Freitag, 20. Mai 2016

Verlassen, verfallen, verloren


Leider ist nicht jeder Tag gut. Man kann alles haben und sich trotzdem leer und einsam fühlen. Man kann spüren, wie sehr es wehtut, andere zu verletzen und zu lügen – vielleicht, denn alles ist so ungewiss und verschwommen. Man kann in einem kleinen Zimmer sitzen und all den Raum in sich drin unerträglich fühlen, als wäre um einen herum endlose Weite, viele verlassene Zimmer und kein Ausgang in Sicht.




Mir ist kalt, meine Wangen glühen und in meinem Kopf pulsiert es jedes Mal, wenn ich nur zur Seite schaue. Ich war so viele Jahre nicht mehr krank, dass es nicht nur meinen Körper, sondern auch meine Gedanken mitreißt. Alles tut weh. Die kleinste Unhöflichkeit wirft mich aus der Bahn und ich breche in Tränen aus, nur weil zwei Rentnerinnen ihre Zunge nicht hüten können.
Ich habe mir hier schon oft gewünscht, allein zu sein, und ausgerechnet jetzt bin ich es und möchte noch mehr weinen. Keine neuen Nachrichten. Ich will nicht die sein, die sich ungefragt ausheult, aber eigentlich wünsche ich mir gerade genau das.
Bei wem auch immer. Ich will mir das ja selbst nicht eingestehen und hoffe auf Lichtblicke und dass ich das bloß zu pessimistisch sehe.



Diese Zweifel tun so weh. Ich dachte nicht, dass ausgerechnet mir das passieren würde, aber dass ich immer noch schwanke, macht mir Angst. Und es ist keine Zeit, um darüber zu reden. Das ist in Ordnung, sage ich, und halte die Tränen zurück. Wir haben auch alle unser eigenes Leben, aber ich hätte gerade mal ein paar Stunden.
Ich kann aber auch einfach wieder heulen. Was soll's.

Ich hoffe so sehr, dass das morgen alles weg ist, aber das habe ich gestern auch schon getan. Es ist sogar noch mehr dazu gekommen. So ein richtiger Freitag der 13., ohne schwarze Katzen, aber mit viel klebrigem Pech über meinen Gefühlen. Alles verlassen, verfallen, verloren.

Es ist natürlich nie zu spät, aber ich möchte nicht diese Person sein. Es ist schwer, fragile Blüten herauszureißen, nur weil man hofft, dass eine noch schönere blühen wird. Nichts ist gewiss und manchmal sollte man sich zufrieden geben mit den Dingen, die man hat. Das würde ich gerade so gern tun, aber du machst es mir nicht einfach.
»Wer lügt, leidet«, schreibt Hugo und schreibe ich in mein Notizbuch. Das stimmt. Ganz egal, ob man andere anlügt oder sich selbst.



Seltsam, wenn man auf Worte wartet, die einen schließlich auch erreichen – nur der Absender ist falsch.
Oder richtig.
Ich wünschte, ich wüsste es.

Manchmal reichen zwei Stunden, um zu erkennen, dass das alles nicht so schrecklich ist, wie man es sich in den schlimmen Zeiten ausmalt. Manchmal will man schwarzsehen und es braucht nur einen kleinen Stups, um alles wieder ins Reine zu bringen, die falschen Fantasien wegzuwischen und die Wahrheit zu sehen. Ich wünschte, das wäre immer so.










