Donnerstag, 28. April 2016

Ich weiß nicht genau


Ich glaube, wie sehr viele Menschen bin ich gut darin, immer etwas zum Jammern zu finden. Nicht, weil ich alles furchtbar finde und gerade mein ganzes Leben an den Hersteller zurücksenden will, um mir ein neues zu bestellen; aber obwohl ich vor kurzem noch auf glühenden Kohlen saß, weil die Zeit still zu stehen schien, wünsche ich mir jetzt genau das zurück. Ein paar Stunden mehr, ein bisschen langsamer, dieser Zug ist gerade viel zu schnell angefahren. Kann ich irgendwo mal kurz aussteigen? Gern auch mitten in der Pampa, ist egal, nur, um mal durchzuatmen.

Ironisch, dass ich mich vorhin für eine Buchvorstellung angemeldet habe, in der es um ... Wirtschaft und Geld geht? Und sich dann wundern, warum man nie Zeit hat und sich irgendwie fremd fühlt in dieser vorbeirasenden erwachsenen Welt, die zwar interessant ist, aber sehr verwirrend. Ich hab's gestern nicht mal geschafft, ein Päckchen zu verschicken, ich möchte mir glatt selbst auf die Schulter klopfen.


Ist ja nicht alles nicht so schlimm. Nur komisch, wenn ich darüber nachdenke, dass ich seit ziemlich genau sieben Monaten nicht mehr zu Hause wohne und mich eigentlich gar nicht so fühle. Ich habe immer noch keine Ahnung von so vielen Dingen, hasse es, formelle E-Mails zu schreiben, diese ganzen neuen Kurse, die am Ende mit Hausarbeiten drohen, hinterlassen ein mulmiges Gefühl in der Magengegend und auf menschlicher Ebene fühle ich mich manchmal wie ein Erstklässler. Bloß ohne Schultüte und Mama und Papa als moralische Stütze. Halt wie so eine ganz normale 17-Jährige, die gerade gut im Abi-Stress sein könnte und nicht genau weiß, was sie mit dem Zeugnis dann anfangen soll.
Ich weiß nicht genau, was ich mit der Gesamtsituation anfangen soll.


Ich würde das gern alles einfrieren, diesen einen Moment, und ihn von außen betrachten. Mir vergegenwärtigen, was eigentlich alles ansteht und entscheiden, wo ich stehe. Ob ich da bleiben soll oder nicht.
Komisch, dass auf einmal alles so schnell geht. Ich hatte nur so halb damit gerechnet und jetzt trifft es mich mit voller Wucht.


So schade, dass das nur auf Bildern funktioniert. In zwei Stunden fängt schon mein Seminar an, immerhin eines, für das ich mich schon durch die Lektüre gearbeitet habe.
Es wird besser. Langsam, aber sicher, tauchen ein paar Zeichen neben den Gleisen auf: Das geht auch wieder vorbei. Aller Anfang ist schwer. Das ist gar nicht so schlimm, wie es auf den ersten Blick aussah sah. Hab Vertrauen – in dich. Du musst dich nicht verbiegen, du weißt ganz genau, dass das letztendlich eh nicht funktioniert.


Zur Not kann man auch aus schnellen Zügen springen; tut halt mehr weh, ist aber nicht unmöglich. Und eigentlich ist das Leben viel zu fabelhaft, um nicht noch eine Weile mitzufahren und die Welt zu sehen.

Kommentare:

  1. so ein schöner text. und das vorletzte bild ist richtig geil. jetzt vermisse ich das trampolin springen :( (sehr lange im verein gemacht)
    aber ja das leben ist zu fabelhaft um einfach auszusteigen. auch, wenn man es manchmal nicht sieht. nach regen kommt sonne!

    AntwortenLöschen
  2. Hallo liebe Mara^^
    Ja, ich hatte den Post tatsächlich schon entdeckt, sorry^^

    Ich weiß auch nicht genau, ich muss die ganze Zeit an Harry Potter denken.
    Das 4.Bild(von oben, von unten das 3.)..Eindeutig Wingardium Leviosa..Schwebezauber..funktioniert der auch bei Menschen? Weiß nicht. Sieht ja ganz danach aus:)
    Und die Zeit für einen Moment anhalten hört sich sehr schön an.
    Du atmest durch, betrachtest die Gesamtsituation und ich binde bei einigen Leuten die Schnürsenkel zusammen oder male ihnen was ins Gesicht..oder so.
    Aber ich denke, an sowas dachtest du nicht..
    Oder du warst im Zaubernebel, bzw. Anti-gravity mist..Wie komme ich nur auf Harry Potter?
    Ich glaube, ich möchte den Langlock-Zauber können(musste ich googeln, ich kann ja nicht alles wissen)
    Das vorletzte Bild gefällt mir persönlich am meisten.

    Der Text gefällt sowieso und na, Jammern würde ich das nicht nennen.
    So ist das eben, muss man mit klarkommen, mit Retouren, die keiner haben will, rasenden Zügen, die keine Haltestellen kennen, zusammengeknoteten Schnürsenkeln, klumpigem Mascara..
    das bekommst du wirklich hin, da mache ich mir keine Sorgen(Motivationssprüche und Binsenweisheiten für's T-Shirt?)
    Und wenn ich eh schon beim T-Shirt bedrucken bin... du 'Fabelhaftes Leben', ich 'Life sucks', einfach aus Prinzip:)
    Und dir sende ich noch den Protego und wünsche dir ansonsten und wie gehabt ein schönes Restwochenende und eine wundertolle Zeit.
    Bis bald,
    Silver<心脏

    AntwortenLöschen