Freitag, 6. Januar 2017

What if this storm ends?


What if this storm ends
and I don’t see you
as you are now
ever again?
Snow Patrol, The Lightning Strike

Es sind schon so viele Stürme vorübergegangen im letzten Jahr. Sie haben irgendwann an Intensität verloren und sind verschwunden, haben mich vielleicht ein letztes Mal zu Boden geworfen, um dann triumphierend fortzuwehen, und anderen habe ich mich in den Weg gestellt und sie selbst beendet.
Und es stimmt. Mit jedem Sturm sehe ich die Dinge anders. Jeder Donnerschlag verunsichert mich, jeder Blitz zeigt mir, dass ich nicht aufgeben darf. Der Regen schwächt mich und hilft mir, die Dinge klarer zu sehen, und ganz am Ende, in der Ruhe nach dem Sturm, halte ich für einen Moment inne, atme die kühle, frische Luft und kann es nicht fassen, dass nach all den Strapazen plötzlich wieder Frieden einkehrt. Und dass sich alles so sehr verändert hat.

In letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass ich kaum noch mitkomme. Ich tue Dinge, die ich niemals von mir erwartet, früher sogar verurteilt hätte. Ich weiß, dass die Menschen mich plötzlich ganz anders sehen und ich bin nicht mehr im Geringsten abhängig von denen, die ich mir ohnehin nie ausgesucht habe.
Ich habe selbst die Wahl. Was passiert, wenn der Sturm sich dem Ende neigt und ich dich niemals wieder so sehe wie davor? Eine ganze Menge vermutlich. Vielleicht auch fast gar nichts. Aber ich will mich auch gar nicht an der Vergangenheit festklammern – vor dem Sturm war eine ganz andere Zeit. Der Himmel war blau und das Gras grün, es hat sich nach Sommer angefühlt und nach Glück, und jetzt, wo ich den Regen rieche und die Blumen ihre Köpfe gesenkt haben, bin ich zwar müde, aber nicht ohne Hoffnung. Ich spüre, wie die Bäume ihre Wurzeln nach dem Wasser ausstrecken, ich sehe, wie der Staub, der sich angesammelt hat, im Bach fortgespült wird und ich weiß, dass die Blumen sich der Sonne entgegenstrecken werden, wenn sie zwischen den Wolken hervorbricht. Vielleicht nicht alle, aber der Sturm hat so viele neue Knospen zum Erblühen gebracht, dass es kaum auffällt. Nur ein kleiner Stich im Herzen, wenn ich die leeren Stellen erblicke, und so viel Wärme, wenn sich eine neue Blüte ihren Weg bahnt.

Es lässt sich ohnehin nicht aufhalten. Und ganz am Ende weiß man plötzlich, dass es gar nicht so schlimm ist.



Weißt du, das Beste daran ist, dass dieser Text älter ist als all die Dinge, die sich im Moment in meiner Brust zusammenballen. Es gab ihn vor dir und deinen Taten und es gibt ihn auch jetzt noch. Ich brauche dich nicht als Inspiration, um diese Gefühle in Worte zu fassen – und ich glaube, ich brauche dich auch sonst nicht.

Kommentare:

  1. Ein wirkkich schöner Blog, habe ihn erst vor kurzem(okay gestern) entdeckt. Du hast definitiv begabte Hände und einen schönen Schreibstil.

    Welche Dinge tust du denn aktuell, welche du in der Vergangenheit "verurteilt" hast?
    Und da ich aktuell kurzfristig in Norwegen arbeite/bin, muss ich die Frage stellen, wie kommt es das du etwas Norwegisch kannst?
    Ha det bra ;)

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    1. Vielen, vielen Dank! :)
      Ach, wenn ich das so genau beschreibe, dann verliert es ja irgendwie an Bedeutung, weil es dann auf die paar Beispiele festgelegt ist, die mir so durch den Kopf schwirren. Was man als Kind oder junger Mensch eben "nieee tun würde", bis man merkt, dass es eigentlich doch manchmal so kommt. (Beziehungsweise: Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, wie detailliert ich das im Internet ausbreiten sollte. Man weiß nie, wer hier noch so rumschnüffelt. ;D)

      Ich hab mal ein Video auf Norwegisch gesehen und fand, dass es niedlich und nicht allzu schwierig klingt, also habe ich angefangen, es mir beizubringen. Ich wollte eh immer viele Sprachen lernen und es macht wirklich Spaß, zumal ich mir das Land so schön vorstelle. (: Ha det bra!

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    2. Ich sitze gerade am Fenster..und ja,es ist wunderschön. Im Sommer war ich im Norden Norwegens und habe Polarlichter gesehen, jetzt bin ich im Süden (-20 Grad ^^) und sehe die weißen Landschaften/Berge.

      Es ist wirklich nicht so schwer, allerdings ist die Sprache aufgrund der Dialekte extrem schwer zu verstehen.

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    3. Vor der Kälte bangt es mir auch schon ziemlich.^^ Aber ich möchte ohnehin mal ein Jahr was Praktisches irgendwo auf dem Land machen, so ähnlich wie wwoofing vermutlich, da bleibt mir das sicher nicht erspart.
      Ja, die Dialekte finde ich auch teilweise ziemlich verwirrend, aber ist vermutlich nicht anders, als wenn man Deutsch lernt und im tiefsten Bayern oder Sachsen landet. Irgendwie wird's schon hinhauen. :)

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  2. Na du,
    ich bin wieder überpünktlich..und las im Link im ersten Moment '..shit-storm-ends'^^

    Das ausgerechnet meinem Märchen sowas passiert..aber so ist das wohl, sucht man sich nicht aus, man ist ja nicht allein auf dieser Welt.
    Und solange man mit Menschen zu tun hat, muss man wohl einfach mit allem rechnen, jederzeit. Auch von sich selbst überrascht sein, das ist vielleicht das erstaunlichste (oder erschreckendste?) daran, etwas zu tun, was man von sich so niemals gedacht hätte.
    Nun ja, solange ein bisschen Hoffnung übrig ist, ist nichts verloren. Und jeder Sturm endet mal, hinterher räumt man die Trümmer weg und findet vielleicht auch wunderschönes Strandgut.

