Samstag, 10. September 2016

Dich.



Manche Leute machen es sich auch einfach schwer. Ich weiß, wie sehr du dich bemitleidest und die Welt dafür hasst, dass sie sich von dir abwendet, deinen Freunde dich verraten und du einsam und allein mit deinen Problemen kämpfen musst. Ich kenne das doch. Ich war immer die Dritte. Oder habe mir eingebildet, es zu sein. Ich weiß es nicht. Inzwischen kann ich damit leben.
Aber du? Du willst es doch so. Du versuchst schon so lange nicht mehr, das Gute zu sehen, du erkennst gar nicht, dass sich das alles nicht gegen dich richtet. Vielleicht nimmst du dich tatsächlich zu wichtig. Vielleicht erkennst du eines Tages, dass die Welt selten wirklich gegen dich spielt und dass wir alle doch nur leben wollen. Wir haben andere Pläne, als dich absichtlich gegen die Wand zu stoßen. Vielleicht streifen wir dich leicht an der Schulter, wenn wir auf etwas zugehen, aber es ist deine Entscheidung, ob du stehen bleibst oder fällst. Deine Entscheidung, was du aus dieser Berührung machst. Du kannst sie sehen, wie sie ist; einfach nur ein Mensch, vielleicht einer, der dir nahesteht, der im Leben vorangeht. Du kannst sie sehen, wie sie nicht ist; jemand, der dich mit voller Wucht zu Boden schmettert. Du kannst versuchen, einfach mitzugehen, und aus der Berührung wird ein Anstoß, der Moment, der dir zeigt, dass du nicht noch länger stehen bleiben kannst.
Glaub mir. Ich weiß, wie es sich anfühlt. Aber ich habe weitergemacht, immer wieder, mich durchgebissen. In meiner eigenen Welt Kraft geschöpft, Worte verwoben, Bilder gemalt, bis ich wieder wusste, wer ich bin; und dann bin ich zurückgekommen und wieder losgelaufen.
Du kannst nicht ewig in deiner Welt bleiben. Vielleicht ist es dort warm und geborgen, aber es ist auch einsam und dunkel, und deine Schatten werden dich wieder und wieder heimsuchen. Sie werden nicht verschwinden, wenn du jedes Mal zu ihnen zurückkehrst und ihnen dein Leid klagst, so dass sie immer und immer größer werden. Ich weiß, du willst das nicht hören, aber du brauchst das Licht, das von draußen gegen deine zugezogenen Vorhänge scheint.
Denn wenn du sie öffnen würdest, dich öffnen würdest, würde eine ganze Sonne auf dich warten.
Vielleicht ist es inzwischen schon spät. Nicht zu spät, das ist es nie, aber du hast dich so lange verborgen, dass du möglicherweise auch die Fenster öffnen und auf den Balkon treten musst. Du kannst nicht davon ausgehen, dass wir alle ewig warten und jeden Moment zurückkehren werden. Das hätten wir vor einer Weile noch getan, aber vielleicht ist es inzwischen an dir, uns darauf aufmerksam zu machen, dass du wieder da bist.

Aber vergiss nicht, dass wir da sind. Immer. Und wir vermissen dich. Dich ohne Rachsucht, Flüche und böse Blicke. Wir vermissen das, was hinter all dem immer noch da ist. Dich.





Kommentare:

  1. Sehr sehr schöne Fotos. :)

    LG Pierre

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  2. Ich war auch so. Hab in meiner eigenen Welt gelebt und alles für volle Absicht, eine Verschwörung gegen mich gehalten. Wenn man einsam ist kommt das vor und in manchen paranoiden Augenblicken, fühle ich das immer noch, den Drang, die anderen überwachend zu beobachten.

    Wir sehen voneinander nur die Hüllen, was wir meinen, sieht der andere nicht. Schüchterne Unsicherheit, ein ausweichender Blick sind für andere vielleicht Arroganz. "Ich will mit dir nichts zu tun haben". Flüsterndes, tuschelndes Sorgen um jemanden: Die reden über mich. Zufällige Blicke aus einer Gruppe auf mich, die gar nicht über mich reden. Wenn ich zu viel rede und nicht merke, wie mir keiner zuhört. Fehlerhafte Kommunikation. Mag sein, Kommunikation ist schneller und unbeschränkter als je zuvor, feiner, genauer und verständlicher ist sie nicht geworden.

    Es muss manchmal furchtbar gewesen sein, für andere, mir zu erklären, welche Fehler och gemacht habe, ohne dass ich mich noch mehr eingeigelt hätte. Mit Kritik umzugehen, ist schwierig, vor allem, wenn sie von jemandem wie mir gefordert wird, der möchte, dass er nicht so harsch kritisiert wird, während er unbedacht harsch austeilt. Man muss auch mal was bereuen.

