Samstag, 2. April 2016

Ein bisschen Schwermut


Es ist seltsam, wie das Glück auf einmal zerplatzt. Es zerrinnt zwischen meinen Fingern, es fliegt aus meinen Armen, verlässt mich wie ein Atemhauch, der aus meinen Lungen strömt.


Und das wäre alles gar nicht so schlimm, aber ich fletsche die Zähne und sie schreibt, sie kann nicht erkennen, ob ich wütend, traurig, enttäuscht oder sonst was bin. Und ich weiß es selbst nicht. Als ich mich erklären will, klingt meine Stimme weinerlich und jetzt stehen mir die Tränen in den Augen, obwohl ich vorhin noch so rational war und gar nicht weinen möchte, weil das doch auch keine Lösung ist.
Bin ich wütend? Ein kleines bisschen vielleicht, aber ich weiß nicht, auf was oder wen. Vielleicht auf den Lauf der Dinge und es ist so paradox, dass ich vorhin noch die alten Sommerfotos bearbeitet habe, auf denen ich so glücklich mit der untergehenden Sonne tanze. Mir ist nicht nach grellen Farben, ich will verrauschte Bilder, Schwarz und Weiß und Stille.
Enttäuscht? Ja. Nicht von mir oder dir oder irgendwem, das ist eben so.
Und traurig anscheinend auch.


Es gibt diese Momente, in denen die Erfolge in den Hintergrund rücken, obwohl man vorhin noch so stolz war. Wenn man einfach nicht weiter will. Wenn man sich davon überzeugen könnte, dass immer noch so viel Schönes bleibt und es trotzdem nicht tut. Wenn es sich falsch anfühlt, diese fröhlich lächelnden Smileys zu verschicken, aber man will ja niemanden beunruhigen, weiß ja selbst, dass das kein Weltuntergang ist. Wenn man eigentlich schwungvolle Indie-Rhythmen hören sollte, um aus diesem Loch heraus zu kommen und doch die traurige Musik anmacht.


Ich könnte das ja auf die leichte Schulter nehmen. Optimistisch sein, drüber lächeln, es mir einfacher machen. Aber ich kann genauso gut in Selbstmitleid baden, mir das alles von der Seele schreiben, Gabrielle Aplin hören, eine Duftkerze anzünden und das alles furchtbar finden. Ist kein Zufall, dass mein Laptop ausgerechnet jetzt abstürzt, obwohl er das sonst nie macht, oder?
Verschieben wir's auf morgen, so wie Scarlett. Morgen ist auch noch ein Tag.




Ich glaube, das ist in Ordnung. Schwarzseherei und keine Lust auf all das haben und eine Nacht warten. Ich bewundere die Menschen, die immer weiter machen und positiv bleiben, obwohl die Welt einzustürzen droht, aber dafür will ich mich nicht aufrappeln. Noch nicht.
Im Moment genügt es mir, dass sich alles zu einer grauen Masse vermischt, nichts besonders gut oder schlecht, schön oder hässlich, irgendwie bloß gleichgültig und emotionslos. Für heute reicht das.



Ja, morgen. Morgen vielleicht. Und ich weiß, dass diese ganzen hocheffizienten Leute nur den Kopf schütteln würden, aber das ist mir ganz egal.
Morgen kann ich das alles klären.
Morgen lächele ich vielleicht wieder ehrlich.
Morgen frage ich.
Morgen besinne ich mich auf die schönen Dinge des Lebens.
Morgen mache ich das Fenster auf, rieche den Frühling und gehe endlich mal wieder schwimmen, um unter Wasser in der Stille nachdenken zu können.
Morgen ist das alles gar nicht mehr so schlimm.

Aber heute Abend bleibe ich hier, lasse das alles so stehen und schließe die Augen, um das Chaos auszublenden. Ein bisschen Schwermut ist manchmal in Ordnung.

Kommentare:

  1. Ich habe hin und her überlegt..wird's eigentlich langsam langweilig, dass ich hier jedes Mal munter kommentiere?
    Mir nicht, daher folgt nun mein Senf dazu.
    Sieht ganz nach einer schönen pseudodepressiven Melancholieattacke aus^^
    Finde ich sehr sympathisch dass du trotzdem die traurige Musik wählst, immer schön Salz in die Wunde streuen(oder war es Pfeffer? Um auf Nummer Sicher zu gehen:Chilli):)

    'Verschieben wir's auf morgen' ist das nicht pure Prokrastination?
    Scarlett, die womöglich erste Frau in der Literatur, die heftig an Aufschieberitis litt.
    Zumindest eine, die das so richtig bis zum Ende ausreizt.

    Man kann auch morgen noch froh sein, heut' malen wir mit dunklen Farben.
    Manchmal braucht es echt keinen Grund.

    Die Bilder sind schön, tschüß.
    ;)

    Silver <✍

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    1. Was für eine absurde Idee, deine Kommentare und langweilig, ich wäre eher höchst besorgt, wenn sie nicht mindestens an zweiter Stelle stehen. Auch ohne Newsletter, mir fiel irgendwie auf, dass ich es vergessen hatte, aber dann dachte ich mir, du hast den Post inzwischen eh schon gesehen, da muss ich nicht dein Postfach zuspammen.^^
      Oh ja, bitte, Salz, Chili und dann noch ein bisschen Alkohol, brennt zwar, aber man ist schneller wieder auf dem Damm und selbst wenn dieser Blog es nicht vermuten lässt, meistens bin ich ja glücklich.
      Und genau deswegen ist sie mir doch ein bisschen sympathisch, die Gute. Die wusste auch schon, dass man nicht alles an einem Abend machen kann und dass es am nächsten Tag wieder besser wird - stimmt ja auch. Es ist besser. Es frühlingt!
      <x

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  2. Aber warum denn fröhliche Musik dazu anmachen, wenn einem doch viel mehr nach trauriger Musik ist, wo die Sänger und die Texte einen natürlich verstehen. Wenn das keiner machen würde, würde es bald keine traurige Musik geben, so kann man das auch einfach sehen. Und ob etwas ein Weltuntergang ist, sollte niemand anders beurteilen als man selbst. Andere können sich eh nie ganz in die Lage von anderen versetzen, es gibt immer jemand der meint "Mir gehts aber noch viel viel schlimmerererer!" Trotzdem darf man doch mal scheiße drauf sein. Von mir aus schiebe ich ein wenig Licht zu dir, ich habe genug aktuell. Aber erst Morgen natürlich, denn Morgen ist ein neuer Tag und auch wenn es ausgelutscht klingt, da sieht die Welt schon anders aus.

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    1. Stimmt, man will ja auch nicht den ganzen wunderbar depressiv-traurigen Bands ihren Lebensunterhalt nehmen, das wäre egoistisch. Nee, aber wirklich, das ist eben das, was man gerade hören will, gute Laune-Musik hat auch noch ihre Zeit.
      Stimmt, das finde ich auch, man weiß ja doch nie genau, wie es anderen geht - aber man kann versuchen, das beste draus zu machen und zu helfen, auch wenn man nicht zu 100% versteht. Wann tut man das auch?
      Lieb von dir. :) Und im Moment geht's mir auch schon wieder wunderbar - ist ja schon überüberüberübermorgen! :D Das sind echt oft nur ein paar Stunden, in denen ich mir sowas von der Seele schreibe und mich irgendwie ablenken muss, aber am nächsten Tag ... ja, viel besser als "da sieht die Welt schon ganz anders aus" kann ich es auch nicht sagen. :)

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