Mittwoch, 9. November 2016

Ich habe Angst vor eurem Hass.

Hey world. I’m afraid of you.

Ich habe Angst. Angst vor der Welt, den Menschen, der Zukunft.
Ich habe Angst, dass wir unser privilegiertes Leben nicht mehr teilen werden, sondern uns von denen, die Hilfe brauchen, abwenden. Dass wir misstrauisch werden, uns von unseren Nachbarn trennen und dann allein und hilflos in den Ruin steuern. Und verzweifeln.

Ich habe schon immer gesagt, dass der Mensch egoistisch ist, aber das, was sich im Moment abspielt, ist zu viel. Wie könnt ihr nur mit einem derartigen Eifer dafür sorgen, dass ihr eure eigene kleine Welt für euch behalten könnt und keine zwei Cent abgeben müsst? Wie könnt ihr grölend durch die Straßen laufen und die traurigen Augen einfach vergessen? Und wie, wie könnt ihr annehmen, dass ihr dadurch eine bessere Welt schafft?

Denn ihr macht mir Angst. Ihr und euer Hass.
Ich habe Angst vor dem Brexit – und damit meine ich die vielen, vielen Menschen, die nicht mehr der Gemeinsamkeit trauen.
Ich habe Angst vor Trump – und ich denke, ihr wisst, warum.
Ich habe Angst vor der AfD – und vor unserem Institutsleiter, der für diese Partei kandidiert und ein Mädchen aus seinem Seminar geschickt hat, weil sie dagegen rebellieren wollte.

Und nein, ein „Scheiß AfD“-Shirt ist sicherlich nicht die beste Lösung. Genauso wenig die Maskierten, die das Seminar gestürmt und den Dozenten mit einem Eimer Wasser übergossen haben, genauso wenig wie zerstörerische Antifa-Gruppen.

Ich glaube nicht daran. Ich glaube nicht, dass man durch Krieg zum Frieden finden sollte und ich glaube nicht, dass man mit Hass Liebe erreicht. Statt daran zu denken, dass dieser Argwohn gegenüber unseren Mitmenschen uns zu Grunde richten wird, erhitzt sich die ganze Welt wegen der Streitereien und Kämpfe, die überall entflammen. Es macht mich verrückt, wie so viele Leute ihr Hab und Gut zu sich heranziehen und mit aller Macht verteidigen, weil sie wirklich daran glauben, dass dann alles bleibt wie bisher; dass ihr Leben besser wird, wenn sie nicht teilen; dass sie so glücklicher sind. Und sie merken nicht mal, dass es ihre eigene Unzufriedenheit ist, die sie davon abhält, glücklich zu sein, und dass ihr eigener Hass sie zerfrisst.

Gestern Abend habe ich zum ersten Mal wirklich begriffen, dass Trump Präsident werden könnte. Inzwischen hat er schon die Mehrheit der Stimmen und ich kann mir kaum vorstellen, was diese Entscheidung mit sich bringen wird. Neben so vielen anderen Dingen vor allem eines: Hass. Hass, Hass, Hass, immer mehr, bis so viele Leute daran ersticken, dass vielleicht eines Tages einer von ihnen darauf aufmerksam wird.

Ich hoffe, dass es dann noch nicht zu spät ist.

Kommentare:

  1. Es ist eine schöne Vorstellung, wenn ein Märchen die Welt retten könnte.
    Gerade in diesen Tagen scheint es, als bräuchten die Menschen ganz dringend eines..dass sie an Märchen glauben, siehst du ja.
    Da kommt ein grummeliger Typ, der die dollsten Geschichten erzählt, alles schön leicht verständlich in Gut und Böse einteilt, sich aufführt wie ein richtig miesgelauntes Rumpelstilzchen..und das Volk krönt ihn zum König. Faszinierend.
    Mir kam spontan ein Gedanke für eine Geschichte, mehr eine Szene..mal sehen.