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    1. Ja. Ich weiß. Ich habe das oft genug auch gedacht und mich immer schlecht gefühlt, weil ich die Dritte war und nicht wusste, was der Fehler war, was ich jedes Mal wieder falsch mache. Aber der Fehler war es, überhaupt auf so etwas zu beharren und nicht einfach zu akzeptieren, dass man wunderbare Freunde hat, mit denen man Zeit verbringen kann, statt sich selbst runter zu ziehen.

      Aber ich glaube auch nicht, dass ein Blogpost daran etwas ändern kann. Das kennt vermutlich jeder, es kommt und geht, bei manchen mehr, bei manchen weniger. Gerade diese paranoiden Phasen - ich bin beim Kieferorthopäden mal weinend zur Toilette gerannt, weil die hübschen Mädchen gegenüber dauernd gekichert haben und ich mich mit meiner geschwollenen Wange eh schon wie ein Häuflein Elend im Stuhl verkriechen wollte. Keine Ahnung, ob sie über mich gelacht haben. Ist mir inzwischen auch egal, ich weiß, dass die selbst viel größere Probleme hatten als ich und wenn sie sich so armselig benehmen mussten, bitte; aber in dem Moment war es furchtbar.

      Keine Ahnung, was das für Leute sind, die gut mit konstruktiver Kritik umgehen können, die sie sogar persönlich betrifft. Finde ich bewundernswert. Aber gerade solche Menschen sollten daran denken, dass das nicht alle so hinbekommen.

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    2. Mit Druck bringt man sture Menschen nicht zum Nachgeben. Und oft war für mich das wahre Problem gar nicht das konkrete Streitthema, sondern etwas tiefer Liegendes, das aber nicht zur Sprache kam, als ich jünger war. Keiner meiner engen Freunde die ich hatte, bevor ich vierzehn war, hat heutzutage noch viel mit mir zu tun. Gute Bekannte, Freunde im weiteren Sinne sind geblieben, weil ich mich nicht so fest an sie geklammert habe und weil wir einen respektvollen Umgang miteinander hatten, aber keine enge Freundschaft hatten, kein ständiges Beisammensein.

      Hmm, beim Kieferorthopäden, das hat mich irgendwie nie gestört. Ich hatte nur eine Zahnspange und selbst mit der habe ich auf Fotos noch gegrinst. Mein Problem war immer die Frage, ob die Anderen mich seltsam finden, denn ich war immer ein bisschen seltsam, konnte aber selber gar nicht damit umgehen. Meistens lachen die Anderen Leute nicht über einen. Durch eine ziemlich augedrehte, extrovertierte Aktion bin ich an unserer Schule ziemlich bekannt geworden und danach haben haben mich die Leute im Gang angestarrt und tatsächlich über mich geredet und danach konnte ich nicht mehr unterscheiden, was davon über mich und was einfach über alles andere war. Aber dabei habe ich ziemlich viel über mich selbst gelernt.

      Ich glaube, die meisten Leute können gut damit umgehen, wenn man es sie verdauen lässt und nicht sofort eine Reaktion verlangt. Aber man ist selbst auch zu frustriert, um schonend mit dem anderen umzugehen.

      Ich habe übrigens ein paar Fragen im Wander-TAG geschrieben. Ich weiß nicht, ob sie dich interessieren, oder ob du sie beanworten willst, aber schau sie dir doch mal an: Wander-TAG

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    3. Nein, natürlich kann man das nicht. Anderen Leuten Druck machen funktioniert sowieso selten, falls man sie nicht gerade davor retten will, durch ihre Prüfungen zu fallen, weil sie den ganzen Tag bei Netflix verbringen. Wobei das auch immer noch ihre Entscheidung ist.

      Nö, Zahnspange fand ich auch okay, hatte ja irgendwie jeder, ich sah nur einseitig aus wie ein Hamster und das hat schon an meine Selbstbewusstsein gekratzt, ich hab eh nicht gerade schlank geschwungene Wangen. Aber wer stellt sich diese Frage nicht? obwohl ich manchmal gar nicht wissen will, was die Leute so denken, das macht es auch selten einfacher.

