das kann tatsächlich sein - obwohl ich die Kritik auch nicht gerade 100% ernst genommen und diesen Post auch nicht nur deshalb geschrieben habe, um irgendjemanden zufrieden zu stellen. War mehr eine passende Einleitung. :D Ich mach das eben, wie es mir in den Sinn kommt und wenn es Leuten wie dir gefällt, ist das schon mal wunderbar. Man kann es ja eh nie allen recht machen. :)

      Die Bilder sind noch vom letzten Sommer, aber trotzdem, es wird hier langsam netter. Und hoffentlich scheint bei dir inzwischen auch wieder die Sonne!

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  8. Hey liebe Mara,

    wunderschöne Worte und zauberhafte Bilder <3
    Das stimmt, wenn es einem schlecht geht und man traurig ist, dann tut es wahnsinnig gut, sich alles von der Seele zu schreiben, aber wenn man glücklich ist, dann sollte man lieber den Tag nutzen und leben. Ich finde es schön, dass du darauf aufmerksam machst und zeigst, wie viel Glück zwischen aller Sentimentalität und allem Melodram liegt.

    Gerade gestern noch habe ich selbst einen Post dazu geschrieben, auch die glücklichen und nicht nur die traurigen Momente festzuhalten (ist allerdings noch nicht veröffentlicht). Ich blogge zwar weniger über allgemeine Gedanken und mein Leben (das Hauptthema auf meinem Blog sind und bleiben nun mal Bücher), aber ich habe vor einiger Zeit das Tagebuchschreiben aufgegeben, weil es mich immer frustriert hat, dass ich nur hineingeschrieben habe, wenn es mir schlecht ging, weil ich in guten Zeiten einfach nicht das Bedürfnis, die Zeit und Motivation dafür hatte. Wenn ich dann das Tagebuch wieder durch geblättert habe, hat es mich immer nur runtergezogen, von all den traurigen Momenten zu lesen. Daher habe ich auch vor einiger Zeit ein Glückstagebuch begonnen, um allein für mich jeden Tag ein paar Glücksmomente festzuhalten.
    Hat zwar (wieder einmal) nicht direkt etwas mit deinem Post zu tun, weil es bei dir ja eher um das Bloggen, also das öffentlich machen, der Texte geht als darum, sie für sich allein zu behalten wie bei einem Tagebuch, aber es ging mir gerade durch den Kopf und vielleicht passt es ja doch. Irgendwie.

    Liebe Grüße
    Chrisi

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    1. Vielen, vielen Dank für deine Worte - ich fühle mich gerade ziemlich verstanden. :) Und das hat definitiv mit dem Post zu tun, selbst wenn nicht, ich stelle hier ja keine Kommentarregeln auf. :D
      Tagebuchschreiben habe ich irgendwie nie durch gehalten. Es kommt manchmal noch vor, dass ich irgendetwas von Hand aufschreiben muss, aber das sind auch eher Momente, in denen ich ziemlich verwirrt bin und einfach nicht weiß, in welche Richtung es jetzt weiter geht. Nichts für den Computer. Irgendwie sind das halt die Zeiten, in denen man sich jemandem anvertrauen will, der nichts ausplaudert und nicht fragt - da hilft es einfach, sich alles von der Seele zu schreiben.
      Aber so ein Glückstagebuch ist dafür auch ziemlich genial, ich schreibe sowas immer auf kleine Zettelchen und pack sie in ein Glas, für jedes Jahr eins. Ich hab jetzt schon mein drittes, und es ist so schön, ab und an wahllos Momente heraus zu fischen und sich zu erinnern. :)

      Und ich freu mich auf den Post! Ich finde es eh viel sympathischer, wenn man den Blogger hinter den Rezensionen oder Rezepten ein bisschen kennen lernt und das klingt nach etwas, was ich gern lesen möchte. :)

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    2. So ein Glas finde ich auch eine wundervolle Idee. Ich habe einen Karton für all die "größeren" Glücksmomente bei mir, da kommen dann aber auch vor allem Dinge, die mich daran erinnern, wie Eintrittskarten oder ein Foto oder sowas darein ;) Ich finde so ein Buch gerade für die kleinen Glücksmomente wie Aufwachen bei Sonnenschein oder ein leckeres Eis schön, die würde ich bei einem Glas wahrscheinlich immer vergessen...

      Falls du ihn lesen möchtest, der Post ist jetzt online ;)

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  9. Manche Blogger sind melodramatisch, manche unheimlich glatt und professionell und manche aufgesetzt witzig, wenn es auch trauriges gibt. Wahrhaftigkeit ist schwer zu erreichen, das muss ich auch mir selbst immer eingestehen.

    P.S. Ich bin übrigens die nächsten zwei Tage in Berlin. Auf die unwahrscheinliche Situation, dass wir uns begegnen! ;-)

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    1. Die komplette Wahrheit kann man eh nie vermitteln auch nicht persönlich, nicht mit Worten und nicht mit sonstwas. Und stimmt, es gibt wirklich verschiedene Arten von Bloggern.
      Aber nur, weil ich in der letzten Zeit eher melancholische Texte veröffentlicht hatte, heißt das nicht, dass ich tagein, tagaus am weinen bin. Ich möchte hier schreiben, worüber ich will, und bis jetzt hatte ich eigentlich noch keinen Grund, die Wahrheit komplett zu verdrehen und Sonnenfotos zu posten, während alles scheiße ist.
      Wohl eher leider nicht. :| Auch wenn es ziemlich nett gewesen wäre, aber Donnerstag hab ich viel für die Uni gemacht und Freitag war ich so richtig schön krank. Was ich seit knapp zehn Jahren nicht mehr war, die Situation hat mich dann dezent überfordert, inklusive Eltern anrufen und Medizinerfreund herholen, weil alles so furchtbar ist. Aber inzwischen geht's wieder - ich hoffe, du hattest eine schöne Zeit in Berlin! (:

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