    Mir bereitet das alles auch etwas Bauchweh aber Angst habe ich nicht. Ich habe vor vielen Dingen Angst, aber nicht vor Trump oder vor unseren europäischen Mini-Trumps.
    Für mich ist klar, dass ich MEINE Werte auch mit allen Mitteln verteidigen werde und sollte ein pöbelnder Mob mit Fackeln und Galgen vor meiner Tür stehen, nötigenfalls auch mit Gewalt. Worte dringen da nämlich schon lange nicht mehr durch.

    Auswandern ist keine Option.
    Wohin auch? Also muss man alles mögliche tun, was in seiner Macht steht und hoffen, dass da doch noch ein Funken Verstand übrig geblieben ist.
    Wird schon alles gut Märchen.


    Bis denn!
    Silver 🙂

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    1. Oder? Ich wünschte nur, sie würden zuhören und das Märchen verstehen. Ist aber ein schöner Vergleich, hoffen wir, dass er sich so schnell wie möglich in zwei Teile zerreißt und die Geschichte so endet wie vorgesehen. Ich bin zumindest gespannt auf deine Idee!
      Ich glaube, ich habe auch weniger Angst davor, dass Trump den roten Knopf drückt, sondern davor, dass die Leute ihm in dieser Sache trauen. Das Populismus jetzt wieder bühnentauglich ist - ich meine, er muss immer da gewesen sein, in den Köpfen, und plötzlich sehen wir ihn und er bricht alle Schranken. Das ist beängstigend.
      Aber ich will nicht so sein wie sie. Auch wenn sie die Worte wirklich nicht mehr hören.

      Hoffen wir es.

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  2. Ich habe darüber auch schon viel nachgedacht. Schon beim Thema Brexit waren viele der Meinung, dass das gar nicht passieren würde. Niemals. Dann wurde die AfD so stark gewählt. Und nun Trump. Man fragt sich ja schon was noch alles passieren wird, womit nun gar keiner rechnet.
    Vielleicht hat diese Sache in Amerika wenigstens ein bisschen positiven Einfluss auf uns und unsere Wahlen...

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    1. Ich finde es auch unglaublich, wie schnell das überall geht - als hätten wir aus unserer Geschichte gar nichts gelernt. Ich hoffe aber auch, dass Deutschland sich nächstes Jahr ein Beispiel nimmt, wenn Trump wohl so langsam anfängt, Wahlversprechen drastisch zu brechen.

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  3. Ich habe an dem Tag dein Post gelesen und musste dir zustimmen, ich war einfach nur unglaublich wütend, den ganzen Tag lang und konnte es aber nirgends rauslassen, Trump verkloppen geht schlecht. Ich weiß noch wie Pascal und ich rumgescherzt haben, stell dir vor der wird Präsident haha niemals! Ach Umfragen sagen der schafft es nicht weit, ja denkste. Obwohl ich sagen muss, dass Hillary auch nicht das Gelbe vom Ei wäre, das ist finde ich am traurigsten, beide Kandidaten sind totale Katastrophe, dass es dazu überhaupt kommen konnte, DAS ist das schrecklichste.
    Ich hoffe Deutschland ist nicht auch so verblendet nächstes Jahr, das wird was ..

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    1. Stimmt leider, käme momentan auch nicht gut, ihm ein blaues Auge zu verpassen, wenn man dann von der Hälfte der USA gehasst wird. Es war echt die ganze Zeit so surreal, ich fasse es nicht ... Und ja, stimmt, Hillary wäre wirklich direkt schön aus dem inner circle gekommen und das ist natürlich doof, dass nur die beiden am Ende dastanden (ich bin ja immer noch Bernie-Fan, aber der war natürlich viel zu links für die Amis), aber dann ist sie immer noch das kleiner Übel als ein rassistischer Frauenfeind ohne Plan und politische Erfahrung. Tja. Hoffentlich lernen wir bis zu den Wahlen in Deutschland wirklich daraus.

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