Kommentare:

  1. Moi, Mara...es ist nichts dabei sich ungefragt auszuheulen, manchmal hilft einfach nur, die Tränen fließen zu lassen.
    Ich kann diese Gedanken&Gefühle die du hier beschreibst, so gut verstehen, weil, kenne ich.
    Ich hoffe, es hat sich mittlerweile gelegt, dass es nicht so schlimm war, wie du dachtest, und falls doch..du es überstanden hast.
    Ein, zwei Worte passen so zum Desaster..dieser Hugo hat echt Ahnung.
    Wer ist Hugo? Ein schlauer Mensch, der schlaue Dinge schreibt?
    Und, dieser Ort oder sind es mehrere, der ist ja nice. Nicht im Sinne von 'Neubau, bezugsfertig' aber nice.
    Das vorletzte Bild ist echt ein Kunstwerk(das unter Civil Twilight und rechts darüber übrigens auch), richtig gut.
    Solche Ruinen haben so eine Melancholie in sich..aber ich schweife ab.
    Happy Weeknd-Grüße zurück und ja..hoffe, es ist alles gut, soweit und überhaupt.
    Bis bald,
    Silver<🐙(So ein Oktopus auf'm Kopf hat was:))

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    1. Auch bei Menschen, die die Tränen gemacht haben? Nicht direkt, aber dadurch, dass sie in meinem Kopf sind. Ich glaube, das lässt sich ihnen schwierig erklären.
      Leider, leider. Ich wünschte, du würdest es nicht kennen. Kommt man wohl nicht drum rum.
      Ja, das hab ich erst nachträglich gelesen, aber stimmt. Lügen und Ehrlichkeit ...
      Victor Hugo; ich prolle hier aber mit Nachnamen rum, als hätte ich Ahnung von Literatur und würde den regelmäßig lesen, dabei kenne ich bloß drei Bücher. Das war aus "Die Arbeiter des Meeres", toller Roman, und übrigens kam ein Oktopus vor. Ein Kraken zumindest. Kann man echt lesen, wenn man akzeptiert, dass er dauernd abschweift und Zeugs erklärt, zum Beispiel, wie ein Kraken funktioniert oder wie die Klippen aussehen.
      Das ist ein altes Kinderkrankenhaus, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts geöffnet, war ziemlich faszinierend, da rumzuschleichen. Und melancholisch, ja. Alles weg ...
      Aber die Graffitis waren teilweise schon krass, hast du recht.

      Voilà, wir sehen uns! <☀ (So eine Sonne im Herzen hat was. Nicht wortwörtlich, aber übertragend.)

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    2. Da hast du wohl recht..der Mensch, der die Tränen verursacht, ist eigentlich immer der, der sie nie zu sehen bekommt, sich damit nicht auseinander setzen muss.
      Fast immer.
      Eigentlich muss man mitten in der Nacht(ist es da eigentlich immer am schlimmsten?)bei dem Tränenauslöser aufkreuzen und sagen:'Guck hier du Lurch(oder so, kommt drauf an), das warst DU!'
      N'Schluck aus der Mate-Tee Flasche und ein gediegenes Fuckyouuuuuu und Abgang.
      Jo.
      Ach shit, ich hoffe ja, es ist doch nicht das, was ich denke aber es sieht so aus, das tut mir leid:(
      Ich meinte das linke Bild oben drüber, habe ich mich vertan aber die Graffitis sind alle echt gut.
      Buhu, gruselig, ist das dieses berühmt-berüchtigte Haus, mit (angeblichen) Geistererscheinungen und so?
      So im Licht sieht es eher spannend aus, in der Nacht würde ich mich da nicht hin trauen(warst du auch Nachts da?)
      Victor Hugo habe ich direkt mal abgespeichert, schaue ich gleich mal.
      Kraken sind cool.

      Sonne im Herzen wäre auch etwas sehr heiß aber man weiß ja, wie es gemeint ist.
      <🌞Sonne überall und allzeit n'Krake dabei🐙
      Silver

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    3. Das sind schon alles Lurche ... ja, sollte man mal machen, vor allem der nice Abgang. Aber ist die Frage, ob die das überhaupt wissen.
      Und knollentechnisch ist eigentlich alles ist Ordnung, ich denke bloß zu viel. Wahrscheinlich ist es gut, dass das nur ich bin (glaube ich), zwei Denker auf einmal sind vielleicht zu viel und dann weinen alle. Auch nicht gut.
      Weiß ich nicht, ob es das ist, aber dann ist ja gut, dass wir tagsüber da waren ... ist schon gruselig genug. Obwohl so eine Nachtwanderung da drin schon was hat, oder man grillt gemütlich zwischen den Trümmern. Wieso nicht?