      Die hab ich sogar schon gelesen, ich schau direkt nochmal vorbei! :)

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  3. Hallo liebe Mara,
    mal wieder ein interessanter und auch vielschichtiger Post.
    Da hat sicher jeder so seine Erfahrungen mit, ich wehre mich aber energisch dagegen anzunehmen, man sei grundsätzlich selbst schuld an gewissen Dingen oder bilde sich z.B. Ablehnung nur ein.
    Natürlich ist man in manchen Situationen 'Schuld' daran, dass andere einen als 'komisch' oder 'seltsam' ansehen. Woher sollen andere auch wissen, dass man vielleicht kurz vor einer Panikattacke steht oder von- vielleicht unbegründeten aber dennoch vorhandenen- Ängsten geplagt wird und daher so irritierend handelt.
    Wenn man aber oft Ziel allgemeiner Belustigung und Aufmerksamkeit wurde, weil es wohl mega unnormal ist wie man gerade guckt, steht, geht oder spricht, wenn man einfach keinen ersichtlichen Grund bei sich selbst ausmachen kann(weil man eben doch immer denkt, man sei selbst Schuld), ist es auch kein Wunder, dass man sich irgendwann Unsichtbarkeitsspray herbei wünscht oder dreimal überlegt etwas zu sagen oder in letzter Konsequenz, es gleich ganz sein lässt. Was wiederum dazu führt, dass man sich komisch verhält und so weiter.
    Letztens irgendwann hörte oder las ich, dass ganz schlaue Menschen herausgefunden haben wollen, dass Mobbingopfer selbst dafür verantwortlich sind, dass sie gemobbt werden. Würden sie sich doch nicht selbst zum Aussenseiter machen, sondern sich in Meinung, Haltung oder Erscheinung einfach der breiten Masse um sie herum anpassen..oder sich richtig und rechtzeitig und angemessen wehren..ob das tatsächlich Inhalt dessen war, was ich las oder hörte weiß ich ehrlich gesagt nicht aber der erste Satz war so und da schaltete ich schon auf Wut..aber so ungefähr ging es weiter.
    Naja. Ich glaube, es ist vielleicht eine Mischung aus allem.
    Und was vielleicht gerade nicht passt, weiß ich nicht, es kommt auch stark darauf an, wie man sich selbst verkaufen kann. Wenn jemand total von sich überzeugt ist und das auch so rüberbringt, finden das andere Leute auch und dann ist alles an der Person total besonders und spannend. Da wird sogar der letzte Einkauf im Supermarkt zum Happening hochgepusht und alle wäre total gern dabei gewesen.
    Wenn man sowas mal durchschaut und begriffen hat, findet man sich selbst zwar immer noch nicht besonders und irgendwie deprimiert einen das auch aber man kann etwas besser damit umgehen. So ist unsere Gesellschaft eben. Oder ein sehr großer Teil davon.
    Und letztendlich hast du recht. Man muss sich durchbeissen und immer weiter machen, egal wie einem andere- ob man sich's einbildet oder nicht- gegenübertreten, nützt ja nichts.

    Bis bald, ich wünsche dir ein famoses Wochenende!
    Silver

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    1. Tut mir leid, dass die Antwort so lange warten musste, ich bin erst gestern zurück gekommen und hatte meinen Laptop während der Akademie wirklich nur an, wenn es ganz dringend nötig war.

      Nein, meine Güte, davon gehe ich auch nicht aus! Und ich will auch generell niemanden beschuldigen, nur das, was mich zum Nachdenken gebracht hat, war einer dieser Fälle, in dem sicher nicht alles auf die "bösen Anderen" abgewälzt werden konnte und es war auch nicht eine oder mehrere Situationen, sondern ein recht langer Zeitraum. Und ich denke, ich weiß, wie du es gerade siehst - nur, so war es nicht, kein bisschen. ("war", glücklicherweise, ich habe das Gefühl, dass sich das langsam alles entwirrt.) Das mit dem Artikel klingt wirklich furchtbar - "schuld sein", wie kann denn immer das Opfer schuld sein? Ein kurzer Rock lädt genau so zu gar nichts ein! Natürlich verstehe ich, dass sich die Täter, die selbst kaum ein Gramm Selbstbewusstsein haben, sich gerne auf die Unsicheren stürzen, aber meine Güte, darf man jetzt nicht mal unsicher sein, ohne "zu Recht" gemobbt zu werden? Das klingt verdammt ekelhaft.
      Und das mit dem Verkaufen stimmt. Es stimmt so, so sehr. Ich bin doch irgendwie noch die selbe wie vor 2 Jahren, aber ich mache jetzt neue Bewerbungsfotos, weil ich mich doch nicht mehr damit identifizieren kann. Vor zwei Jahren war ich unauffällig, grau am Rande, irgendwie keine Person, für die man sich interessiert, und jetzt? Nicht gerade jemand, der von seinem Lidl-Besuch schwärmt, aber bei dieser Akademie, wo ich von 180 Leuten vielleicht 5 kannte, habe ich wirklich bemerkt, dass ich inzwischen ganz anders auf Leute wirke. Das ist verrückt.

      Tja. Jetzt halt wohl mein Kamera-Akku geladen und irgendwann muss ich diese Bewerbung jetzt wohl auch schreiben, weil ich mich morgen schon wieder auf den Weg mache, aber vielen, vielen Dank für deinen Kommentar! Ich hoffe, es geht dir gut. ♥

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