    Und der letzte Abschnitt gefällt mir. Es gibt ein 'davor' und da hat man auch geatmet und geschrieben und genau das kann man auch noch 'danach', sich das klar zu machen, ist schon echt gut.
    Sich woraus aus immer Inspiration zu holen ist aber auch ok:)

    Geheime Post folgt noch. Und Gästebuch auch...ach, ich vermisse diese Gästebuch-Romane ein wenig.

    Bis bald!
    Silver^^

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    1. Das wäre auch cool. Wer wird schon gerne vom Himmel aus mit Scheiße beworfen? Shit storm, echt tolle Wortkombi.

      Leider, leider. Irgendwie denkt man sich das immer - mir passiert sowas nicht, und dann doch. Ich würde das nicht machen, und dann doch. Auch wenn ich das Gefühl habe - um das Wort nochmal aufzugreifen - nicht ganz so viel Scheiße gebaut zu haben, wie manch andere_ /*:r (ist mir egal, ob das jetzt nicht korrekt gegendert ist), aber gut, umso heftiger der Sturm, desto bessere Chancen auf tolles Strandgut, oder? Könnte ein bisschen angekratzt sein, aber trotzdem schön.

      Ja. Es geht weiter. :) Und klar kann man sich inspirieren, das ist sowieso immer wunderbar, aber manchmal ist es es schön, wenn man was allein hinkriegt, gerade, wenn man sich partout nicht von jemandes Blödsinn noch Ideen holen will. Soviel dazu.

      Naja, die sind ja eigentlich noch da, bloß zu gmx übertragen. Und heute auch eher eine Novelle, aber immerhin. Bis dann! (:

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  3. Das Video zu dem Lied zeigt sehr schön, was ich gerne mit dem ganzen Krust in meinem Herzen tun würde, einfach loslassen und in einem Sturm durch die Luft wirbeln lassen, stattdessen ist mein Herz total verklebt.

    Ich dachte immer in meinem Leben wäre auch alles nur ein Sturm, den ich nur überstehen müsste, aber in Wirklichkeit befinde ich mich in einem Jump and Run Spiel, bei dem die Plattformen nach hinten verschwinden, aber ich sitze in der hinteren Ecke, gucke fasziniert durch die Gegend statt mich auf das Spiel zu konzentrieren und jedes Mal ist es ein Riesenakt, endlich mal die nächstes Hürde zu nehmen. Wenn ich mich zusammenreißen würde, wäre alles ganz leicht, aber gerade jetzt gegen Ende verliere ich gerade meine Nerven. Ich weiß ganz genau, was wichtig ist und was ich tun muss, aber ich ignoriere es und das nicht einmal leichten Herzens, ich zocke mit mir selbst, mit meinem zukünftigen Ich, und so weiter.

    Als ich elf war, habe ich mich über meinen Cousin lustig gemacht, der immer bis mittag verschlafen hat, wenn er konnte. Ich fand es auch ekelhaft und peinlich, wenn meine Mutter meinte, ich würde mich mit fünfzehn schminken, so wie alle Mädchen. Inzwischen mache ich mich nicht mehr über meinen Cousin lustig (okay, ich sehe ihn fast nie, aber ich hätte absolut kein Recht es zu tun, da ich inzwischen mindestens so schlimm bin wie er damals. Und ich finde schminken nicht mehr ekelhaft, aber es ist immer noch nicht so ganz meine Sache.

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    1. Wenn es so einfach wäre ... aber irgendwann passiert das vermutlich auch von allein. Ob es so schön durch den Sturm wirbelt oder die Blätter einfach abfallen, aber immerhin. Viel Glück, wie auch immer du es letztendlich anstellst.

      Das ist auch ein ziemlich schönes Bild. Man könnte es sich echt einfach machen, und jetzt sitze ich hier und muss an einem Wochenende meine Erasmusbewerbung machen, zwei verschiedene Anschreiben für ein Praktikum wären toll und ein Essay muss ich auch noch schreiben, wobei ich etwa 40% der Texte dafür gelesen habe. Und das ist erst mal nur der oberflächliche Teil. Wenn ich jetzt nicht da durch sprinte, dann kann ich mich wohl direkt in den Abgrund plumpsen lassen und das Level neu starten - oder zumindest nicht so abschließen, wie ich geplant habe, und das ist auch doof. Ziemlich dumm eigentlich, es gibt genug Leute, die mit einem spielen, da muss man es sich nicht selbst noch schwer machen. Und ich wünsche dir ganz viel Glück dabei, dass du auch noch durchkommst! Es ist echt immer dieselbe Scheiße, aber unter Druck arbeiten kann auch helfen.

      Eben. Solche Sachen. Damit fängt es an und plötzlich sind da noch so viel mehr Dinge, die man eigentlich okay finden könnte, und mein 16-Jähriges Ich würde verzweifelt nach Luft schnappen und mir eine Moralpredigt halten. Aber ich meine, wir sind auch nicht mehr 11 oder 16 und so passiert das. Lässt sich vermutlich nicht ändern. Und ist gut so.

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