      Wir zwei Metaphernkinder ... <🐈 (Gadse! Katzen sind mindestens genau so gut wie Kraken.)

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    4. Doch kurz hier, Mail braucht noch..
      Zu viel Knolle oder einfach zu viel Denke?
      Weiß nicht, hat schon seinen Grund das Märchenkind und Ginger sich gefunden haben. Muss ja nicht immer weinen bei rauskommen wenn man zu viel denkt aber ist schon richtig.
      So 100% gleich ist manchmal nicht gut, vielleicht kann man sich drauf einigen, dass wenn der eine gerade eine Lunte ist, der andere dann nicht das Feuer ist, sondern was anderes.
      Metaphern everywhere^^
      Das wäre doch ein schöner Name für einen Blog, 'Metaphernkinder'.

      Nachtwanderung im Gruselhaus nur mit einer angemessenen Anzahl anderer Leute und Taschenlampen^^

      Gadse? Klingt ulkig, was das?
      Ja, Katzen sind cool.
      Sind auch leichter zu halten als Kraken, ich hätte so gerne eine(n).
      Zur Not nehme ich auch einen Seestern, hatte mal einen auf der Hand, war cool.
      Schönen Sonntag noch, bis ganz bald,
      Silver<schade, gibt keinen Seestern, dann das hier🌊

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  2. Hallo,
    ich habe diesen Post schon vor einer Weile gelesen und er hat mich so angesprochen und fasziniert, dass ich mich hingesetzt und auch was zu dem Thema niedergeschrieben habe. Vielleicht veröffentliche ich das ja mal, wer weiß.
    Ich kann das sehr gut nachempfinden, diese Stimmung, gerade wenn man körperlich angeschlagen ist und da zu viel Raum für Gedanken und Zweifel ist. Und plötzlich bricht alles auf einen herein, und wenn man erst einmal die Tür geöffnet hat, wollen die ungebetenen Gedanken nicht mehr gehn.
    "Manchmal ist man viel zu traurig, um zu sehen, dass die Welt gar nicht so grau ist", hab ich mal auf tumblr gelesen. Manchmal hat man einfach solche Momente, in denen man die guten Dinge gar nicht mehr wahrnehmen kann.
    Ich hoffe jedenfalls, dass es dir inzwischen wieder besser geht!Und die Bilder sind wwirklich interessant. Vor allem das mit den Fenstern / (Spiegeln?) gefällt mir sehr gut.

    Ganz lieber Gruß,
    Cho

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar nach so langer Zeit - Gott, mir kommt das schon wieder ewig vor, dabei ist es bloß ein guter Monat, seit ich das geschrieben habe (und zusätzlich hab ich noch eine Woche gebraucht, um zu sehen, dass es neue Kommentare zu veröffentlichen gibt, sehr gut organisiert). Ich würde deinen Text gern lesen! Auch wenn es mir inzwischen tatsächlich wieder besser geht, physisch wie psychisch, aber solche Phasen kommen schnell mal wieder, und zwar meistens ziemlich unerwartet. Und wie du sagst, wenn der Damm erst mal gebrochen ist ... Der Tumblr-Spruch ist echt schön (wie sie es eben immer sind), das stimmt. Klar, man könnte es sich auch schön reden, fröhliche Musik hören - aber das will man in dem Moment nicht mal.
      Das waren tatsächlich ganz viele Fenster in einem alten Kinderkrankenhaus, wer weiß, wieso die da die Räume verbunden haben ... Ist aber ein faszinierender Ort.

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