Dienstag, 17. Januar 2017

Verloren


Es ist seltsam, dass ich nicht mehr so allein sein kann, wie ich es früher gekonnt habe. Ich habe mich eingelassen auf die Menschen, und das erlaubt mir, dass ich die Zeit mit ihnen genieße, dass ich sie nicht mag, sie mich unglücklich machen und ich sie vermisse. Meine Gedanken schwirren fort zu ihnen und all die Dinge, die ich sonst für mich behalten habe, verschwinden auf dem Weg.
Es gibt die, die sagen, dass Inspiration auf der Straße liegt, aber ich habe das Gefühl, nur in der Einsamkeit danach hatte ich die Zeit, sie auch zu begreifen. Jetzt passiert alles viel zu schnell, als dass ich mehr mitschreiben könnte als ein paar Zitate, die mich an die alten Zeiten erinnern.

Ich weiß nicht mehr, wovon ich eigentlich träume. Manchmal habe ich deswegen Angst vor der Zukunft, weil ich so sehr im Moment lebe und einfach nicht an morgen denken will. Erst wenn ich dann wieder allein bin, spüre ich diese Worte im Hinterkopf und ich will weg, will nicht mehr allein sein, die Augen schließen, die Wärme der Menschen spüren, weil mir selbst so schnell kalt wird und mein Feuer nur klein und verletzlich flackert, wenn niemand da ist.

Ich bin nicht mehr wie früher und trotzdem dieselbe geblieben. Vielleicht hat das nur einfach niemand bemerkt. Ich lasse sie ja auch in diesem Glauben, ich mache mit und tanze ihnen vor, was sie erwarten, aber manchmal verunsichert es mich, wie schnell das alles geht. Ich sehe mich im Spiegel und begreife nicht, was sie in mir sehen, wie es dazu gekommen ist, dass ich plötzlich auf diese Art und Weise akzeptiert werde, und von so vielen verschiedenen Menschen. Bin ich das überhaupt? Ist es möglich, dass ich bewundert oder gemocht oder geliebt werde und warum? Warum?

Ich bin doch nur ich. Und ich bin verwirrt und verzweifelt, weil mir Nähe fehlt, die ich nie gebraucht habe. Dieser Raum ist so groß, so leer und kalt und düster, dass ich mich verloren fühle.

Verloren. Ein bisschen zu tief in mir selbst versunken. So jung. Und nicht mehr so unschuldig, wie ich einmal war und wie es mir doch so oft ins Gesicht geschrieben wird.

Und es gibt kein aufschlussreiches Ende, um den Ganzen einen Sinn zu geben und plötzlich zu verstehen. So ist das eben.



Short steps, deep breath,
Everything is alright.
Chin up, I can't
Step into the spotlight.
She said, »I'm sad«,
Somehow without any words.
I just stood there,
Searching for an answer.

Why do my words
Always lose their meaning?
What I feel, what I say,
There's such a rift between them.
He said, »I can't
Really seem to read you.«
I just stood there,
Never know what I should do.
Laura Shigihara, Everything's Alright

Kommentare:

  1. Wow Mara, das ist ein unglaublich toller Post!
    So richtig tiefgehend und berührend.. Du schreibst einfach total schön und super.. mh.. poetisch! Fabelhaft! :)

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    1. Vielen, vielen Dank! <3 Das ist in diesem Loch nach Silvester entstanden, als alle in der Wohnung noch geschlafen haben und ich irgendwie verwirrt war von diesen ganzen Gefühlen. Da ist es irgendwie am besten, alles einfach aufzuschreiben.

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  2. Dein Schwesterherz in Rostock hat übrigens immer ein offenes Ohr für dich ;) Schön geschrieben, aber mir kommen hier fast die Tränen in der Bibliothek :( Eigentlich sollte ich auch lernen, anstatt zu lesen...

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    1. Ninchen, ich hab dich lieb! ♥ Und die Antwort hast du ja eh schon.

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  3. Sehr sehr schöne Fotos. :)

    LG Pierre

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  4. Das entsetzt mich ja schon fast, dass du irgendwie überrascht bist, dass Menschen dich mögen. Es würde mich eher überraschen, wenn sie es nicht tun würden.
    Es ist nicht schlimm wenn man die Nähe und die Wärme anderer Menschen braucht. Das ist das Problem mit diesen Menschen, hat man sie einmal an sich heran gelassen, kann man nicht mehr so gut ohne.
    Keine Sorge, es ist normal dass man seine Gedanken oder Worte nicht mehr so gut hören kann, wenn das Leben so laut rauscht, wenn alles rasant ist und man keine Ruhe findet, das erstmal alles zu verarbeiten.
    Irgendwann kannst du das, dann ist mal wieder etwas Ruhe und.. du bist doch selbst auch eine Flamme, auch für andere, die dich genauso brauchen, wie du sie.
    Du kannst auch alleine brennen, den großen, kalten Raum erhellen und mit Wärme füllen, genauso wie früher, wie schon immer, auch wenn sich das zur Zeit vielleicht anders anfühlt.
    Geniesse einfach alles, was jetzt ist, es ist vielleicht gar nicht verkehrt, nicht immer an das zu denken, was irgendwann mal vielleicht kommt oder auch nicht.

    Everything's alright.
    Jep, so ist es.

    Und die Bilder sind toll, tolle Atmosphäre!

    Allerliebste Grüße,
    deine Silver

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    1. So in der 7., 8. Klasse hätte es mich auf jeden Fall überrascht, dass es mal so viele werden. Ich dachte, ich bleibe einfach ewig das übersehene Mauerblümchen. Irgendwie akzeptiert, aber nichts Besonderes an sich. Aber das sind wir ja alle, auch, wenn man das manchmal nicht denkt.
      Das ist ein schöner Gedanke, dass man selbst so eine Flamme ist. Stimmt wohl auch, manchmal ist man vielleicht sogar selbst das Problem – eigentlich sind Menschen und wie sie einen behandeln sowieso wandelnde Probleme, immer, aber damit muss man wohl klarkommen. Und es stimmt, jetzt im Moment genieße ich die Ruhe, obwohl ich genau auf dem gleichen Fleck in der gleichen stillen Wohnung sitze. Ich brenne zwar nicht unbedingt, aber so ein kleines Glühen ist es schon und das reicht. Überhaupt sind die Dinge meistens viel einfacher, als man sie sich vorstellt und im Moment bin ich eigentlich wirklich ziemlich zufrieden. Everything’s alright. Und „you“ ist nicht irgendeine olle große Liebe sondern du und alle anderen lieben Menschen in meinem Leben. So! (:

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  5. Ein sehr berührender Post liebes Märchenkind! Dieses Gefühl nicht mehr die selbe Person wie früher zu sein und dennoch immernoch man selbst, ist manchmal ganz schön schwer. Ich kenne das sehr gut. Man ist so im Wandel. Verändert sich und doch verändert sich nichts. Aber eins ist sicher, im Laufe der Zeit wird es alles besser werden :)
    Liebste Grüße ❤ Saskia | www.demwindentgegen.de

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    1. Vielen lieben Dank! ❤ Schön, zu hören, dass andere auch mal in dieser Situation stecken - hoffen wir doch mal, dass es besser wird. Ist bisher ja eigentlich immer so gewesen. (:

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